Brandenburg Aktuell | 05.02.2014 | Philipp Büchner
Zweier-Bob -
Nur Platz elf für Florschütz & Kuske
Der Potsdamer Kevin Kuske hatte von seiner sechsten Olympia-Medaille geträumt - doch im Zweier-Bob musste der Potsdamer schon nach den beiden ersten Läufen alle Hoffnungen begraben. Er und sein Partner Thomas Florschütz aus Riesa hätten statt eines Formel-1-Wagens nur einen "Trabbi" am Start gehabt, sagte Kuske.
Disziplin: Zweier-Bob mit Thomas Florschütz (Riesa), Vierer-Bob u. a. mit Christian Poser (Potsdam) Verein: SC Potsdam
Größte Erfolge
4x Olympia-Gold
1x Olympia-Silber
6x Weltmeister
6x Europameister
Weitere Infos
Auf den ersten 30 Metern schneller als Usain Bolt
Als sich die Bob-Welt vor Olympiasieger Alexander Subkow verneigte, hatten die einst so ruhmreichen deutschen Piloten die Erklärung für die historische Schmach von Sotschi schon geliefert.
"Ich habe schon früh in der Saison warnend den Finger gehoben, doch ich wurde belächelt. Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen", sagte Thomas Florschütz nach dem schlechtesten Abschneiden bei Winterspielen im Zweier - und wälzte die Schuld auf die nicht konkurrenzfähigen Schlitten ab. Chance zur Wiedergutmachung gibt es am 22. und 23. Februar. Dann steigen die Läufe im Vierer-Bob.
Kuske ist der Chefanschieber
Dabei waren Florschütz und sein Anschieber Kevin Kuske voller Optimismus nach Sotschi gefahren - wobei Kuske seit vielen Jahren weltweit als einer der besten Anschieber gilt. Nicht nur wegen seiner körperlichen Präsenz. Fast zwei Meter misst der 35-Jährige, um die 120 Kilo bringt er auf die Waage. Gefühlter Fettanteil: null Prozent.
Klare Rollenverteilung
Kuske machte seinen Piloten André Lange zur Bob-Legende, aber auch sich selbst. Vier Goldmedaillen holten sie gemeinsam, 2006 und 2010 im Zweier, 2002 und 2006 im Vierer. Dabei hat sich der gebürtige Potsdamer nie in den Vordergrund gespielt. Die Rollenverteilung war klar: Lange lenkt, Kuske klotzt.
Jahrelang galt Kuske als der dynamischste und beste Heckantrieb der Bobwelt. Auf den ersten 30 Metern ist er sogar schneller als Jamaikas Sprint-Star Usain Bolt. Die Grunddynamik hat er sich in der Leichtathletik geholt. Als 19-Jähriger gewann er bei der Junioren-WM Bronze mit der 4x100-Meter-Staffel. Das hat dem Duo viele Titel eingebracht.
In Sotschi aber saß Kuske nicht mehr hinter Lange, sondern hinter dem Riesaer Thomas Florschütz. Und die sechste Olympia-Medaille rückte - zumindest im Zweier - in weite Ferne.
Aller guten Dinge sind Dreizehn
Zwölf Sportler aus der Region wurden für Sotschi nominiert - und eine Athletin rückte zwei Tage vor den Spielen noch nach. Zahlenmäßig am stärksten vertreten sind die Eisschnellläufer um Claudia Pechstein. Aber auch das Berliner Eistanz-Paar Tanja Kolbe und Stefano Caruso, die Bobfahrer aus Potsdam sowie die drei Eishockey-Spielerinnen und der Eiskunstläufer Peter Liebers fahren mit großen Hoffnungen ans Schwarze Meer.
Wer hier so schnell ins Tal rast, ist der Bobfahrer Kevin Kuske. Der Anschieber aus Potsdam hat bei Olympia schon viermal Gold gewonnen - jeweils hinter seinem damaligen Piloten André Lange aus Oberhof.
