Brandenburg Aktuell | 05.02.2014 | Philipp Büchner
Christian Poser -
Von der Tartanbahn in den Eiskanal
Früher war er Juniorenmeister über 100 Meter, jetzt brettert er den Eiskanal hinab. Christian Poser aus Cottbus ist der schnellste Anschieber im Team von Thomas Florschütz. Lob gibt es daher auch von Anschieber-Legende Kevin Kuske.
Es muss nicht immer schlecht sein, der Letzte zu sein. Als Beweis dient Christian Poser, seines Zeichens Bob-Anschieber. Weil er der Schnellste im Vierer-Bob von Thomas Florschütz ist, muss er als Letzter in den Schlitten springen. Dort warten schon Pilot Florschütz und die anderen Anschieber Kevin Kuske und Joshua Bluhm.
Disziplin: Vierer-Bob, u. a. mit Kevin Kuske (Potsdam) Verein: SC Potsdam
Größte Erfolge
1x Weltmeister (2011)
Weitere Infos
Mit US-Bobpilotin verlobt
Ist Poser etwa ein Softie?
In der Szene ist der in Cottbus geborene Poser kein Unbekannter, 2011 gewann er im Bob von Manuel Machata WM-Gold. Nun brettert er mit seinem Potsdamer Kollegen Kuske die Bahnen hinab.
Dass der 27-Jährige überhaupt dabei ist, ist Kuskes Bruder zu verdanken, denn ursprünglich kommt Poser aus der Leichtathletik und war früher hoffnungsvoller 100-Meter-Sprinter (10,62 Sekunden). Doch einige Verletzungen stoppten die Karriere des Jugendmeisters. Motivierte er sich früher allein am Start, stehen nun noch drei andere muskulöse, harte Männer neben ihm, die sich mit Urschreien in Stimmung bringen.
Doch da ist noch die andere Seite des Christian Poser: "Wandern, Malen, Singen" stehen als Hobbys in seinem Athletenporträt seines Vereins SC Potsdam. Ist er etwa ein Softie? "Das ist nicht ganz so ernst gemeint. Ich bin 100 Prozent Sportler, da kann man halt nicht so viele Hobbys wahrnehmen. Das war eher ein kleiner Spaß."
"Das Paar" auf der Bob-Tour
Die Hobbylosigkeit auf der Tour hat aber auch einen anderen Grund: Jamie Greubel, amerikanische Bobpilotin und mittlerweile auch Verlobte von Poser. Fast das gesamte Jahr sind sie gemeinsam unterwegs. Viel Zeit bleibt da aber nicht. "Gerade sie als Pilotin muss sich da ganz anders vorbereiten, mit Videoanalysen beschäftigen. Aber ich habe dafür Verständis." Poser lebt und trainiert in Potsdam, dort ist sie auch oft zu Gast.
Mittlerweile sind auch die sprachlichen Barrieren einigermaßen ausgeräumt. "Ich lerne seit einem Jahr deutsch. Allein, auf dem Laptop, mit einem Sprachprogramm", sagt Greubel in einem Sportschau-Interview. In dem Video halten beide frisch-verliebt Händchen.
Zum Hören
Inforadio | 30.01.2014 - Der Anschieber
Von der Tartanbahn aufs Eis: Christian Poser war früher hoffnungsvoller Sprinter, nun bringt er den Bob von Thomas Florschütz auf Touren. Ein probates Mittel: Gewichtheben. Beitrag von Philipp Büchner.
"Heiß und trotzdem cool"
Im Training geht es natürlich nicht so harmonisch und liebevoll zu. Die Einheiten erinnern dann doch eher an ein Trainingslager von Gewichthebern. Immer mehr Scheiben legt sich Poser auf die Hantel, am Ende liegen 200 Kilogramm auf seinen Schultern - Kniebeugen sind angesagt.
Und obwohl Poser "der Neue" im Team ist, wird er von Anschieber-Legende Kuske geadelt. "Wenn er am Balken neben mir steht, weiß ich, dass was passiert. Ich merke, wie heiß er ist und trotzdem noch cool und locker."
Wie sich das Vierer-Team dann in Sotchi schlägt nach einer durchwachsenen Saison, das wird sich am 22. und 23. Februar zeigen. Die Weltcup-Saison haben sie auf Platz drei abgeschlossen. Posers Kollegen im Zweier-Bob, Florschütz und Kuske, gehen schon am 16./17. Februar an den Start.
