
1.500 Meter der Eisschnellläuferinnen - Pechstein testet für ihr großes Rennen
Die Spannung steigt: Claudia Pechstein will am Mittwoch über 5.000 Meter ihre zehnte Olympiamedaille gewinnen. Dabei dienen ihr die 1.500 Meter am Sonntag nur zum Warmwerden. Gespannt sein darf man am Sonntag auch auf den Auftritt der zweiten Berlinerin, Monique Angermüller.
Nach der knapp verpassten Medaille zum olympischen Auftakt über 3.000 Meter sieht Claudia Pechstein in der ungeliebten 1.500-Meter-Distanz am Sonntag ein gutes Training für das so wichtige 5.000-Meter-Rennen am Mittwoch. "Ich will drei gleichmäßige Runden laufen und meinen Schritt für die 5000 Meter testen", sagte sie am Samstag nach dem Training in der Adler-Arena von Sotschi.
Vierzehntes Rennen bei Olympischen Spielen
Sie sei sich bewusst, dass sie auf den 1500 Metern nicht in den Kampf um die Medaillen eingreifen könne. Ein sportliches Vorhaben möchte die 41-Jährige jedoch umsetzen: "Es wäre schön, wenn ich beste Deutsche werde." Dazu muss sie ihre Berliner Trainingsgefährtin Monique Angermüller hinter sich lassen, die über 1000 Meter stürzte.
Für Pechstein ist es das insgesamt 14. Rennen bei Olympischen Winterspielen, zweimal war sie bisher über 1.500 Meter am Start. 1998 in Nagano belegte die Langstrecken-Spezialistin den siebten Platz, vier Jahre später war sie in Salt Lake City Sechste.
"Jedes Rennen bei Olympia ist etwas Besonderes. Deshalb habe ich auch nie daran gedacht, auf die 1.500 Meter zu verzichten", meinte Pechstein, die am kommenden Samstag ihren 42. Geburtstag feiern wird. Ihre Haupt-Rivalin über 5.000 Meter, Olympiasiegerin Martina Sablikova aus Tschechien, wird die Strecke auslassen. Top-Favoritin am Sonntag ist einmal mehr 3.000-Meter-Siegerin Ireen Wüst. Mit einer weiteren Goldmedaille würde sie einen neuen Rekord aufstellen: Vier Olympiasiege gelangen noch niemandem in der ruhmreichen niederländischen Eisschnelllauf-Historie.
Kurze Bewusstlosigkeit vor den 3.000 Metern
Am vergangenen Sonntag hatte die Berlinerin Pechstein ihre zehnte Olympiamedaille vorerst verpasst: Beim 3.000-Meter-Rennen kam sie mit einer Zeit von 4:05,26 Minuten nicht unter die ersten Drei. Rundenlang war es still gewesen in der Halle - Pechstein lag in Führung. Da war der erste Platz der Russin Olga Graf noch in Gefahr. Nach 1.400 Metern lag die Berlinerin noch mit 1,41 Sekunden in Führung, aber am Ende kam sie mit 1,79 Sekunden Rückstand ins Ziel - das reichte nur für Platz drei. Top-Favoritin Ireen Wüst dagegen lief alle Bestzeiten in Grund und Boden - und holte sich Gold. Es war bereits der dritte Olympiasieg für die Niederländerin - und auch über die 1.500 Meter gehört sie am Sonntag zu den Top-Favoriten.
Später gab Pechstein zu Protokoll, dass sie eine Woche vor dem 3.000-Meter-Rennen einen Schwächeanfall erlitten habe. Den vierten Platz über 3.000 Meter wollte sie so aber nicht rechtfertigen: "Ich hatte Probleme mit den Blutwerten und wollte das checken lassen", sagte die 41-Jährige bei einer Pressekonferenz in Krasnaja Poljana: "Die Krankenschwester konnte aber nicht so gut Blut abnehmen, da ist mir nicht so wohl gewesen. Mir war, als würden mir die Beine weggezogen." Danach habe sie kurz das Bewusstsein verloren.
Die 41 Jahre alte Berlinerin ist mit fünf Olympiasiegen und insgesamt neun olympischen Medaillen als erfolgreichste deutsche Teilnehmerin zu den Winterspielen gereist. Zum ersten Mal war sie 1992 in Albertville am Start und gewann auf Anhieb die Bronzemedaille über ihre Paradestrecke, die 5.000 Meter. In Sotschi erlebte die Bundespolizistin nun ihre sechsten Olympischen Spiele. Die nicht verstummenden Doping-Vorwürfe sind dabei eine schwere Hypothek für die Rekordfrau - obwohl medizinische Gutachten inzwischen bestätigen, dass Pechsteins oft erhöhte Blutwerte auf einen Gen-Defekt und nicht auf Doping zurückzuführen sind.
Doping-Kontrolleure stehen fast täglich auf der Matte
Unter der Woche beklagte sich Pechstein, so viel wie keine andere Athletin getestet zu werden. Allein in Sotschi habe sie bereits neun Dopingproben abgeben müssen. Drei Tage vor ihrem zweiten Olympia-Rennen hätten am Donnerstag um 6:50 Uhr erneut die Kontrolleure vor ihrer Tür im olympischen Dorf gestanden. "Ich bin so oft getestet worden wie kein anderer Athlet auf der Welt. Alle Proben waren sauber. Das wird auch bei der 1000. Kontrolle nicht anders sein", sagte die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin.
"Die Kontrolleure kommen zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten, früh um sechs, abends um 22 Uhr. Das ist kein Spaß. Sich vor anderen zu entblößen und unter Beobachtung in ein Glas zu pinkeln, ist ein erheblicher Eingriff in die Intimsphäre", beklagte sie sich.
161 Kontrollen in drei Jahren
Seit ihrem Comeback nach Ablauf ihrer Sperre wegen erhöhter Retikulozytenwerte steht sie besonders häufig auf dem Kontrollbogen der Instanzen. 161 Kontrollen erfolgten seit dem 9. Februar 2011 - damit wurde sie durchschnittlich mindestens einmal pro Woche getestet. "Das ist schon Routine. Fast jeden Tag klingeln Kontrolleure bei ihr", berichtete der deutsche Teamarzt Gerald Lutz aus Erfurt am Freitag.
Pechstein-Manager Ralf Grengel machte in einer Kolumne für den "Berliner Kurier" folgende Rechnung auf: "Würde jeder Olympia-Starter in Sotschi tatsächlich gleich behandelt, hätten die IOC-Kontrolleure bei 2.900 Teilnehmern bis zum Donnerstag bereits 26.000 Kontrollen nehmen müssen." Die Realität sehe anders aus: Bis zum Ende der Spiele sind 2.453 Kontrollen durch das IOC geplant.






