August 2013 - Jonny K.-Urteil, BER-Teileröffnung und ein neuer Landesvater

Das Landgericht Berlin spricht sein Urteil im Prozess um die tödliche Prügelattacke auf Jonny K., die 2012 angesichts ihrer Brutalität für Entsetzen gesorgt hat. Flughafenchef Hartmut Mehdorn will den BER im Frühjahr 2014 scheibchenweise eröffnen. Und Dietmar Woidke wird als Brandenburgs neuer Ministerpräsident vereidigt.

Der Fall um Jonny K. hat bundesweit für Entsetzen gesorgt: In der Nacht zum 14. Oktober 2012 schlagen mehrere junge Männer den 20-jährigen Jonny K. so brutal zusammen, dass er einen Tag später an Gehirnblutungen stirbt. Die Berliner Staatsanwaltschaft setzt eine Belohnung für Hinweise auf die Täter aus. Zehn Tage nach der Tat gelingt der Polizei eine erste Verhaftung. Doch erst Anfang April 2013 haben sich alle Gesuchten der Polizei gestellt, zwei von ihnen hatten sich direkt nach der Tat ins Ausland abgesetzt.

Im August spricht das Berliner Landgericht nun die Urteile: Gegen den Haupttäter Onur U. verhängt es eine Jugendstrafe von viereinhalb Jahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge, die anderen fünf Angeklagten bekommen Haftstrafen von bis zu zwei Jahren und acht Monaten. Einen Tag später legt der Anwalt des Haupttäters Onur U. Revision ein - die Haftstrafe sei unangemessen hoch.

In dem Verfahren, das zweimal aufgerollt werden muss, kann letztlich nicht geklärt werden, ob der Tod des 20-Jährigen durch den Sturz auf das Straßenpflaster oder durch die Schläge und Tritte verursacht wurde. Jonnys Schwester Tina K. sagt nach der Urteilsverkündung, sie sei froh, dass alle Angeklagten Haftstrafen bekommen hätten - trotzdem wisse sie immer noch nicht, wer ihren Bruder getötet habe: "Es gibt keine gerechte Strafe." Reue habe sie bei allen Männern nicht erkennen können.

Mehdorn plant Teileröffnung des BER

Der BER soll 2014 eröffnen - wenn auch erst mal nur in einer Schmalspurvariante. Flughafenchef Hartmut Mehdorn kann sich bei der Aufsichtsratssitzung mit seinem Teileröffnungskonzept gegen Widersacher Horst Amann durchsetzen.

Geht es nach Mehdorn, so wird im Frühjahr 2014 der BER mit einem Testbetrieb starten. Zehn Flugzeuge sollen pro Tag starten oder landen, um die Technik zu testen. Später sollen die Fluggesellschaften aus Tegel umziehen, anschließend die Airlines vom bestehenden Schönefelder Flughafen. Damit im Frühjahr der Nordflügel tatsächlich in Betrieb gehen kann, muss eine neue Baugenehmigung des Landkreises Dahme-Spreewald eingeholt werden. Darum soll sich Mehdorn jetzt persönlich kümmern.

Auch Umbaumaßnahmen werden notwendig: Für den Teilbetrieb müssen im Pier Schalter und Gepäckbänder installiert werden, weil dort bisher eine Passagierabfertigung nicht vorgesehen ist. Das Gebäude ist als Wartehalle geplant. Kostenpunkt: sechs Millionen Euro. Tatsächliche Umsetzung: ungewiss.

Im Oktober wird jedoch ein Konflikt um das BER-Projekt beendet: Der Aufsichtsrat setzt Horst Amann als technischen Geschäftsführer der Flughafengesellschaft ab, womit sich Hartmut Mehdorn in einem monatelangen Machtkampf durchsetzt.

Woidke wird als Ministerpräsident vereidigt

Dietmar Woidke übernimmt das Amt des Regierungschefs von Matthias Platzeck (beide SPD). Bei seiner Wahl im Potsdamer Landtag stimmen 59 von 87 Abgeordnete für Woidke. Das sind vier Stimmen mehr, als SPD (30) und Linke (25) zusammen im Landtag besitzen. 25 stimmten gegen Woidke, drei Parlamentarier enthielten sich.

Daraufhin beruft Woidke alle Ministerinnen und Minister des Kabinetts von Platzeck in die neue Landesregierung. In seiner ersten Regierungserklärung würdigt er zu Beginn seine beiden Vorgänger, Manfred Stolpe und Matthias Platzeck, als "außergewöhnliche Landesväter".

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bei seiner Vereidigung am 28.08.2013 im Landtag in Potsdam
Brandenburgs neuer Ministerpräsident bei seiner Vereidigung.

Weiter erklärt Woidke zum Antritt, dass er sich für mehr Nachtruhe am neuen BER-Flughafen einsetzen will. Außerdem will er einen Gesetzentwurf vorlegen, der den Mindestlohn bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen von 8 Euro auf 8,50 Euro pro Stunde anhebt. Für die Schulen äußert Woidke das Ziel, die Vertretungsreserve bei den Lehrern ab dem Frühjahr 2014 um 50 Prozent zu steigern. Auf diese Weise soll es weniger Unterrichtsausfall geben. Das Land werde sich dies zehn Millionen Euro zusätzlich kosten lassen, so Woidke.

Was sonst noch im August geschah

Jahresrückblick 2013

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