Sollte sich einer der Anschieber verletzten, steht ein weiterer Potsdamer bereit: Jan-Martin Speer, Vereinskamerad von Kuske und Poser, wurde vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) als Ersatzmann nominiert - ein übliches Verfahren bei den Bob-Fahrern. Allerdings gilt Speer nicht als offizielles Mitglied der Olympiamannschaft und darf daher auch nicht im Olympischen Dorf wohnen.
Aller guten Dinge sind Dreizehn
Zwölf Sportler aus der Region wurden für Sotschi nominiert - und eine Athletin rückte zwei Tage vor den Spielen noch nach. Zahlenmäßig am stärksten vertreten sind die Eisschnellläufer um Claudia Pechstein. Aber auch das Berliner Eistanz-Paar Tanja Kolbe und Stefano Caruso, die Bobfahrer aus Potsdam sowie die drei Eishockey-Spielerinnen und der Eiskunstläufer Peter Liebers fahren mit großen Hoffnungen ans Schwarze Meer.
Wer hier so schnell ins Tal rast, ist der Bobfahrer Kevin Kuske. Der Anschieber aus Potsdam hat bei Olympia schon viermal Gold gewonnen - jeweils hinter seinem damaligen Piloten André Lange aus Oberhof.
Wie Messungen ergeben haben, ist Kevin Kuske auf den ersten 30 Metern schneller als 100-Meter-Weltrekordler Usain Bolt. In Sotschi soll nun Thomas Florschütz aus Riesa von den Qualitäten des Potsdamers profitieren.
Auch Christian Poser vom SC Potsdam, hier mit seinem Vereinskameraden Manuel Machata, gilt als möglicher Medaillen-Anwärter für Sotschi.
In Sotschi wird der 27-jährige Christian Poser zusammen mit dem anderen Potsdamer, Kevin Kuske, im Vierer-Bob von Thomas Florschütz fahren. Im Weltcup kamen zuletzt meist dritte Plätze heraus.
Dritter im Bunde der Potsdamer Bob-Piloten ist Jan-Martin Speer. Auch er ist als bärenstarker Anschieber bekannt, doch den Sprung ins offizielle Olympia-Team schaffte er nicht - sein langjähriger Partner Manuel Machata verpasste die Qualifikation. Nun steht Speer als Ersatzmann bereit.
Monique Angermüller vom Eissportverein Berlin '08 zählt schon seit vielen Jahren zu den festen Größen im Eisschnelllauf. Der ganz große Erfolg blieb ihr bisher aber versagt.
Bei den Olympischen Spielen in Vancouver belegte sie vor vier Jahren über 500 Meter den 11. Platz. Gerade 30 Jahre alt geworden, wird Monique Angermüller in Sotschi über 1.000 und 1.500 Meter an den Start gehen.
Dass Bente Kraus in Sotschi starten würde, war lange nicht sicher. Im vergangenen Sommer verlor die Berlinerin ihren Vater. Er hatte sie seit dem sechsten Lebensjahr trainiert. Doch die 24-Jährige überwand die Verzweiflung und will in Sotschi nun für sich und ihren Vater laufen.
Bei der Olympia-Generalprobe, der WM in Sotschi vor knapp einem Jahr, erzielte Bente Kraus mit dem 7. Platz über 5.000 Meter und dem 8. Rang über 3.000 Meter ihre bislang besten Resultate. Kein Wunder also, dass die Berlinerin Ende Januar sehr optimistisch in Sotschi eintraf.
Bei Claudia Pechstein bedarf es eigentlich keiner weiteren Erläuterung: Die fünfmalige Olympiasiegerin wird in Sotschi ihre sechsten Olympischen Spiele erleben - im Alter von knapp 42 Jahren.
Ob die Berlinerin in Sotschi ihre zehnte olympische Medaille gewinnen wird, bleibt abzuwarten. Mit den 1.500, 3.000 und 5.000 Metern hat sie sich gleich drei Strecken vorgenommen - doch der seit vier Jahren andauernde Streit um ein angebliches Dopingvergehen dürfte nicht spurlos an Claudia Pechstein vorüber gegangen sein.
Auch Jenny Wolf ist in Sotschi eine Medaille zuzutrauen. In Vancouver holte die Sprint-Spezialistin aus Berlin über die 500 Meter die Silbermedaille hinter ihrer Dauerkonkurrentin Lee Sang-Hwa aus Südkorea.
Auch in Sotschi dürfte die Südkoreanerin die eigentliche Favoritin sein - doch vielleicht gelingt der fünfmaligen Weltmeisterin Jenny Wolf bei ihren vierten Olympischen Spielen noch einmal eine Überraschung.
