Jenny Wolf zum vierten Mal bei Olympia -
Berlinerin muss nichts mehr beweisen
Erst mit Mitte 20 sprintete sie in die Weltspitze der Eisschnellläuferinnen, doch während sie den Weltcup immer wieder dominierte, versagten bei den Olympischen Spielen die Nerven. Nach Platz zwei in Vancouver will es Jenny Wolf jetzt noch einmal wissen. Mit 35 Jahren zählt die Berlinerin in Sotschi zu den ältesten Athleten im deutschen Team.
Jenny Wolf könnte eigentlich über den Dingen stehen. Fünf WM-Titel hat die Berlinerin schon geholt - obwohl sie erst mit Mitte 20 so richtig durchstartete. Jahrelang hielt sie den 500-Meter-Weltrekord, steigerte ihn 2009 auf 37,00 Sekunden und reiste 2010 als weltschnellste Läuferin zu den Olympischen Spielen nach Vancouver. Doch dann versagten die Nerven.
Auf einen Blick
Die Sprinterin - Jenny Wolf
Geburtstag: 31.1.1979 Geburtsort: Berlin Beruf: Studentin
Disziplin: Eisschnelllauf Verein: Eissportverein Berlin '08 Paradestrecke: 500 Meter
Größte Erfolge
2. Platz Olympia 2010
5-malige Weltmeisterin
10-mal Weltcup-Gesamtsiegerin
61 Einzel-Weltcup-Siege
13-mal Deutsche Meisterin
Weitere Infos
Ist eine Leseratte und hat 2008 an der Humboldt-Uni in Berlin ihren Magister gemacht
Die Berlinerin, die im Weltcup regelmäßig alles abräumte, holte hinter der Südkoreanerin Lee Sang-Hwa nur die Silbermedaille. Die Enttäuschung daüber war so groß, dass Wolf ihre Karriere beenden wollte, doch dann entschied sie sich anders und hängte noch einmal vier Jahre dran.
Guter Weltcup-Start in Calgary
In Sotschi will sie es noch einmal wissen und wird dabei auch wieder auf ihre Dauerkonkurrentin aus Südkorea stoßen. Mit 36,80 Sekunden hält die seit gut einem Jahr auch den neuen Weltrekord - das ist zwei Zehntel schneller als Wolfs Bestmarke und im Eisschnelllauf eine halbe Ewigkeit.
Auch die ersten vier Weltcup-Rennen dieser Saison hat Sang-Hwa gewonnen, während Jenny Wolf nur zwei zweite Plätze zu verbuchen hatte. Doch vor allem beim Weltcup in Calgary lief es gut für die Berlinerin, die in Marzahn aufwuchs und ab 1992 die Sportschule in Hohenschönhausen besuchte.
Porträt
Inforadio | 30.01.2014 - Die Dauerläuferinnen
Zusammen bringen es Claudia Pechstein und Jenny Wolf auf 76 Jahre - aber mit ihrer Jahrzehnte langen Erfahrung gehören sie trotz - oder gerade wegen - ihres Alters noch immer zur Weltspitze. In Sotschi könnten sie sogar Gold gewinnen. Von Jens-Christian Gussmann
Träumen vom Olympiasieg
"Es gibt diesmal überhaupt keinen Grund zur Klage", meinte die sonst so selbstkritische Olympia-Zweite im November in Calgary, nachdem sie in 37,18 Sekunden auch über die ungeliebte Innenkurve zweimal sehr schnell war. "Ich glaube, das war mein schnellstes Rennen über die Innenkurve in meiner Karriere", fügte sie hinzu.
So machen die zuletzt gezeigten Leistungen auch Hoffnung auf Sotschi. Eine Medaillen-Chance hat die Berlinerin dort auf jeden Fall, aber eigentlich träumt Jenny Wolf noch immer vom Sieg: "Ich denke, dass dieser Olympiasieg mir noch fehlt, um auch im Nachhinein auch zu sagen, ich hatte wirklich sportliches Glück", sagte Wolf vor ihrer Abreise dem rbb.
In Sotschi wird die Ausnahmesprinterin bereits zum vierten Mal an Olympischen Winterspielen teilnehmen. Langweile kommt deshalb aber nicht auf: "Ich erlebe die Spiele jedes Mal so, als ob es die ersten wären. Olympia ist immer wieder faszinierend", sagte Wolf bei der Verabschiedung der zwölf Berliner und Brandenburger Starter Ende Januar.
Nach dieser Saison aber soll nun endgültig Schluss sein für die Berliner Leseratte, die 2008 ihr Germanistikstudium beendete und anschließend mit einem Betriebswirtschaftsstudium begann. Eine Medaille über 500 Meter wäre der krönende Abschluss ihrer Karriere.
