Februar 2013 -
Pferdedöner, Berlinale-Boom und neue Ortsschilder
Den Berlinern wird eines ihrer Lieblingsgerichte verleidet: Behörden entdecken Pferdefleisch in Dönern. Auch in Brandenburg tauchen Fleischprodukte mit Pferde-DNA-Spuren auf. Die 63. Berlinale feiert einen neuen Besucherrekord und das osteuropäische Kino. In Brandenburg können Ortsschilder zukünftig der Tourismuswerbung dienen - oder die Heimatliebe zum Ausdruck bringen.
Im Februar ereilt ein Pferdefleisch-Skandal ganz Europa. Und auch in Berlin wird falsch deklariertes Fleisch entdeckt - ausgerechnet im Döner. Doch nicht nur da: Auch in einem Tiefkühlprodukt einer Discounter-Eigenmarke in Berlin wird Pferdefleisch nachgewiesen.
Wenig später stoßen die Brandenburger Behörden in verschiedenen Fertigprodukten erstmals auf Pferdefleisch. Insgesamt vier Proben werden positiv vom Landeslabor Berlin-Brandenburg getestet: Bei zwei der Proben handelt es sich um Rindergulasch aus Neuruppin. Noch im Lager vorhandene Ware wird daraufhin gesperrt, bereits ausgelieferte Gulasch-Packungen werden zurückgerufen.
Für viele unappetitlich: In verschiedenen Fleischprodukten wird nicht deklariertes Pferdefleisch gefunden.
Der Fleischskandal führt zu europaweiten Tests der gefundenen Fleischprodukte. Sie ergeben, dass das nicht-deklarierte Pferdefleisch keine gesundheitsschädigenden Mittel enthält, wie die EU-Kommission im April mitteilt. Lediglich in 0,6 Prozent der Proben werden Rückstände des Schmerzmittels Phenylbutazon gefunden, das für den Menschen gesundheitsgefährdend sein kann.
Zuschauerrekord bei der 63. Berlinale
Die 63. Ausgabe der Internationalen Filmfestspiele Berlin wird zum Zuschauermagnet: Insgesamt 303.077 Eintrittskarten werden zwischen dem 7. und 17. Februar 2013 an die aus aller Welt angereisten Filmfans verkauft. Ein neuer Rekord - 2012 waren 3.500 Karten weniger über den Verkaufstresen gegangen.
Programmatisch richtet die Berlinale mit Produktionen aus Russland, Polen, Rumänien, Bosnien-Herzegowina und Kasachstan ihren Blick im Wettbewerb klar nach Osteuropa. So geht auch der Hauptpreis der Berlinale, der Goldene Bär, erwartungsgemäß an das Drama "Child's Pose" aus Rumänen. Für ihre Rolle der "Gloria" würdigt die Jury unter Wong Kar Wai die Schauspielerin Paulina Garcia, die eine Frau Ende 50 spielt, die sich mit dem Alleinsein nicht abfinden will und noch einmal auf die Suche nach der Liebe geht.
Zur 63. Berlinale läuft auch Nicolas Cage mit seiner Frau über den roten Teppich.
Den Goldenen Ehrenbär für sein Lebenswerk erhält der französische Regisseur und Produzent Claude Lanzmann. "In seiner Darstellung von Unmenschlichkeit und Gewalt, von Antisemitismus und seinen Folgen hat er eine neue filmische wie ethische Auseinandersetzung geschaffen", würdigt Festivaldirektor Dieter Kosslick den Dokumentaristen bei der Preisverleihung.
"Ausdruck von Heimatliebe": Brandenburger Ortsschilder dürfen Namenszusätze tragen
Brandenburgs Kommunen dürfen künftig Namenszusätze auf ihre Ortsschilder schreiben. Der Landtag votiert einstimmig für einen entsprechenden Gesetzentwurf der Landesregierung. Der ermöglicht den Kommunen, ihrem Namen zusätzliche Bezeichnungen hinzufügen, "die auf die Historie, die Eigenart oder die Bedeutung der Gemeinde" hinweisen.
Das brandenburgische Linum ist bekannt für seine Störche. Auf seinem Ortsschild dürfte nun auch "Storchendorf" stehen.
So kann sich Frankfurt (Oder) jetzt "Kleist-Stadt" aufs Ortsschild schreiben oder Rheinsberg "Fontane-Stadt". Voraussetzung ist eine Mehrheit von mindestens drei Vierteln der Mitglieder in der jeweiligen Gemeindevertretung.
Ergänzende Bezeichnungen stifteten Identität, könnten der Tourismuswerbung dienen und seien ein Ausdruck von Heimatliebe, lauten die Argumente in der Debatte. Die Initiative zu der Neuerung hatte die FDP-Fraktion ergriffen und dafür große Unterstützung erhalten.