Seit seiner ersten Olympia-Teilnahme 2010 hat Samuel Schwarz einen deutlichen Leistungsanstieg zu verzeichnen gehabt. War der Berliner in Vancouver über 500 Meter noch 23ster geworden, gelangen ihm im Dezember 2010 und im Dezember 2012 seine ersten beiden Weltcup-Siege über 1.000 Meter.
Bei der Olympia-Generalprobe, der Einzelstrecken-WM in Sotschi vor knapp einem Jahr, wurde der deutsche Rekordhalter über die 1.000 Meter Sechster, sein bislang größter Erfolg bei einer WM. In Sotschi will Samuel Schwarz über 500 und 1.000 Meter noch einmal angreifen.
Auch die beiden Berliner Eishockeyfrauen vom Olympischen Sportclub reisen mit großen Erwartungen nach Sotschi. Susann Götz wird das Team als Kapitänin leiten.
Dass die deutsche Mannschaft Medaillenchancen hat, glaubt die aus Bad Muskau stammende Eishockey-Frau allerdings nicht - dazu seien die anderen Nationen einfach zu stark, allen voran die USA und Kanada, sagt die 31-jährige Susann Götz.
Ähnlich sieht es Nina Kamenik. Für die Stürmerin (hier links), die ebenfalls für die Eisladies vom OSC spielt, geht mit Olympia ein großer Traum in Erfüllung. Ihren ersten Auftritt haben Götz, Kamenik und Co. am 9. Februar, wenn es gegen Gastgeber Russland geht.
Dass Eishockey-Frauen groß und kräftig sein müssen, verweist Nina Kamenik ins Land der Legenden. Frauen-Eishockey sei nicht so körperbetont, dafür aber technisch versiert, sagt die 160-fache Nationalspielerin.
Sie machte aus dem glatten Dutzend die glückliche Dreizehn: Eishockeyspierlin Lisa Schuster wurde zwei Tage vor dem offiziellen Beginn der Olympischen Winterspiele noch nachnominiert. Die 26 Jahre alte gebürtige Münchnerin spielt seit 2012 für die OSC Eisladys Berlin.
Spätestens seit 2008 bestimmt Peter Liebers vom SC Berlin das nationale Eislauf-Geschehen. Viermal ist er seitdem Deutscher Meister geworden, zuletzt dreimal in Folge.
Bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr kam Peter Liebers auf den elften Platz. Bei der Europameisterschaft Anfang des Jahres in Budapest feierte er mit Platz sechs seinen bisher größten Erfolg. Für Sotschi ist eine Top-10-Platzierung das erklärte Ziel.
Auch für die beiden Eistänzer Tanja Kolbe und Stefano Caruso ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Sotschi der vorläufige Höhepunkt ihrer Karriere.
Bei den Europameisterschaften im vergangenen Jahr in Zagreb ist das Eistanz-Paar vom TSC Berlin auf den achten Platz gelaufen. Mit der Olympia-Teilnahme in Sotschi geht für Kolbe & Caruso ein Traum in Erfüllung. Weitere Bildergalerien
Der Potsdamer Kevin Kuske hatte von seiner sechsten Olympia-Medaille geträumt - doch im Zweier-Bob musste der Potsdamer schon nach den beiden ersten Läufen alle Hoffnungen begraben. Er und sein Partner Thomas Florschütz aus Riesa hätten statt eines Formel-1-Wagens nur einen "Trabbi" am Start gehabt, sagte Kuske.
Vor 50 Jahren wurde das Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin gegründet. Von dort stammt unter anderem ein Schlitten, der 1992 für die DDR in Sapporo zum Erfolg fuhr. Heute werden in Oberschöneweide unter anderem Bobs für das deutsche Olympiateam entwickelt - unter großer Geheimhaltung.
Richtig berühmt ist unsere Region ja nicht für den Wintersport. Aber auch nicht zu unterschätzen. Das zeigen unsere 13 Fragen über "Ski und Rodel gut" in Berlin und Brandenburg. Wissen Sie Bescheid?
Keine Medaillen für die deutschen Vierer in Sotschi - und ein handfester Skandal um Bob-Pilot Manuel Machata aus Potsdam. Machata, der in Sotschi nicht dabei war, hatte seine Kufen, eine Eigenanfertigung, an den späteren Olympiasieger Alexander Subkow weitergegeben. Die deutschen Bobs fuhren ...