Mit Informationen von Jens-Christian Gussmann
Aller guten Dinge sind Dreizehn
Zwölf Sportler aus der Region wurden für Sotschi nominiert - und eine Athletin rückte zwei Tage vor den Spielen noch nach. Zahlenmäßig am stärksten vertreten sind die Eisschnellläufer um Claudia Pechstein. Aber auch das Berliner Eistanz-Paar Tanja Kolbe und Stefano Caruso, die Bobfahrer aus Potsdam sowie die drei Eishockey-Spielerinnen und der Eiskunstläufer Peter Liebers fahren mit großen Hoffnungen ans Schwarze Meer.
Wer hier so schnell ins Tal rast, ist der Bobfahrer Kevin Kuske. Der Anschieber aus Potsdam hat bei Olympia schon viermal Gold gewonnen - jeweils hinter seinem damaligen Piloten André Lange aus Oberhof.
Wie Messungen ergeben haben, ist Kevin Kuske auf den ersten 30 Metern schneller als 100-Meter-Weltrekordler Usain Bolt. In Sotschi soll nun Thomas Florschütz aus Riesa von den Qualitäten des Potsdamers profitieren.
Auch Christian Poser vom SC Potsdam, hier mit seinem Vereinskameraden Manuel Machata, gilt als möglicher Medaillen-Anwärter für Sotschi.
In Sotschi wird der 27-jährige Christian Poser zusammen mit dem anderen Potsdamer, Kevin Kuske, im Vierer-Bob von Thomas Florschütz fahren. Im Weltcup kamen zuletzt meist dritte Plätze heraus.
Dritter im Bunde der Potsdamer Bob-Piloten ist Jan-Martin Speer. Auch er ist als bärenstarker Anschieber bekannt, doch den Sprung ins offizielle Olympia-Team schaffte er nicht - sein langjähriger Partner Manuel Machata verpasste die Qualifikation. Nun steht Speer als Ersatzmann bereit.
Monique Angermüller vom Eissportverein Berlin '08 zählt schon seit vielen Jahren zu den festen Größen im Eisschnelllauf. Der ganz große Erfolg blieb ihr bisher aber versagt.
Bei den Olympischen Spielen in Vancouver belegte sie vor vier Jahren über 500 Meter den 11. Platz. Gerade 30 Jahre alt geworden, wird Monique Angermüller in Sotschi über 1.000 und 1.500 Meter an den Start gehen.
Dass Bente Kraus in Sotschi starten würde, war lange nicht sicher. Im vergangenen Sommer verlor die Berlinerin ihren Vater. Er hatte sie seit dem sechsten Lebensjahr trainiert. Doch die 24-Jährige überwand die Verzweiflung und will in Sotschi nun für sich und ihren Vater laufen.
Bei der Olympia-Generalprobe, der WM in Sotschi vor knapp einem Jahr, erzielte Bente Kraus mit dem 7. Platz über 5.000 Meter und dem 8. Rang über 3.000 Meter ihre bislang besten Resultate. Kein Wunder also, dass die Berlinerin Ende Januar sehr optimistisch in Sotschi eintraf.
Bei Claudia Pechstein bedarf es eigentlich keiner weiteren Erläuterung: Die fünfmalige Olympiasiegerin wird in Sotschi ihre sechsten Olympischen Spiele erleben - im Alter von knapp 42 Jahren.
Ob die Berlinerin in Sotschi ihre zehnte olympische Medaille gewinnen wird, bleibt abzuwarten. Mit den 1.500, 3.000 und 5.000 Metern hat sie sich gleich drei Strecken vorgenommen - doch der seit vier Jahren andauernde Streit um ein angebliches Dopingvergehen dürfte nicht spurlos an Claudia Pechstein vorüber gegangen sein.
Auch Jenny Wolf ist in Sotschi eine Medaille zuzutrauen. In Vancouver holte die Sprint-Spezialistin aus Berlin über die 500 Meter die Silbermedaille hinter ihrer Dauerkonkurrentin Lee Sang-Hwa aus Südkorea.
Auch in Sotschi dürfte die Südkoreanerin die eigentliche Favoritin sein - doch vielleicht gelingt der fünfmaligen Weltmeisterin Jenny Wolf bei ihren vierten Olympischen Spielen noch einmal eine Überraschung.