Was sonst noch im Februar geschah
Der deutsche Papst dankt ab
Wir sind Papst gewesen: Papst Benedikt XVI. gibt nach knapp acht Jahren freiwillig sein Pontifikat auf. Grund sind seine nachlassenden Kräfte, so der 85-Jährige. An seinem letzten Arbeitstag verabschieden sich die Spitzen der deutschen Katholiken und der Bundesregierung mit einem Festgottesdienst in der Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale - darunter auch Gesundheitsminister Philipp Rösler, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Norbert Lammert (v.l.n.r.).
Johanna Wanka wird Bundesbildungsministerin
Sie soll in ihrer Dissertation "systematisch gedankliche Leistungen anderer als die ihrigen ausgegeben" haben: Bundesbildungsministerin Annette Schavan stolpert über eine Plagiatsaffäre und tritt zurück. Ihre Nachfolgerin wird Johanna Wanka (CDU), die neun Jahre lang Wissenschaftsministerin in Brandenburg gewesen ist.
Viele Bauern eiern rum
Noch ein Lebensmittelskandal: Deutschlandweit geraten mehr als 200 landwirtschaftliche Betriebe ins Visier. Die Bauern sollen Millionen Eier mit "Freiland" oder sogar "Bio" gekennzeichnet haben, obwohl sie alles andere als Bio sind. Die falsch gekennzeichneten Hühnereier landen auch in den Regalen der Region, die Verbraucher sind verunsichert. In Brandenburg ermittelt zudem die Staatsanwaltschaft Cottbus ermittelt gegen einen Bio-Bauern im Spreewald, weil er Eier falsch deklariert haben soll.
Zwangsräumungen bringen Mieter auf die Palme
Steigende Mieten sorgen in Berlin zunehmend für Konflikte. Bei der Zwangsräumung einer Wohnung in der Lausitzer Straße in Berlin-Kreuzberg solidarisieren sich hunderte Menschen mit den Mietern. Weil die Mieter nicht rechtzeitig eine Nachforderung begleichen, wird die Räumung gerichtlich durchgesetzt. Doch mehr als 700 Demonstranten stellen sich der Polizei in den Weg. Die Aktivisten protestieren dagegen, dass weniger gut verdienende Menschen aus den Innenstadtbezirken verdrängt werden, weil die Mieten dort rasant ansteigen. Letztlich muss die Polizei mit einem Großaufgebot der Gerichtsvollzieherin den Weg bahnen.
Rechte Gewalttaten steigen wieder an
Traurige Wende: Zum ersten Mal seit Jahren steigt in Brandenburg wieder die Zahl der Straftaten mit rechtsextremem Hintergrund. Auch bei rechtsradikaler Gewalt haben die Sicherheitsbehörden 2012 wieder einen Anstieg verzeichnet: Bis Mitte Dezember 2012 steigt die Zahl der rechtsextren Gewalttaten auf 53 Fälle an, im Vorjahr waren 36 Fälle gezählt worden. Derweil kämpft das Aussteigerprogramm "Exit" ums Überleben: Mit dem Auslaufen eines Sonderprogramms des Bundesarbeitsministeriums verliert die Initiative, die Rechten beim Ausstieg aus der Szene hilft, einen Großteil der Zuwendungen.
Eisbär in der Vitrine
Berlins prominenter Eisbär wird auch nach seinem Tod zum Publikumsmagneten. Der ausgestopfte Knut wird im Februar im Foyer des Naturkundemuseums ausgestellt. Der weltweit bekannte Bär war vor den Augen Hunderter Zoobesucher von einem Felsen ins Wasser gestürzt und ertrunken. Er litt vermutlich an einer Gehirnentzündung. Die Entscheidung der Zooleitung, das Tier dem Naturkundemuseum zur Präparation und Ausstellung zu überlassen, hatte zuvor zu heftigen Protesten. Mitte März wandert Knut vorerst in die wissenschaftlichen Sammlungen des Forschungsmuseums.
Unis müssen Meldegebühren zurückzahlen
Kleiner Geldregen für ehemalige Berlin-Studenten: Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts können Studierende, die zwischen 1996 und 2004 in Berlin immatrikuliert waren, ihre damals gezahlten Rückmeldegebühren von 100 Mark pro Semester zurückfordern. Ihren Anspruch können sie bis Ende 2013 geltend machen - mit einem Anschreiben an ihre ehemalige Hochschule. Weitere Bildergalerien
Einer der spektakulärsten Bankraube versetzt Berlin in Erstaunen: Monatelang graben Einbrecher einen 45 Meter langen Tunnel in eine Bankfiliale und stehlen Millionen. In der Lausitz werden derweil zwei Hochschulen gegen massive Widerstände fusioniert und Berlins Zoodirektor nennt seine Mitarbeiterinnen "Weibchen".
