Filmstill aus "Macondo" (Quelle: FreibeuterFilm)

14.02.2014 | 16 Uhr | Wettbewerb - Macondo

Der elfjährige tschetschenische Junge Ramasan hat viel zu bewältigen für sein junges Alter: die frühe Verantwortung für die Familie, den rauen Alltag in einer Wiener Flüchtlingssiedlung und das übermächtige Kriegshelden-Bild seines toten Vaters, an den er sich kaum erinnert. Als ein neuer Mann ins Leben der Familie tritt, gerät Ramasan in einen emotionalen Konflikt.

Der tschetschenische Flüchtlingsjunge Ramasan lebt in Macondo, einer rauen Flüchtlingssiedlung in einem Industriegebiet am Rande Wiens. Für einen Elfjährigen muss er viel Verantwortung übernehmen. In der traditionellen tschetschenischen Gesellschaft gilt er seit dem Tod seines Vaters als Mann im Haus, der sich um seine Mutter und seine zwei jüngeren Schwestern kümmern muss.

Ramasan spricht viel besser Deutsch als seine Mutter Aminat und er übersetzt bei Behördengängen oft für sie. Aminat ist auf seine Hilfe angewiesen, muss sie doch mit dem Verlust ihres Mannes, der Flucht aus Tschetschenien und dem harten Alltag als berufstätige, alleinerziehende Mutter in einer fremden Gesellschaft zurechtkommen.

Ramasans enge Welt bricht auf als Isa, ein Kriegskamerad des toten Vaters, in die Wohnsiedlung einzieht. Isa stattet der Familie einen Besuch ab und übergibt Ramasan die Uhr des Vaters und ein Familienfoto, das dieser immer bei sich getragen hatte. Diese Begegnung erweckt Ramasans Interesse an seinem Vater. Er sucht Isas Nähe, doch der geheimnisvolle Außenseiter gibt nichts über die Vergangenheit preis.

Isa öffnet sich schrittweise und zwischen den beiden entwickelt sich eine Beziehung, die Ramasan hilft, sich seiner Urangst zu stellen. Isa könnte eine neue, viel menschlichere Vaterfigur werden als die abstrakte Erinnerung an den toten Kriegshelden. Doch als Aminat beginnt, sich für Isa zu interessieren, beginnt für Ramasan ein emotionaler Konflikt. Er fühlt den Drang das Bild des toten Vaters zu beschützen.

"Macondo" ist das Spielfilmdebüt der iranischstämmigen Regisseurin Sudabeh Mortezai, auf der Berlinale feiert der Film Weltpremiere. Mortezai besetzte ihn vor allem mit Laiendarstellern, auf diese Weise mutet "Macondo" fast wie ein Dokumentarfilm an. Die Kamera befindet sich auf Augenhöhe des jungen Ramasans, der in einem schwierigen Lernprozess Fragen von Verantwortung und Ehre für sich beantworten muss.

Weitere Vorführungen:

15.02. 09:30 Zoo Palast 1 (D, E)
15.02. 16:00 Haus der Berliner Festspiele (D, E)
15.02. 18:30 Friedrichstadtpalast (D, E)
16.02. 22:30 International (D, E)

 

Quelle: Berlinale

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