Juni 2013 - Hochwasser, Haasenburg-Heime und Obamas Berlin-Besuch

Elf Jahre nach der Jahrhundertflut müssen Brandenburg und andere Bundesländer erneut gegen ein massives Hochwasser kämpfen. Erstmals werden Misshandlungsvorwürfe in drei Jugendheimen der Haasenburg publik, die später zu ihrer Schließung führen. Und Barack Obama kommt zum ersten Mal als US-Präsident nach Berlin.

Brandenburg ereilt ein schweres Hochwasser. Mehr als sechs Wochen lang halten sich die Pegelstände mancherorts hartnäckig über den Normalwerten - auch noch lange nach den Höchstständen von Anfang Juni.

Das Hochwasser der Elbe erreicht in Mühlberg am 7. Juni nach Angaben der Stadtverwaltung 9,89 Meter und liegt damit nur knapp unter dem Rekordwert von 9,98 Meter bei der Jahrhundertflut Mitte August 2002. Am Pegel Wittenberge steigt die Elbe am 9. Juni auf den historischen Spitzenwert von 7,85 Meter. Hochwasser führen auch die Spree, Lausitzer Neiße, Schwarze Elster, Havel und die Stepenitz.

Ein Mann läuft in Breese (Brandenburg) durch den Vorgarten seines überfluteten Hauses. (Bild dpa)
Die Brandenburger erhalten 112 Millionen Euro an Fluthilfe-Geldern.

Zwar halten die Deiche dem Druck stand, dennoch richtet das Wasser Schäden an Gebäuden und auf Agrarflächen an. In Brandenburg werden die Hochwasserschäden allein in der Landwirtschaft von der Landesregierung auf rund 44 Millionen Euro beziffert. Insgesamt wurden 39.230 Hektar Äcker und Wiesen überflutet.

Die Bundesregierung richtet einen Fluthilfe-Fonds ein. Bund und Länder einigen sich auf Finanzhilfen für die Reparatur der Hochwasserschäden in Höhe von acht Milliarden Euro. Brandenburg erhält 112 Millionen Euro aus dem Fonds.

Misshandlungsvorwürfe: Haasenburg-Heime in Brandenburg müssen schließen

In drei Jugendheimen der Haasenburg GmbH sollen Kinder misshandelt worden sein. Nachdem drei Jugendliche aus einem der Heime ausreißen, gelangen die Missbrauchsvorwürfe an die Öffentlichkeit. Der Haasenburg-Geschäftsführer widerspricht vehement, räumt aber später ein, dass bis vor drei Jahren in Einzelfällen Jugendliche stundenweise auf speziellen Liegen fixiert wurden.

Die Staatsanwaltschaft Cottbus nimmt Ermittlungen gegen Erzieher und Heimbetreiber auf. Brandenburgs Bildungsministerin Martina Münch (SPD) verhängt einen Belegungsstopp für die Haasenburg-Heime und setzt eine Untersuchungskommission ein.

Das Kinder- und Jugenheim «Haus Babenberg» der Haasenburg GmbH am 21.06.2013 in Jessern (Brandenburg). Foto: dpa
Die Haasenburg-Heime in Brandenburg sollen geschlossen werden.

Der Untersuchungsbericht kommt später zu einem verherrenden Urteil: Die Menschenwürde der Minderjährigen sei durch längere Isolierungen und die Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses verletzt worden. Die Praxis der Haasenburg sei fragwürdig und deute auf ein Menschenbild hin, das die Ausübung von Willkür ermöglicht habe.

Ministerin Münch entschließt sich daher Anfang November, die Haasenburg-Heime zu schließen.

Obama spricht vor dem Brandenburger Tor

Barack Obama kehrt fünf Jahre nach seiner Rede an der Siegessäule als US-Präsident im Juni zurück nach Berlin. Etwas mehr als 25 Stunden verbringt er mit seiner Familie in Berlin - ein straffes Programm in sengender Hitze. Übernachtet wird im schwer gesichterten Hotel Ritz Carlton am Potsdamer Platz.

Obama in Berlin 2013: Barack Obama begrüßt die Gäste am Brandenburger Tor (Quelle: dpa)
US-Präsident Obama während seiner Rede am Brandenburger Tor.

Während ihr Ehemann das straffe politische Programm absolviert, machen sich First Lady Michelle Obama und ihre beiden Töchter auf den Weg durch Berlin: Sie besichtigen unter anderem das Holocaust-Mahnmal, das Mauer-Panorama am Checkpoint Charlie und die Mauer-Gedenkstätte in der Bernauer Straße.

Nach den Treffen mit Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist der Höhepunkt Obamas rund 30-minütige Rede am Brandenburger Tor: die Reduzierung der atomaren Sprengköpfe der USA, die Schließung des Gefangenenlagers Guantanamo, mehr Umweltschutz, die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen - kaum ein Thema lässt der US-Präsident aus. Doch ein Satz für die Geschichtsbücher wie bei Kennedy oder Reagan bleibt nicht hängen.

Was sonst noch im Juni geschah

Jahresrückblick 2013

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