Den Berlinern wird eines ihrer Lieblingsgerichte verleidet: Behörden entdecken Pferdefleisch in Dönern. Auch in Brandenburg tauchen Fleischprodukte mit Pferde-DNA-Spuren auf. Die 63. Berlinale feiert einen neuen Besucherrekord und das osteuropäische Kino. In Brandenburg können Ortsschilder zukünftig der Tourismuswerbung dienen - oder die Heimatliebe zum Ausdruck bringen.
Als Teile der East Side Gallery in Berlin für ein Bauprojekt von Luxuswohnungen abgetragen werden, regt sich international Protest - selbst Prominente wie David Hasselhoff kommen nach Berlin, um das Mauerdenkmal zu retten. Vor dem Olympiastadion verunglückt ein Helicopter-Pilot bei einer Großübung der Bundespolizei. Und das erste Urteil gegen einen Leichenräuber wird gesprochen.
Der Winter will nicht enden. Noch im April liegen die Temperaturen um den Gefrierpunkt. Die anhaltende Kälte beeinträchtigt auch die Eröffnung der Landesgartenschau in Prenzlau. In Berlin kämpft eine Bürgerinitiative um das Tempelhofer Feld ohne jegliche Randbebauung - und strengt ein Volksbegehren an.
Der frühere Bürgermeister von Ludwigsfelde, Heinrich Scholl, wird wegen Mordes angeklagt und zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Der traditionell unruhige Maifeiertag verläuft in Berlin überraschend friedlich. Und das angestrebte Volksbegehren für eine Reform der kriselnden Berliner S-Bahn scheitert vor Gericht.
Elf Jahre nach der Jahrhundertflut müssen Brandenburg und andere Bundesländer erneut gegen ein massives Hochwasser kämpfen. Erstmals werden Misshandlungsvorwürfe in drei Jugendheimen der Haasenburg publik, die später zu ihrer Schließung führen. Und Barack Obama kommt zum ersten Mal als US-Präsident nach Berlin.
Nach einem leichten Schlaganfall verkündet Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck nach elf Jahren im Amt seinen Rücktritt - ihm folgt Dietmar Woidke. Ein neues Flüchtlingsheim in Berlin-Hellersdorf sorgt für Konflikte und löst eine andauernde Asyldebatte aus. Und mit der Insolvenz von Conergy gerät die Solarbranche weiter ins Straucheln.
Das Landgericht Berlin spricht sein Urteil im Prozess um die tödliche Prügelattacke auf Jonny K., die 2012 angesichts ihrer Brutalität für Entsetzen gesorgt hat. Flughafenchef Hartmut Mehdorn will den BER im Frühjahr 2014 scheibchenweise eröffnen. Und Dietmar Woidke wird als Brandenburgs neuer Ministerpräsident vereidigt.
Berlins Wohnungsproblem wird immer drängender - in der Hauptstadt wird zunehmend gegen steigende Mieten protestiert. Um nicht auch noch die Nebenkosten weiter explodieren zu lassen, beschließt die Stadt, die Wasserbetriebe zurückzukaufen. In Templin sorgt derweil ein Dumpinglohn für Empörung.
Vor Berlins Wahrzeichen campieren rund 30 Flüchtlinge und protestieren mit einem Hungerstreik gegen die deutsche Asylpolitik. Die Fluglärmkommission entscheidet sich erst mal gegen neue Flugrouten. Und im Streit um den Suhrkamp-Verlag kommt es im Amtsgericht Charlottenburg zum Showdown.
Zwar stimmen knapp 600.000 Menschen und damit die große Mehrheit der Teilnehmer für eine kommunale Energieversorgung, trotzdem scheitert der Energie-Volksentscheid in Berlin. Im Streit um die Altanschließer-Verträge aus DDR-Zeiten schafft der Brandenburger Landtag klarere Verhältnisse. Und gleich zwei Berliner Kinohäuser haben etwas zu feiern.
Der Nachbau des Potsdamer Stadtschlosses ist fertig. Die letzten Vorbereitungen für den Umzug des Potsdamer Landtags in das "neue alte Schloss" Anfang 2014 laufen. Der Eintritt in den Park Sanssouci in Potsdam bleibt weiterhin erst mal frei. Und der Justizminister tritt zurück, weil er Häftlinge begünstigt haben soll.
Einer der spektakulärsten Bankraube versetzt Berlin in Erstaunen: Monatelang graben Einbrecher einen 45 Meter langen Tunnel in eine Bankfiliale und stehlen Millionen. In der Lausitz werden derweil zwei Hochschulen gegen massive Widerstände fusioniert und Berlins Zoodirektor nennt seine ...