Wie Messungen ergeben haben, ist Kevin Kuske auf den ersten 30 Metern schneller als 100-Meter-Weltrekordler Usain Bolt. In Sotschi soll nun Thomas Florschütz aus Riesa von den Qualitäten des Potsdamers profitieren.
Auch Christian Poser vom SC Potsdam, hier mit seinem Vereinskameraden Manuel Machata, gilt als möglicher Medaillen-Anwärter für Sotschi.
In Sotschi wird der 27-jährige Christian Poser zusammen mit dem anderen Potsdamer, Kevin Kuske, im Vierer-Bob von Thomas Florschütz fahren. Im Weltcup kamen zuletzt meist dritte Plätze heraus.
Dritter im Bunde der Potsdamer Bob-Piloten ist Jan-Martin Speer. Auch er ist als bärenstarker Anschieber bekannt, doch den Sprung ins offizielle Olympia-Team schaffte er nicht - sein langjähriger Partner Manuel Machata verpasste die Qualifikation. Nun steht Speer als Ersatzmann bereit.
Monique Angermüller vom Eissportverein Berlin '08 zählt schon seit vielen Jahren zu den festen Größen im Eisschnelllauf. Der ganz große Erfolg blieb ihr bisher aber versagt.
Bei den Olympischen Spielen in Vancouver belegte sie vor vier Jahren über 500 Meter den 11. Platz. Gerade 30 Jahre alt geworden, wird Monique Angermüller in Sotschi über 1.000 und 1.500 Meter an den Start gehen.
Dass Bente Kraus in Sotschi starten würde, war lange nicht sicher. Im vergangenen Sommer verlor die Berlinerin ihren Vater. Er hatte sie seit dem sechsten Lebensjahr trainiert. Doch die 24-Jährige überwand die Verzweiflung und will in Sotschi nun für sich und ihren Vater laufen.
Bei der Olympia-Generalprobe, der WM in Sotschi vor knapp einem Jahr, erzielte Bente Kraus mit dem 7. Platz über 5.000 Meter und dem 8. Rang über 3.000 Meter ihre bislang besten Resultate. Kein Wunder also, dass die Berlinerin Ende Januar sehr optimistisch in Sotschi eintraf.
Bei Claudia Pechstein bedarf es eigentlich keiner weiteren Erläuterung: Die fünfmalige Olympiasiegerin wird in Sotschi ihre sechsten Olympischen Spiele erleben - im Alter von knapp 42 Jahren.
Ob die Berlinerin in Sotschi ihre zehnte olympische Medaille gewinnen wird, bleibt abzuwarten. Mit den 1.500, 3.000 und 5.000 Metern hat sie sich gleich drei Strecken vorgenommen - doch der seit vier Jahren andauernde Streit um ein angebliches Dopingvergehen dürfte nicht spurlos an Claudia Pechstein vorüber gegangen sein.
Auch Jenny Wolf ist in Sotschi eine Medaille zuzutrauen. In Vancouver holte die Sprint-Spezialistin aus Berlin über die 500 Meter die Silbermedaille hinter ihrer Dauerkonkurrentin Lee Sang-Hwa aus Südkorea.
Auch in Sotschi dürfte die Südkoreanerin die eigentliche Favoritin sein - doch vielleicht gelingt der fünfmaligen Weltmeisterin Jenny Wolf bei ihren vierten Olympischen Spielen noch einmal eine Überraschung.
Seit seiner ersten Olympia-Teilnahme 2010 hat Samuel Schwarz einen deutlichen Leistungsanstieg zu verzeichnen gehabt. War der Berliner in Vancouver über 500 Meter noch 23ster geworden, gelangen ihm im Dezember 2010 und im Dezember 2012 seine ersten beiden Weltcup-Siege über 1.000 Meter.