Seit seiner ersten Olympia-Teilnahme 2010 hat Samuel Schwarz einen deutlichen Leistungsanstieg zu verzeichnen gehabt. War der Berliner in Vancouver über 500 Meter noch 23ster geworden, gelangen ihm im Dezember 2010 und im Dezember 2012 seine ersten beiden Weltcup-Siege über 1.000 Meter.
Bei der Olympia-Generalprobe, der Einzelstrecken-WM in Sotschi vor knapp einem Jahr, wurde der deutsche Rekordhalter über die 1.000 Meter Sechster, sein bislang größter Erfolg bei einer WM. In Sotschi will Samuel Schwarz über 500 und 1.000 Meter noch einmal angreifen.
Auch die beiden Berliner Eishockeyfrauen vom Olympischen Sportclub reisen mit großen Erwartungen nach Sotschi. Susann Götz wird das Team als Kapitänin leiten.
Dass die deutsche Mannschaft Medaillenchancen hat, glaubt die aus Bad Muskau stammende Eishockey-Frau allerdings nicht - dazu seien die anderen Nationen einfach zu stark, allen voran die USA und Kanada, sagt die 31-jährige Susann Götz.
Ähnlich sieht es Nina Kamenik. Für die Stürmerin (hier links), die ebenfalls für die Eisladies vom OSC spielt, geht mit Olympia ein großer Traum in Erfüllung. Ihren ersten Auftritt haben Götz, Kamenik und Co. am 9. Februar, wenn es gegen Gastgeber Russland geht.
Dass Eishockey-Frauen groß und kräftig sein müssen, verweist Nina Kamenik ins Land der Legenden. Frauen-Eishockey sei nicht so körperbetont, dafür aber technisch versiert, sagt die 160-fache Nationalspielerin.
Sie machte aus dem glatten Dutzend die glückliche Dreizehn: Eishockeyspierlin Lisa Schuster wurde zwei Tage vor dem offiziellen Beginn der Olympischen Winterspiele noch nachnominiert. Die 26 Jahre alte gebürtige Münchnerin spielt seit 2012 für die OSC Eisladys Berlin.
Spätestens seit 2008 bestimmt Peter Liebers vom SC Berlin das nationale Eislauf-Geschehen. Viermal ist er seitdem Deutscher Meister geworden, zuletzt dreimal in Folge.
Bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr kam Peter Liebers auf den elften Platz. Bei der Europameisterschaft Anfang des Jahres in Budapest feierte er mit Platz sechs seinen bisher größten Erfolg. Für Sotschi ist eine Top-10-Platzierung das erklärte Ziel.
Auch für die beiden Eistänzer Tanja Kolbe und Stefano Caruso ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Sotschi der vorläufige Höhepunkt ihrer Karriere.
Bei den Europameisterschaften im vergangenen Jahr in Zagreb ist das Eistanz-Paar vom TSC Berlin auf den achten Platz gelaufen. Mit der Olympia-Teilnahme in Sotschi geht für Kolbe & Caruso ein Traum in Erfüllung. Weitere Bildergalerien
Vor 50 Jahren wurde das Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin gegründet. Von dort stammt unter anderem ein Schlitten, der 1992 für die DDR in Sapporo zum Erfolg fuhr. Heute werden in Oberschöneweide unter anderem Bobs für das deutsche Olympiateam entwickelt - unter großer Geheimhaltung.
Bei seiner ersten Olympia-Teilnahme 2010 in Vancouver kam Samuel Schwarz vom SC Berlin auf den 16. Platz. Seitdem hat er zwei Weltcup-Siege errungen und damit die lange Durststrecke der deutschen Eisschnelllauf-Herren beendet. Auch in Sotschi ist eine Überraschung nicht ausgeschlossen.
Für die beiden Eistänzer Tanja Kolbe und Stefano Caruso ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Sotschi der vorläufige Höhepunkt ihrer Karriere. Am Sonntag konnten sie sich für das Finale qualifizieren, das heute Abend stattfindet. Chancen auf eine Medaille haben sie allerdings nicht.
Zunächst wurden nur zwei Berliner Eishockey-Spielerinnen für Sotschi nominiert, durch einen verletzungsbedingten Ausfall rutschte noch eine dritte ins Team: Susann Götz, Lisa Schuster und Nina Kamenik vom OSC Berlin werden bei den Winterspielen für Deutschland auf Torejagd gehen.
Keine Medaillen für die deutschen Vierer in Sotschi - und ein handfester Skandal um Bob-Pilot Manuel Machata aus Potsdam. Machata, der in Sotschi nicht dabei war, hatte seine Kufen, eine Eigenanfertigung, an den späteren Olympiasieger Alexander Subkow weitergegeben. Die deutschen Bobs fuhren ...