Clauda Pechstein in Sotschi (Quelle: dpa)

5.000 Meter mit Claudia Pechstein - Stunde der Wahrheit

Am Mittwoch tritt Claudia Pechstein über 5.000 Meter an und will beweisen, dass noch immer mit ihr zu rechnen ist. Trotz ihrer fast 42 Jahre, trotz Dopingverdachts und Dauerfehde mit Deutschlands obersten Sportfunktionären, will die fünfmalige Olympiasiegerin in Sotschi ihre zehnte Medaille gewinnen. Dass mit Bente Kraus noch eine zweite Berlinerin in den Endlauf rutschte, droht da fast zur Randnotiz zu werden.

Es wird ihr 15. Rennen bei Olympischen Spielen sein und vielleicht ihr wichtigstes. Wenn am Mittwoch um 14.30 Uhr das 5.000-Meter-Finale in Sotschi beginnt, geht es für Claudia Pechstein nicht nur um die zehnte olympische Medaille, sondern um die Wiederherstellung ihres Rufs.

Jahrelanger Rechtsstreit

Wegen eines umstrittenen Dopingverdachts verhängte die Internationale Eisschnelllauf-Union von 2009 bis 2011 eine zweijährige Sperre gegen die Berlinerin. Die Olympischen Spiele in Vancouver, es wären schon damals ihre sechsten gewesen, fielen aus.

In einem jahrelangen Rechtsstreit versuchte die fünfmalige Olympiasiegerin, die bereits 1992 in Albertville ihre ersten Spiele erlebt hatte, gegen die Sperre vorzugehen. Ihr wichtigstes Argument: Der hohe Anteil frischer roter Blutkörperchen in ihrem Blut (Retikulozyten) sei nicht auf Doping zurückzuführen, sondern auf eine genetische Anomalie. Medizinische Gutachten, die Pechstein in Auftrag gab, kamen zum selben Ergebnis - doch der Weltverband hielt die Sperre aufrecht.

So konnte Pechstein erst Anfang 2011 wieder starten und meldete sich mit eindrucksvollen Zeiten zurück. Doch die Welt war inzwischen nicht stehen geblieben. Über ihre Paradestrecken, die 3.000 und 5.000 Meter, war der Langstrecken-Spezialistin neue Konkurrenz erwachsen - allen voran Martina Sablikova aus Tschechien, die in Vancouver 2010 in Abwesenheit von Pechstein Gold über beide Strecken gewonnen hatte. Nachdem sie in Sotschi über 3.000 Meter hinter Ireen Wüst aus den Niederlanden nur Zweite wurde, will sie ihren Olympiasieg über 5.000 Meter auf jeden Fall verteidigen - auch gegen Claudia Pechstein, die gut 15 Jahre älter ist als Sablikova.

Vierte über 3.000 Meter

Für Pechstein ging es in Sotschi gleich mit einer Herausforderung los. Die 3.000 Meter waren ein erster und ernster Test, aber am Ende blieb nur ein undankbarer vierter Platz für die Berlinerin. Kurz darauf gab Pechstein an, eine Woche vor dem Rennen einen Schwächeanfall erlitten zu haben. Ihren vierten Platz hinter Seriensiegerin Ireen Wüst aus den Niederlanden, hinter Sablikova und der Russin Olga Graf wolle sie damit aber nicht entschuldigen.

Über die ungeliebten 1.500 Meter lief Pechstein dagegen nur mit angezogener Handbremse. Ihr zweiter Start war als eine Art Warmlaufen unter Wettkampfbedingungen gedacht, zeigte aber, dass Pechstein noch immer eine Ausnahmestellung hat: Zwar kam sie nur auf den 19. Platz, war damit aber immer noch schneller als ihre weitaus jüngeren Team-Kameradinnen Monique Angermüller (Berlin) und Gabriele Hirschbichler (Inzell), die Platz 24 und 30 belegten. "Ich will drei gleichmäßige Runden laufen und meinen Schritt für die 5.000 Meter testen", hatte Pechstein vorher gesagt.

Freilos für Bente Kraus

Am Mittwoch wird die Aufmerksamkeit am frühen Nachmittag vor allem auf Pechstein und Sablikova liegen, doch auch Stephanie Beckert aus Erfurt würde ihrer Dauerrivalin Pechstein gerne Paroli bieten. Die Zeiten aus der Olympia-Vorbereitung deuten allerdings darauf hin, dass Beckert vorne nicht mitlaufen kann. Dasselbe gilt wohl für Bente Kraus, die zweite Berlinerin im Feld. Sie profitierte von der Absage der Südkoreanerin Kim Bo-Reum und dem Verzicht der vor ihr rangierenden Nachrückerinnen Mari Hemmer aus Norwegen und Francesca Lollobridgida aus Italien.

So bekommt Kraus, die über 3.000 Meter Elfte wurde, eine neue Chance - zwei Tage vor ihrem 23. Geburtstag. Sie könnte Pechsteins Tochter sein.

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