Januar 2013 -
Tunnelgangster, Lausitz-Uni und Zoodirektoren-Witze
Einer der spektakulärsten Bankraube versetzt Berlin in Erstaunen: Monatelang graben Einbrecher einen 45 Meter langen Tunnel in eine Bankfiliale und stehlen Millionen. In der Lausitz werden derweil zwei Hochschulen gegen massive Widerstände fusioniert und Berlins Zoodirektor nennt seine Mitarbeiterinnen "Weibchen".
Es ist ein spektakulärer Bankraub: Monatelang haben Einbrecher einen 45 Meter langen Tunnel von einer Tiefgarage in den Tresorraum einer Bankfiliale in Steglitz gebuddelt. Mitte Januar erreichen sie ihr Ziel, brechen 309 Schließfächer auf und erbeuten Millionen. Viele Wertsachen, wie Schmuck oder auch ganze Geldbündel lassen die Täter im Tresorraum und im Tunnel verstreut zurück.
30 bis 40 Jahre alt und rund 1,90 Meter groß: Mit einem Phantombild sucht die Polizei einen der Tunnelgangster.
Die Berliner Polizei kann nur staunen, als der Tunnel entdeckt wird: "Das waren absolute Profis." Die Polizei sucht mit Hilfe eines Phantombildes nach einem der Tunnelgangster. Insgesamt 90 Hinweise auf die möglichen Täter gehen daraufhin ein, allein 30 Tipps kommen aus der Bevölkerung dazu.
Die Berliner Volksbank setzt Monate später 25.000 Euro Belohnung für den Hinweis aus, der zum Ergreifen der Täter führt. Doch selbst ein 30 Minuten langer Beitrag in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" bringt keinen Erfolg: Die Tunnelgangster sind weiterhin auf der Flucht.
Brandenburger Landtag beschließt Gründung neuer Lausitz-Uni
Trotz breiter Proteste von Studenten und Professoren kommt die Hochschulfusion in der Lausitz. Mit seiner rot-roten Mehrheit beschließt der Landtag die Zusammenlegung der beiden Hochschulen in Cottbus und Senftenberg. Ab 1. Juli 2013 bilden sie die neugegründete "Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg".
Alles Pfeifen und Trillern hat nichts genutzt: Die Uni-Fusion in Brandenburg kommt.
Dem Fusionsprojekt von Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) sind monatelange Proteste vor allem in Cottbus vorausgegangen. Mitte Januar veröffentlichen 70 Dozenten der BTU Cottbus einen offen Brief, in dem sie gegen die "Zwangsfusion" protestieren. Die Fusion sei ein folgenschwerer Eingriff in eine wirtschaftsschwache und strukturarme Region, so die Wissenschaftler.
Auch ihre Studierenden laufen Sturm: Sie initiieren ein Volksbegehren, das aber später im Jahr scheitern sollte.
"Weibchen" und "Zuchtstuten": Berlins Zoodirektor in der Kritik
Für Empörung sorgt der Berliner Zoo- und Tierparkchef Bernhard Blaszkiewitz. Als ein internes Schreiben von ihm an die Öffentlichkeit gelangt, gerät er in Erklärungsnot: In dem Schreiben hatte er Namen seiner Mitarbeiterinnen mit dem Zusatz 0,1 versehen - diese Formel steht in der Zoo-Welt für "Weibchen", bei bestimmten Tierarten auch für "Zuchtstuten". Nicht nur Frauenpolitiker reagieren empört.
Ein Zoodirektor alter Schule: Bernhard Blaszkiewitz
Blaszkiewitz, der für einen autoritärem Führungsstil bekannt ist, entschuldigt sich daraufhin in einem Schreiben: Die 0,1-Klassifizierung sei keine "Bezeichnung von Missachtung" gewesen, sondern "als Höflichkeit gegenüber den weiblichen Mitarbeitern gedacht" gewesen. Auch für seine umstrittene Aussage, viele Mitarbeiter würden Weihnachtsgeld kassieren, obwohl sie "unchristlich" seien, entschuldigt sich Blaszkiewitz. Es habe "Missverständnisse" gegeben. Selbstverständlich würden alle Mitarbeiter eine im Tarifvertrag vereinbarte Sondervergütung erhalten.
Der Brief rettet ihm vorerst den Job: Das Präsidium des Zoo-Aufsichtsrats stellt sich im Januar trotz der öffentlichen Kritik hinter Blaszkiewitz. Erst im August ringt sich der Aufsichtsrat durch, Blaszkiewitz Vertrag Ende Juni 2014 nicht zu verlängern.
