Berlinale 2014: Filmstill "Wu Ren Qu | No Man's Land" mit Zheng Xu und Bo Huang (Quelle: berlinale.de/Copyright: China Film Company)

"Wu Ren Qu" | Wettbewerb - Ein glorreicher Halunke

Das chinesische Kino ist in diesem Jahr besonders stark im Berlinale-Wettbewerb vertreten. Gleich drei Filme aus China konkurieren um die Goldenen und Silbernen Bären, die am Samstag verliehen werden. Am Donnerstag hat Ning Hao seinen Film "Wu Ren Qu (No Man's Land)" präsentiert - ein chinesischer Italo-Western. Von Andreas Kötzing

"Dies ist eine Geschichte über Tiere", heißt es zu Beginn des Films. Falken kreisen durch die Luft, irgendwo in der chinesischen Einöde. Ein paar Sekunden später sitzen die Tiere gefangen im Käfig. Sie sollen für viel Geld verkauft werden. Doch die Gier nach Geld war noch nie ein guter Begleiter, um in einem Western halbwegs anständig über die Runden zu kommen. Wer nur nach Reichtum lechzt, der lebt nicht lange. Und so dauert es auch hier nur ein paar Sekunden, bis zum ersten Mal ein Auto ins Bild kracht, Scheiben zerbersten und jemand mit blutigem Gesicht im Staub der Wüste liegt. "Du bist ein guter Mensch, aber guten Menschen passieren nicht immer gute Dinge", heißt kurz vor der ersten Explosion und das klingt wenig verheißungsvoll, vor allem für Pan Xiao (Xu Zheng), den Helden des Films.

Pan ist ein junger Anwalt, der schnell Kariere machen will. Er verteidigt den undurchsichtigen Falkenhändler vor Gericht und macht sich danach schnell auf den Weg zu seinem nächsten Fall. Dazu muss er jedoch quer durch die Wüste und Pan ahnt nicht, dass aus dieser Reise ein "Trip to nowhere" werden wird, bei dem auch die Falken bald wieder eine wichtige Rolle spielen werden.

Zwischen Homage und Parodie

Ning Hao macht kein großes Geheimnis daraus, wer oder was ihn zu diesem Genre-Werk inspiriert hat. Der organge-gelbe Farbstich in allen Bildern, der Staub der Wüste, Männer, die langsam reden, aber dafür schnell schießen und ein Enio-Morricone-Gedächtnissoundtrack - all das erinnert  bewusst an die großen Italowestern von Sergio Leone, vor denen sich Hao verneigt, ohne sie zu plagiieren. Die Dramaturgie des Films - einschließlich eines gewaltigen Show Downs am Ende - orientiert sich ebenso an den Genrevorbildern wie die Zeichnung der Charaktere. Es mangelt nicht an zwielichtigen Personen, namenlosen Revolverhelden und geldgierigen Halsbschneidern, die in einer Geisterstadt auf ihr nächstes Opfer lauern.

Ning Hao ist jedoch klug genug, sich und das Genre-Kino nicht allzu ernst zu nehmen. "Wu Ren Qu (No Man's Land)" schwelgt daher nicht in nostalgischen Referrenzen an die "guten alten Zeiten", sondern präsentiert sich als zeitgemäße Adaption der Leone-Klassiker. In seinen besten Momenten strotzt der Film zudem vor Selbstironie, zum Beispiel wenn Pan sich aufs gesattelte Pferd schwingt, aber aus Angst, nicht den richtigen Weg zu finden, lieber das Navi aus dem gerade verschrotteten Auto mitnimmt. 

Berlinale 2014: Der chinesische Regisseur Ning Hao beim Photocall für "Wu Ren Qu" (No man's land) (Quelle: dpa)
Bringt eine Liebeserklärung ans Genre-Kino auf die Berlinale: der chinesische Regisseur Ning Hao.

Ein strauchelnder Held

Überhaupt ist Pan alles andere als ein moderner Clint Eastwood. Coolness ist seine Sache nicht. Jeder Schritt, den er wagt, um sich aus den Gefahren der Wüste zu befreien, bringt ihn stattdessen  tiefer in den Schlamassel hinein. In seiner einfältigen Art erinnert Pan daher eher an den kleinkriminellen Jerry Lundegaard aus "Fargo" von Joel & Ethan Coen, der auch ein gutes Händchen dafür hatte, immer etwas falsch zu machen. Doch der Vergleich mit den Coen-Brüdern offenbart auch eine Schwachstelle in Haos Film. Denn während "Fargo" keine moralische Ebene brauchte, um eine tiefergehende Geschichte zu erzählen, bemüht sich "Wu Ren Qu" gegen Ende um eine philosophische Tiefe, die den Film etwas überfrachtet wirken lässt. Als Liebeserklärung an das Genre-Kino funktioniert er jedoch hervorragend - und das ist weit mehr, als man über viele andere Filme in diesem Berlinale-Wettbewerb behaupten kann.  

Bärenwürdig? - Das sagen die rbb-Kritiker

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Beitrag von Andreas Kötzing

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