Berlinale 2014: Filmstill "La belle et la bête | Beauty and the Beast" mit Léa Seydoux (Quelle: berlinale.de/Copyright: Concorde Filmverleih GmbH)

"La Belle et la Bête" | Wettbewerb | Außer Konkurrenz - Träume in Rosenrot

Eine blühende Schönheit und ein verbiesterter Kerl: Der französische Regisseur Christophe Gans erzählt in "La Belle et la Bête" seine eigene Version des alten französischen Volksmärchens. Eine neue Lesart bietet er allerdings nicht an. Sein opulenter Ausstattungsfilm bleibt an der Oberfläche seiner traumhaft schönen Bilder. Von Ula Brunner

Wildheit und Zivilisation, Schönes und Abstoßendes, Mensch und Tier, Frau und Mann – "La Belle et la Bête" strotzt nur so vor spannungsvollen Gegensätzen. Nicht umsonst hat der vielschichtige Stoff seit jeher fasziniert. 1740 wurde das poetische Märchen von Gabrielle-Suzanne de Villeneuve erstmals veröffentlicht. Seither wurde die Geschichte, die im deutschen Sprachraum auch als "Tausendschönchen" bekannt ist, in den verschiedensten Kunstgattungen wieder und wieder erzählt: Als Drama, als Oper, Musical und natürlich auch als Film.

Wenig Tiefgang, aber schön bunt

Die wohl schönste Adaption ist Jean Cocteaus poetisches Meisterwerk "Es war einmal" von 1946, der auch im Rahmen der Retrospektive auf der diesjährigen Berlinale gezeigt wurde. In Schwarzweiß fabuliert Cocteau darüber, dass die äußere Erscheinung eines Wesens keine Rückschlüsse auf seine Seele und Psyche zulassen, es geht um Hingabe, Leiden und die Fähigkeit zum Mitgefühl. Der französische Regisseur Christophe Gans erzählt das auch, jedoch mit weniger Tiefgang als der große Märchenklassiker. Dafür herrlich farbenfroh und mit überschwänglicher Ausstattungslust, opulenten Kostümen, einnehmender Detailfreude – und einer hinreißenden Léa Seydoux ("La Vie d’Adèle").

Kitschig und schön

Das ganze Set wirkt wie aus einem Bilderbuch, getupft, wie ein altes Aquarell: Da gibt es ein zuckriges Landhäuschen, in das die verarmte Familie zieht, Zauberwälder, aus denen sich am Ende erzürnte Steinriesen erheben, Sommerwiesen, die an Eisseen grenzen und ein verwunschenes über und über mit Rosen bewachsenes Schloss, in dem sich auch der bucklige Butler Riff Raff aus der Rocky Horror Picture Show wie zu Hause fühlen könnte. Das ist romantisch, unglaublich kitschig, kurzum einfach wunderbar. Der Film wurde zu großen Teilen im Studio Babelsberg gedreht, das auch für das Production Design verantwortlich war. Und es waren sicher keine leeren Worte, als Christophe Gans dem deutschen Produktionsteam auf der Pressekonferenz nochmals mit einem Extralob für seine Kreativität dankte.

Yvonne Catterfeld, Christophe Gans und Lea Seydoux © snapshot-photography/Seeliger
Der Regisseur Gans zwischen zwei schönen Frauen: Yvonne Catterfeld und Lea Seydoux.

Eine Rose und ihre Folgen

Frankreich, Anfang des 19. Jahrhunderts. Ein Kaufmann (André Dussollier) hat drei Töchter und drei Söhne, darunter auch die bezaubernde Belle. Wie im thematisch ähnlich gelagerten "Aschenputtel"-Märchen ist Belle, die Jüngste, auch die liebenswerteste und genügsamste der Geschwister. Durch ein Unglück verliert die Familie ihr Vermögen und zieht in ein kleines Landhaus. Bei einer Reise verirrt sich der Kaufmann im Wald und entdeckt ein einsames Schloss. Dort warten ein Tisch mit köstlichen Speisen und Getränken auf ihn sowie wertvolle Mitbringsel für seine Kinder. Als er jedoch eine Rose für seine jüngste Tochter pflückt, verurteilt ihn der Schlossherr, ein schreckliches "Biest" (Vincent Cassel), für diesen Diebstahl zum Tode. Es gestattet dem Kaufmann jedoch, Belle die Rose zu bringen, allerdings soll er danach zu ihm zurückkehren. Als er seiner Familie alles erzählt, entscheidet Belle, sich anstelle ihres Vaters dem Biest zu opfern. Doch im Schloss erwartet sie nicht der Tod, sondern ein melancholisches wütendes Wesen. Jeden Abend speisen sie gemeinsam und immer wieder bittet sie der Schlossherr, sie zu heiraten – natürlich vergeblich. Doch in ihren nächtlichen Träumen erschließt sich Belle nach und nach das tragische Geheimnis ihres mysteriösen Verehrers.

Die Schöne und der Grummel

Eine tolle Ausstattung, ein spielfreudiges Ensemble, zwei schöne Frauen und ein zotteliges Biest mit traurigen Augen. Christophe Gans hat bei der Wahl seiner Protagonisten ein glückliches Händchen bewiesen: Yvonne Catterfeld überzeugt als Mensch gewordene Waldnymphe und Vincent Cassel hat genügend animalischen Charme, um einigermaßen nachvollziehbar zu machen, wie sich die wunderschöne Léa Seydoux schon nach kurzer Zeit in den grummeligen Löwenmenschen verlieben kann. In Anbetracht der äußeren Umstände, geht die Liebesgeschichte wirklich überraschend flott und unkompliziert vonstatten. Und es lässt sich letztlich auch verkraften, dass die Story in Gans‘ Adaption weniger Vielschichtigkeit hat, als der Stoff eigentlich hergibt. Keine tiefenpsychologischen Abgründe, keine philosophischen Exkurse - "La Belle et la Bête" in der Light-Version. Leicht und schön.

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Beitrag von Ula Brunner

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