Mai 2013 - Scholl-Mordprozess, 1. Mai und S-Bahn-Tisch

Der frühere Bürgermeister von Ludwigsfelde, Heinrich Scholl, wird wegen Mordes angeklagt und zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Der traditionell unruhige Maifeiertag verläuft in Berlin überraschend friedlich. Und das angestrebte Volksbegehren für eine Reform der kriselnden Berliner S-Bahn scheitert vor Gericht.

Es ist der tiefe Fall eines einst erfolgreichen Mannes. Heinrich Scholl hatte nach der Wende in Brandenburg die SPD mitbegründet, 18 Jahre lang regierte er die Stadt Ludwigsfelde, vier Mal wurde er als Bürgermeister wiedergewählt.

Im Mai wird er vom Landgericht Potsdam wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Gericht spricht ihn schuldig, seine Ehefrau im Dezember 2011 umgebracht zu haben, und folgt damit der Forderung der Staatsanwaltschaft. Der 70-Jährige war angeklagt, seine Frau bei einem Waldspaziergang heimtückisch erdrosselt zu haben. Er selbst hat bis zuletzt seine Unschuld beteuert und auf Freispruch plädiert.

Ein von der Polizei verteiltes Bild von Brigitte Scholl (Foto: dpa)
Heinrich Scholl hat die Tat an seiner Ehefrau Brigitte immer abgestritten.

Im Laufe des Indizienprozesses sind rund 100 Menschen zum Umfeld des Ehepaares gehört worden. Sie haben von einem regelrechten Ehekrieg berichtet: Heinrich Scholl musste zu Hause im Keller schlafen, wurde von seiner Frau als Zwerg beschimpft und gemaßregelt. In seinem Schlussplädoyer zeigte sich der Staatsanwalt überzeugt, dass Scholl seine Frau umgebracht hat, um sich aus ihrem "Dominanzregime" zu befreien. Ein DNA-Gutachten hat zudem Spuren von ihm an den Tatwerkzeugen nachgewiesen.

1. Mai in diesem Jahr "fast total friedlich"

Zehntausende Menschen sind am Maifeiertag in Berlin unterwegs - und es bleibt dabei ruhiger als in so manchem Vorjahr. Innensenator Frank Henkel (CDU) und Polizeipräsident Klaus Kandt zeigen sich zufrieden mit der Arbeit der Polizei, die mit einem Großaufgebot von 7.000 Beamten im Einsatz ist.

Teilnehmer der Revolutionäre 1. Mai Demo (Quelle: dpa)
Rund 9.000 Demonstranten nehmen an der "Revolutionären 1. Mai-Demo" teil.

Im Vorfeld sind massive Ausschreitungen für die "Revolutionäre 1. Mai-Demonstration" von Kreuzberg nach Mitte befürchtet worden, doch die Stimmung heizt sich nur kurzzeitig auf. Friedlich verlaufen auch DGB-Kundgebung und "Myfest". Bei den Demonstrationen von Linken und Rechten in Schöneweide kann die Polizei Zusammenstöße verhindern.

Auch die Walpurgisnacht verläuft ohne größere Störungen. In Berlin-Schöneweide wird gegen Rechts demonstriert, im Wedding gegen steigende Mieten und soziale Ausgrenzung. Die Bilanz der Nacht: 17 Personen werden vorübergehend festgenommen und 20 Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruchs und Widerstands gegen die Staatsgewalt eingeleitet.

Volksbegehren gegen S-Bahn-Chaos ist vom Tisch

Der Berlin "S-Bahn-Tisch" erleidet eine schwere Niederlage: Das Berliner Verfassungsgericht erklärt das von der Bürgerinitiative angestrebte Volksbegehren für eine S-Bahn-Reform als unzulässig und bestätigt damit die Auffassung des Senats.

Fahrgäste auf einem S-Bahnhof (Foto: dpa)
Verspätungen und Ausfälle: Die Berliner S-Bahn steht seit Jahren in der Kritik.

Zur Begründung verweisen die Richter darauf, dass der Vertrag mit der Deutschen Bahn über den S-Bahn-Verkehr gemeinsam mit dem Land Brandenburg geschlossen wurde. Deshalb könne Berlin nicht alleine entscheiden. Da sich das Volksbegehren auch auf Bereiche beziehe, die außerhalb der Zuständigkeit des Gerichtes liegen, sei das gesamte Begehren unzulässig, so das Gericht.

Vertreter der Initiative zeigen sich empört über das Urteil. Volksbegehren würden damit ad absurdum geführt. Man wolle nun versuchen, die Ziele des Gesetzesentwurfs auf politischer Ebene durchzusetzen. Das Volksbegehren strebt den Erlass eines "Gesetzes zur Beendigung des Chaos bei der Berliner S-Bahn" an. 2011 hat die Initiative dazu weit mehr Unterschriften sammeln können, als für die Einleitung eines Volksbegehrens nötig gewesen wären.

Was sonst noch im Mai geschah

Jahresrückblick 2013

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