Oktober 2013 - Flüchtlinge am Brandenburger Tor, Flugrouten-Streit und Suhrkamp-Insolvenz

Vor Berlins Wahrzeichen campieren rund 30 Flüchtlinge und protestieren mit einem Hungerstreik gegen die deutsche Asylpolitik. Die Fluglärmkommission entscheidet sich erst mal gegen neue Flugrouten. Und im Streit um den Suhrkamp-Verlag kommt es im Amtsgericht Charlottenburg zum Showdown.

Vor dem Brandenburger Tor gehen mehrere protestierenden Flüchtlinge in einen tagelangen Hunger- und Durststreik. Viele der vor allem aus Bayern angereisten Asylbewerber müssen von Sanitätern behandelt werden, auch aufgrund von Unterkühlung wegen der Kälte und Nässe.

Flüchtling am Brandenburger Tor wird von Rettungssanitäter abtransportiert (Quelle: dpa-Bildfunk)
Die Flüchtlinge mussten mehrfach von Sanitätern und Ärzten behandelt werden.

Mit ihrem Protest wollen sie auf die ihrer Ansicht nach unfaire Behandlung durch die Behörden aufmerksam machen. Sie fordern, dass die Asylgesetzgebung in Deutschland geändert und ihre Asylanträge bewilligt werden. Unterstützt werden sie von den Flüchtlingen, die in dem Protest-Camp am Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg leben. Auch sie haben damals ihre Forderungen zunächst mit einem Hungerstreik auf dem Pariser Platz zum Ausdruck gebracht.

Nach zehn Tagen beenden die Flüchtlinge am Brandenburger Tor ihren Protest und beziehen eine provisorische Unterkunft in Kreuzberg. Hier sollen sie bis Januar bleiben können. Ihnen wird zudem vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zugesagt, dass ihre Asylanträge innerhalb von drei Monaten noch einmal geprüft werden.

BER: Änderungen an den Flugrouten vorerst gekippt

Seit Jahren sind die Flugrouten für den künftigen Airport Berlin-Brandenburg umkämpft. In Schönefeld berät die Fluglärmkommission erneut über Änderungen. Grund: Das am schwersten betroffene Blankenfelde-Mahlow und Anrainer-Gemeinden suchen nach einem Weg, wie startende Maschinen die Dörfer nachts umfliegen können.

Passagierflugzeug im Landeanflug (imago, 03.07.2012)
Die Fluglärmkommission lehnte neue Flugrouten für den BER vorerst ab.

Dafür bringen die Anrainer-Gemeinden ein Alternativkonzept ein, das von dem Eichwalder Hobby-Piloten Marcel Hoffmann stammt. Das so genannte "Modell Hoffmann" sieht vor, die Zahl der Flugrouten zu reduzieren, indem außerhalb der Spitzenzeiten eine Bahn ausschließlich für Starts und die andere nur für Landungen benutzt wird. Die Zahl der vom Fluglärm betroffenen Anwohner soll dadurch um mehr als 100.000 sinken.

Doch die Fluglärmkommission lehnt neue Flugrouten ab. Die Umland-Bürgermeister überstimmen die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow. Die Fluglärmkommission vertagt die Entscheidung. Sie will erst über Änderungen beraten, wenn der Flughafen in Betrieb ist.

Gläubiger billigen Insolvenzplan für Suhrkamp Verlag

Das juristische Gerangel um den Suhrkamp Verlag scheint sich dem Ende zuzuneigen: Im Berliner Amtsgericht Charlottenburg stimmen die Gläubiger dem Insolvenzplan der Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz zu. Ihr Widersacher, der Medien-Unternehmer Hans Barlach verliert damit einen Großteil seiner Mitspracherechte und damit an Einfluss im Verlag.

Ulla Unseld-Berkewicz und Hans Barlach (Quelle: dpa)
Seit sieben Jahren hält der erbitterte Streit zwischen der Suhrkamp-Chefin und Barlach an.

Bereits sieben Jahre lang dauert der Streit zwischen Unseld-Berkéwicz, die über ihre Familienstiftung mit 61 Prozent am Verlag beteiligt ist, und Minderheitsgesellschafter Barlach an. Barlach hält die restlichen 39 Prozent an Suhrkamp. Das von Unseld-Berkéwicz initiierte und nun gebilligte Insolvenzverfahren sieht vor, Suhrkamp von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln.

Unseld-Berkéwicz erhält dabei Unterstützung von den Suhrkamp-Schriftstellern, dem ideellen Kapital des Verlags. Diese fürchten, dass Barlach nur am Profit interessiert ist und nicht an ihren Büchern.

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