Wahlkampfhelfer der Alternative für Deutschland (AfD) im blauen Ganzkörperanzug (Quelle: dpa)
Video: Brandenburg aktuell | 07.09.2014 | Michael Schon

Partei legt in Umfragen zu - Wer steht auf der AfD-Liste?

Die AfD ist der Senkrechtstarter unter den Parteien in Deutschland. Und auch in Brandenburg legt sie vor der Landtagswahl in den Umfragen zu: Neun Prozent der Wahlberechtigten würden für die Alternative für Deutschland stimmen. Doch wer steht eigentlich auf der Landesliste der AfD? Michael Schon über Kandidaten und Wahlkämpfer.

Wahlkampfendspurt am Wochenende in der AfD-Hochburg Frankfurt (Oder): Bernd Lucke ist da, Gründer, Bundessprecher und Lichtgestalt der Alternative für Deutschland. Und viele Frankfurter sind auch gekommen - mit einem klaren Bild von der AfD. Vernünftig und gescheit sei die Partei, sagt eine Passantin. Von einer "unverbrauchten Partei" spricht eine andere.

Wirtschaftsprofessor Lucke steht in Brandenburg nicht zur Wahl. Wer aber sind die unverbrauchten Gesichter, die in den Landtag wollen?

Ex-CDU-Mitglied Gauland führt die Liste an

Ganz oben auf der Liste steht Alexander Gauland. Er ist 73 Jahre alt, kommt aus Potsdam und war lange Jahre CDU-Mitglied. Als Chef der Staatskanzlei in Hessen war er politischer Beamter, bevor er bis 2006 Herausgeber der "Märkischen Allgemeinen Zeitung" war.

Gauland wehrt sich immer wieder gegen den Vorwurf, die AfD sei rechtspopulstisch. Dennoch hat der promovierte Jurist im Wahlkampf ein Lieblingsthema: die Zuwanderung. Aus Bulgarien und Rumänien kämen Menschen, die keine Chance auf "unserem Arbeitmarkt" hätten, nirgends Beiträge zahlten, aber Kindergeld für Kinder in Rumänien kassierten, so sein Vorwurf.

Der Ausländeranteil in Brandenburg gehört bundesweit zu den niedrigsten: 2,4 Prozent. Das Thema lässt die AfD aber nicht los. Auch nicht bei einer Wahlkampfveranstaltung in Bestensee bei Königs Wusterhausen. Dort gibt es seit dem Frühjahr ein Flüchtlingsheim - und auch Vorbehalte.

Die AfD will, dass Bürger künftig über Flüchtlingsheime abstimmen sollen. Deshalb will sie aufklären. Aufklären klingt bei AfD-Kandiat Steffen Kotré, Listenplatz 14, dann so: "Dann haben wir den Bezirk Kreuzberg, der gerade Pleite geht, weil 2,3 Millionen Euro für Flüchtlinge zu Buche schlagen." Außerdem spricht Korte von einem Zusammenhang - statistisch gesehen - zwischen Einwanderungs- und Vergewaltigungsrate. Argumente für ein Flüchtlingsheim findet Kotré nicht.

Reisen und Aktenstudium darf man von jedem Abgeordneten erwarten

Weiter oben, auf Platz zwei der Landesliste, steht Rainer van Reamdonck aus Falkensee. Er war SED-Mitglied, CDU-Mitglied und in der Führungsriege der Partei Die Freiheit - eine Ansammlung von rechtspopulistischen Islamkritikern, von denen er sich heute distanziert.

Auf Platz drei der Landesliste steht Franz Wiese. Mit 62 ist er ein wirklicher Politikneuling, der allerding schon sehr genaue Vorstellungen von seiner Arbeit als Landtagsabgeordneter hat. "Die meisten würden jetzt sagen: 'Ich werde Akten studieren, in Ausschüssen sitzen, der Regierung auf die Finger schauen und fleißig meinen täglichen Postberg abarbeiten.' Wissen Sie was? Das lasse ich meine Referenten machen! Ich werde reisen." Das klingt schön. Allerdings: In Brandenburg unterwegs sein - das darf man von jedem Abgeordneten erwarten. Neben dem Aktenstudium.

AfD kommt in aktueller Umfrage auf neun Prozent

Auf ihren Neulingsbonus setzt auch Birgit Bessin, Platz fünf auf der Landesliste. Für sie ist 'neu' ein Teil des Programms. "Vielleicht haben die Bürger deshalb mehr Vertrauen zu uns als zu einem Politiker, der sich nicht mehr in seinem Dorf blicken lässt", meint Bessin.

Auf Platz sechs findet sich Thomas Jung, ein weiteres Ex-CDU-Mitglied, später sogar Landeschef der Freiheitspartei, was auch er als Irrtum bezeichnet. Platz sieben: Andreas Galau aus Hennigsdorf. Er kam von der CDU über Republikaner und FDP zur AfD.

Neun Prozent der Wähler setzen in der aktuellen Umfrage ihre Hoffnung in die AfD. Viel Vertrauen in eine Gruppe, deren Köpfe bisher kaum bekannt sind.

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Beitrag von Michael Schon