Jenny Wolf beim Weltcup in Astana (Quelle: dpa)

Jenny Wolf zum vierten Mal bei Olympia - Berlinerin muss nichts mehr beweisen

Erst mit Mitte 20 sprintete sie in die Weltspitze der Eisschnellläuferinnen, doch während sie den Weltcup immer wieder dominierte, versagten bei den Olympischen Spielen die Nerven. Nach Platz zwei in Vancouver will es Jenny Wolf jetzt noch einmal wissen. Mit 35 Jahren zählt die Berlinerin in Sotschi zu den ältesten Athleten im deutschen Team.

Jenny Wolf könnte eigentlich über den Dingen stehen. Fünf WM-Titel hat die Berlinerin schon geholt - obwohl sie erst mit Mitte 20 so richtig durchstartete. Jahrelang hielt sie den 500-Meter-Weltrekord, steigerte ihn 2009 auf 37,00 Sekunden und reiste 2010 als weltschnellste Läuferin zu den Olympischen Spielen nach Vancouver. Doch dann versagten die Nerven.

Die Berlinerin, die im Weltcup regelmäßig alles abräumte, holte hinter der Südkoreanerin Lee Sang-Hwa nur die Silbermedaille. Die Enttäuschung daüber war so groß, dass Wolf ihre Karriere beenden wollte, doch dann entschied sie sich anders und hängte noch einmal vier Jahre dran.

Guter Weltcup-Start in Calgary

In Sotschi will sie es noch einmal wissen und wird dabei auch wieder auf ihre Dauerkonkurrentin aus Südkorea stoßen. Mit 36,80 Sekunden hält die seit gut einem Jahr auch den neuen Weltrekord - das ist zwei Zehntel schneller als Wolfs Bestmarke und im Eisschnelllauf eine halbe Ewigkeit.

Auch die ersten vier Weltcup-Rennen dieser Saison hat Sang-Hwa gewonnen, während Jenny Wolf nur zwei zweite Plätze zu verbuchen hatte. Doch vor allem beim Weltcup in Calgary lief es gut für die Berlinerin, die in Marzahn aufwuchs und ab 1992 die Sportschule in Hohenschönhausen besuchte.

Träumen vom Olympiasieg

"Es gibt diesmal überhaupt keinen Grund zur Klage", meinte die sonst so selbstkritische Olympia-Zweite im November in Calgary, nachdem sie in 37,18 Sekunden auch über die ungeliebte Innenkurve zweimal sehr schnell war. "Ich glaube, das war mein schnellstes Rennen über die Innenkurve in meiner Karriere", fügte sie hinzu.

So machen die zuletzt gezeigten Leistungen auch Hoffnung auf Sotschi. Eine Medaillen-Chance hat die Berlinerin dort auf jeden Fall, aber eigentlich träumt Jenny Wolf noch immer vom Sieg: "Ich denke, dass dieser Olympiasieg mir noch fehlt, um auch im Nachhinein auch zu sagen, ich hatte wirklich sportliches Glück", sagte Wolf vor ihrer Abreise dem rbb.

In Sotschi wird die Ausnahmesprinterin bereits zum vierten Mal an Olympischen Winterspielen teilnehmen. Langweile kommt deshalb aber nicht auf: "Ich erlebe die Spiele jedes Mal so, als ob es die ersten wären. Olympia ist immer wieder faszinierend", sagte Wolf bei der Verabschiedung der zwölf Berliner und Brandenburger Starter Ende Januar.

Nach dieser Saison aber soll nun endgültig Schluss sein für die Berliner Leseratte, die 2008 ihr Germanistikstudium beendete und anschließend mit einem Betriebswirtschaftsstudium begann. Eine Medaille über 500 Meter wäre der krönende Abschluss ihrer Karriere.

Mit Informationen von Jens-Christian Gussmann

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