Was sonst noch im Januar geschah
BER-Eröffnung rückt in unbestimmte Ferne
Auch 2013 sorgt der Flughafen für Schlagzeilen: Am 6. Januar wird bekannt, dass die Eröffnung des Airports erneut verschoben werden muss - zum vierten Mal. Frühestens 2014 soll er in Betrieb gehen. Wegen der BER-Krise strengt die Opposition ein Misstrauensvotum gegen Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit an, das er jedoch übersteht. Zwei Tage später gewinnt Brandenburgs Ministerpäsident Matthias Platzeck im Landtag die von ihm selbst eingebrachte Vertrauensabstimmung - und holt sich so Rückendeckung, um den Vorsitz im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft zu übernehmen.
Senioren setzern sich per Hausbesetzung durch
Rebellische Rentner werden zu Hausbesetzern: Monatelang haben Senioren 2012 in Berlin-Pankow ihren Club in der Stillen Straße besetzt gehalten. Der Bezirk wollte das sanierungsbedürftige Gebäude ursprünglich verkaufen, um Kosten zu sparen. Doch er hat nicht mit dem Protest der Rentner gerechnet, der über Deutschland hinaus für Schlagzeilen sorgt. Im Januar dann die Lösung: Der Förderverein der Rentner schließt mit der Berliner Volkssolidarität einen Kooperationsvertrag, die das Gebäude übernimmt.
Ein Virus macht die Runde
In drei Berliner Krankenhäusern stecken sich Frühgeborene mit einem Lungenvirus an. Zuerst treten zehn Fälle im Vivantes-Klinikum Friedrichshain auf, kurze Zeit später erkranken auch sechs Babys am St.-Joseph-Krankenhaus in Tempelhof und zwei Neugeborene an der Charité-Mitte. Bei der Erkrankung handelt es sich um das Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV), das Schnupfen und Bronchitis auslösen kann. Doch in allen Fällen stabilisiert sich der Zustand der Neugeborenen schnell wieder. Die erneuten Fälle sorgen für Aufsehen, nachdem im Vorjahr in Berlin ein Neugeborenes nach einer Infektion mit Serratienkeimen gestorben ist.
Streit um reines Jungengymnasium in Potsdam
Eine in Köln ansässige Fördergemeinschaft, die der umstrittenen katholischen Priester- und Laienorganisation Opus Dei nahestehen soll, will in Potsdam ein reines Jungengymnasium eröffnen. Doch die Stadt und das Land Brandenburg sind strikt dagegen - sie wollen landesweit gemeinsamen Schulunterricht von Jungen und Mädchen. Der Fall landet vor dem Bundesverwaltungsgericht. Und das entscheidet für die Organisation: Reine Jungenschulen sind zulässig.
Einmal mit George Clooney drehen ...
Casting für den Hollywood-Beau: Mehrere tausend Menschen stellen sich in Potsdam-Babelsberg bei klirrender Kälte in die Schlange, um in George Clooneys neuem Film als Komparse mitspielen zu dürfen. In den Filmpark-Studios Babelsberg wird "The Monuments Men" mit dem Hollywoodstar gedreht. Beim Casting werden vor allem Männer zwischen 18 und 50 Jahren gesucht, um Massenszenen mit Soldaten zu drehen.
Ein Weltstar will den Stab niederlegen
Die Berliner Philharmoniker verlieren ihren berühmten Chefdirigenten - wenn auch erst in fünf Jahren. Sir Simon Rattle kündigt an, seinen 2018 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Seine Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen. Trotzdem hoffe er, dass genug Zeit bleibe, um in Ruhe die weiteren Jahre in Berlin zu planen. Der Intendant der Berliner Philharmoniker, Martin Hoffmann, bedauert Rattles Entschluss. Mit einer Entscheidung über einen Nachfolger rechnet Hoffmann jedoch frühestens 2015.
Salafisten werden misstrauisch beäugt
Nachdem Salafisten 2012 unter anderem in Berlin kostenlos Korane verteilt haben, geraten sie im Januar wieder in die Schlagzeilen: Laut Verfassungsschutz steigt die Zahl ihrer Anhänger rasant. In Berlin gäbe es rund 400 Mitglieder dieser islamistischen Vereinigung, die Zahl der gewaltorientierten Salafisten wird bereits auf 200 geschätzt. "Es hat sich gezeigt, dass der Salafismus die am schnellsten wachsende Bewegung ist", so der Verfassungsschutz.
Nobel-Herberge eröffnet im Zoofenster
Ursprünglich sollte es schon vor über einem Jahr fertig sein, doch erst im Januar ist es soweit: Das Luxushotel Waldorf Astoria am Zoofenster in Berlin wird eröffnet. Das Haus kann Gäste in 182 Zimmern und 50 Suiten beherbergen. Die Preise reichen dabei von 280 Euro pro Nacht in einem Standard-Zimmer bis zu 12.000 Euro für die Präsidentensuite. Der Eröffnungstermin ist mehrfach verschoben worden - unter anderem wegen Problemen beim Brandschutz. Gesamtkosten für das Bauprojekt: 230 Millionen Euro. Weitere Bildergalerien
Einer der spektakulärsten Bankraube versetzt Berlin in Erstaunen: Monatelang graben Einbrecher einen 45 Meter langen Tunnel in eine Bankfiliale und stehlen Millionen. In der Lausitz werden derweil zwei Hochschulen gegen massive Widerstände fusioniert und Berlins Zoodirektor nennt seine Mitarbeiterinnen "Weibchen".