Bei der Olympia-Generalprobe, der Einzelstrecken-WM in Sotschi vor knapp einem Jahr, wurde der deutsche Rekordhalter über die 1.000 Meter Sechster, sein bislang größter Erfolg bei einer WM. In Sotschi will Samuel Schwarz über 500 und 1.000 Meter noch einmal angreifen.
Auch die beiden Berliner Eishockeyfrauen vom Olympischen Sportclub reisen mit großen Erwartungen nach Sotschi. Susann Götz wird das Team als Kapitänin leiten.
Dass die deutsche Mannschaft Medaillenchancen hat, glaubt die aus Bad Muskau stammende Eishockey-Frau allerdings nicht - dazu seien die anderen Nationen einfach zu stark, allen voran die USA und Kanada, sagt die 31-jährige Susann Götz.
Ähnlich sieht es Nina Kamenik. Für die Stürmerin (hier links), die ebenfalls für die Eisladies vom OSC spielt, geht mit Olympia ein großer Traum in Erfüllung. Ihren ersten Auftritt haben Götz, Kamenik und Co. am 9. Februar, wenn es gegen Gastgeber Russland geht.
Dass Eishockey-Frauen groß und kräftig sein müssen, verweist Nina Kamenik ins Land der Legenden. Frauen-Eishockey sei nicht so körperbetont, dafür aber technisch versiert, sagt die 160-fache Nationalspielerin.
Sie machte aus dem glatten Dutzend die glückliche Dreizehn: Eishockeyspierlin Lisa Schuster wurde zwei Tage vor dem offiziellen Beginn der Olympischen Winterspiele noch nachnominiert. Die 26 Jahre alte gebürtige Münchnerin spielt seit 2012 für die OSC Eisladys Berlin.
Spätestens seit 2008 bestimmt Peter Liebers vom SC Berlin das nationale Eislauf-Geschehen. Viermal ist er seitdem Deutscher Meister geworden, zuletzt dreimal in Folge.
Bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr kam Peter Liebers auf den elften Platz. Bei der Europameisterschaft Anfang des Jahres in Budapest feierte er mit Platz sechs seinen bisher größten Erfolg. Für Sotschi ist eine Top-10-Platzierung das erklärte Ziel.
Auch für die beiden Eistänzer Tanja Kolbe und Stefano Caruso ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Sotschi der vorläufige Höhepunkt ihrer Karriere.
Bei den Europameisterschaften im vergangenen Jahr in Zagreb ist das Eistanz-Paar vom TSC Berlin auf den achten Platz gelaufen. Mit der Olympia-Teilnahme in Sotschi geht für Kolbe & Caruso ein Traum in Erfüllung. Weitere Bildergalerien
Früher war er Juniorenmeister über 100 Meter, jetzt brettert er den Eiskanal hinab. Christian Poser aus Cottbus ist der schnellste Anschieber im Team von Thomas Florschütz. Lob gibt es daher auch von Anschieber-Legende Kevin Kuske.
Vor 50 Jahren wurde das Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin gegründet. Von dort stammt unter anderem ein Schlitten, der 1992 für die DDR in Sapporo zum Erfolg fuhr. Heute werden in Oberschöneweide unter anderem Bobs für das deutsche Olympiateam entwickelt - unter großer Geheimhaltung.
Richtig berühmt ist unsere Region ja nicht für den Wintersport. Aber auch nicht zu unterschätzen. Das zeigen unsere 13 Fragen über "Ski und Rodel gut" in Berlin und Brandenburg. Wissen Sie Bescheid?
Keine Medaillen für die deutschen Vierer in Sotschi - und ein handfester Skandal um Bob-Pilot Manuel Machata aus Potsdam. Machata, der in Sotschi nicht dabei war, hatte seine Kufen, eine Eigenanfertigung, an den späteren Olympiasieger Alexander Subkow weitergegeben. Die deutschen Bobs fuhren ...