Den Berlinern wird eines ihrer Lieblingsgerichte verleidet: Behörden entdecken Pferdefleisch in Dönern. Auch in Brandenburg tauchen Fleischprodukte mit Pferde-DNA-Spuren auf. Die 63. Berlinale feiert einen neuen Besucherrekord und das osteuropäische Kino. In Brandenburg können Ortsschilder zukünftig der Tourismuswerbung dienen - oder die Heimatliebe zum Ausdruck bringen.
Als Teile der East Side Gallery in Berlin für ein Bauprojekt von Luxuswohnungen abgetragen werden, regt sich international Protest - selbst Prominente wie David Hasselhoff kommen nach Berlin, um das Mauerdenkmal zu retten. Vor dem Olympiastadion verunglückt ein Helicopter-Pilot bei einer Großübung der Bundespolizei. Und das erste Urteil gegen einen Leichenräuber wird gesprochen.
Der Winter will nicht enden. Noch im April liegen die Temperaturen um den Gefrierpunkt. Die anhaltende Kälte beeinträchtigt auch die Eröffnung der Landesgartenschau in Prenzlau. In Berlin kämpft eine Bürgerinitiative um das Tempelhofer Feld ohne jegliche Randbebauung - und strengt ein Volksbegehren an.
Der frühere Bürgermeister von Ludwigsfelde, Heinrich Scholl, wird wegen Mordes angeklagt und zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Der traditionell unruhige Maifeiertag verläuft in Berlin überraschend friedlich. Und das angestrebte Volksbegehren für eine Reform der kriselnden Berliner S-Bahn scheitert vor Gericht.
Elf Jahre nach der Jahrhundertflut müssen Brandenburg und andere Bundesländer erneut gegen ein massives Hochwasser kämpfen. Erstmals werden Misshandlungsvorwürfe in drei Jugendheimen der Haasenburg publik, die später zu ihrer Schließung führen. Und Barack Obama kommt zum ersten Mal als US-Präsident nach Berlin.
Nach einem leichten Schlaganfall verkündet Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck nach elf Jahren im Amt seinen Rücktritt - ihm folgt Dietmar Woidke. Ein neues Flüchtlingsheim in Berlin-Hellersdorf sorgt für Konflikte und löst eine andauernde Asyldebatte aus. Und mit der Insolvenz von Conergy gerät die Solarbranche weiter ins Straucheln.
Das Landgericht Berlin spricht sein Urteil im Prozess um die tödliche Prügelattacke auf Jonny K., die 2012 angesichts ihrer Brutalität für Entsetzen gesorgt hat. Flughafenchef Hartmut Mehdorn will den BER im Frühjahr 2014 scheibchenweise eröffnen. Und Dietmar Woidke wird als Brandenburgs neuer Ministerpräsident vereidigt.
Berlins Wohnungsproblem wird immer drängender - in der Hauptstadt wird zunehmend gegen steigende Mieten protestiert. Um nicht auch noch die Nebenkosten weiter explodieren zu lassen, beschließt die Stadt, die Wasserbetriebe zurückzukaufen. In Templin sorgt derweil ein Dumpinglohn für Empörung.
Vor Berlins Wahrzeichen campieren rund 30 Flüchtlinge und protestieren mit einem Hungerstreik gegen die deutsche Asylpolitik. Die Fluglärmkommission entscheidet sich erst mal gegen neue Flugrouten. Und im Streit um den Suhrkamp-Verlag kommt es im Amtsgericht Charlottenburg zum Showdown.
Zwar stimmen knapp 600.000 Menschen und damit die große Mehrheit der Teilnehmer für eine kommunale Energieversorgung, trotzdem scheitert der Energie-Volksentscheid in Berlin. Im Streit um die Altanschließer-Verträge aus DDR-Zeiten schafft der Brandenburger Landtag klarere Verhältnisse. Und gleich zwei Berliner Kinohäuser haben etwas zu feiern.
Der Nachbau des Potsdamer Stadtschlosses ist fertig. Die letzten Vorbereitungen für den Umzug des Potsdamer Landtags in das "neue alte Schloss" Anfang 2014 laufen. Der Eintritt in den Park Sanssouci in Potsdam bleibt weiterhin erst mal frei. Und der Justizminister tritt zurück, weil er Häftlinge begünstigt haben soll.
Den Berlinern wird eines ihrer Lieblingsgerichte verleidet: Behörden entdecken Pferdefleisch in Dönern. Auch in Brandenburg tauchen Fleischprodukte mit Pferde-DNA-Spuren auf. Die 63. Berlinale feiert einen neuen Besucherrekord und das osteuropäische Kino. In Brandenburg können Ortsschilder ...