Platz sechs über 500 Meter -
Jenny Wolf verpasst Podestplatz
Nach ihrer Silbermedaille von Vancouver 2010 wollte Jenny Wolf in Sotschi noch einmal angreifen. Doch nach den beiden Läufen über 500 Meter landete die 35-jährige Berlinerin am Schluss nur auf dem sechsten Platz. Den deutschen Eisschnellläufern droht bei Olympia ein Debakel - die letzte Hoffnungen ruhen auf Samuel Schwarz und Claudia Pechstein.
Glanzloser Olympia-Abschied für Jenny Wolf: Im letzten großen Rennen ihrer Karriere ist die Grande Dame der Eissprinterinnen bei den Olympischen Winterspielen im Generationen-Duell abgehängt worden. Über 500 Meter musste sich die 35-Jährige, die am Saisonende ihre Laufbahn beendet, mit dem enttäuschenden sechsten Platz begnügen. Die deutschen Kufenflitzer
drohen nun erstmals seit 50 Jahren bei Olympia komplett leer auszugehen.
Erst mit Mitte 20 sprintete sie in die Weltspitze der Eisschnellläuferinnen und dominierte über viele Jahre den Weltcup. Doch bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver 2010 verpasste sie knapp die Goldmedaille. In Sotschi wollte Jenny Wolf noch einmal angreifen.
Südkoreanerin läuft Olympia-Rekord
In zwei Läufen von 37,93 und 37,73 Sekunden (75,67 Punkte) trennten die ambitionierte Berlinerin Wolf letztlich Welten zu den Podestplätzen. Gold ging erwartungsgemäß an Weltmeisterin und Vancouver-Siegerin Lee Sang-Hwa (74,70 Punkte), die in 37,28 Sekunden im zweiten Lauf einen olympischen Rekord aufstellte. Die Weltrekordlerin aus Südkorea, die in Sotschi das erste Gold für ihr Land holte, verwies 1.000-m-Weltmeisterin Olga Fatkulina
(Russland/75,06) und Margot Boer (Niederlande/75,48) auf die anderen Medaillenränge. Die Niederlande holten damit bislang acht von zwölf möglichen Medaillen in der Adler Arena.
Einen bitteren Tag erlebte die Deutsche Meisterin Judith Hesse, die nach zwei Fehlstarts disqualifiziert wurde. Mit den Tränen kämpfend saß die 31 Jahre alte Erfurterin im Innenraum und wurde von Trainer Stephan Gneupel getröstet. "Das ist mein großer Pechtag heute. Der erste Fehlstart war definitiv mein Fehler. Beim zweiten habe ich versucht, ruhig zu stehen. Das hat sehr lang gedauert", sagte Hesse, die noch über 1.000 Meter an den Start gehen will.
Der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) droht derweil ein Desaster. Sollten Samuel Schwarz über 1.000 Meter und Claudia Pechstein über 5.000 Meter auch leer ausgehen, dürfte bei Winterspielen erstmals seit 50 Jahren kein deutscher Eisschnellläufer auf dem Podium stehen. In den Verhandlungen über künftige Fördermittel für den chronisch klammen Verband wäre dies eine schwere Hypothek, es drohen Kürzungen. Der Medaillenkorridor sah zwei bis drei Medaillen vor.
Sie ist die erfolgreichste deutsche Wintersportlerin und erlebt in Sotschi ihre sechsten Olympischen Spiele. Nun ruhen auf der Berlinerin die letzten Medaillenhoffnungen der Eisschnellläufer in Sotschi. Über 3.000 Meter wurde sie Vierte - am 19. Februar startet die fünmalige Olympiasiegerin noch einmal über 5.000 Meter - im Alter von 41 Jahren.
Nach Sotschi ist endgültig Schluss
Jenny Wolf hatte allerdings schon vor dem Rennen klar gemacht, dass sie ihren letzten großen Auftritt recht abgeklärt sieht: "Ich habe nicht viel zu verlieren, meine Olympiamedaille habe ich", sagte die 500-Meter-Zweite von Vancouver 2010. Nach den Spielen am Schwarzen Meer will die 35-Jährige ihre Karriere ohnehin beenden.
"Ich konnte lange genug planen und bin vollkommen zufrieden damit. Ich kann es genießen", sagte Wolf. Langfristige Pläne hat sie nicht, "Urlaub machen, wegkommen vom Sport", steht für Wolf ab dem Frühling zunächst auf der Agenda. Zuvor läuft die zurückhaltende Berlinerin aber noch einmal unter olympischen Ringen. "Gold zu gewinnen, wäre eine Sensation", sagt Wolf, "von daher kann ich eigentlich sehr entspannt in den Wettkampf gehen."
Wolf konnte einmal mehr bei Winterspielen nicht ihr Maximum abrufen. Silber in Vancouver bleibt das einzige olympische Edelmetall der Berlinerin bei vier Teilnahmen. Mit fünf Weltmeistertiteln, 61 Weltcupsiegen und diversen Welt- und Bahnrekorden in der Bilanz blickt Wolf dennoch auf eine außergewöhnliche Erfolgskarriere zurück. Wolf wird noch bis Saisonende die Weltcups in Inzell und Heerenveen bestreiten, dann ist endgültig Schluss.
In der Adler Arena hatte Kraftpaket Wolf, traditionell eine gute Starterin, im ersten Durchgang die ersten 100 m in schnellen 10,37 Sekunden zurückgelegt. Die letzte Kurve lief sie jedoch nicht
fehlerfrei und büßte so wertvolle Zeit ein. Im zweiten Lauf lief es viel besser, für den erhofften Sprung aufs Podest reichte es aber nicht mehr.
Aller guten Dinge sind Dreizehn
Zwölf Sportler aus der Region wurden für Sotschi nominiert - und eine Athletin rückte zwei Tage vor den Spielen noch nach. Zahlenmäßig am stärksten vertreten sind die Eisschnellläufer um Claudia Pechstein. Aber auch das Berliner Eistanz-Paar Tanja Kolbe und Stefano Caruso, die Bobfahrer aus Potsdam sowie die drei Eishockey-Spielerinnen und der Eiskunstläufer Peter Liebers fahren mit großen Hoffnungen ans Schwarze Meer.
Wer hier so schnell ins Tal rast, ist der Bobfahrer Kevin Kuske. Der Anschieber aus Potsdam hat bei Olympia schon viermal Gold gewonnen - jeweils hinter seinem damaligen Piloten André Lange aus Oberhof.
Wie Messungen ergeben haben, ist Kevin Kuske auf den ersten 30 Metern schneller als 100-Meter-Weltrekordler Usain Bolt. In Sotschi soll nun Thomas Florschütz aus Riesa von den Qualitäten des Potsdamers profitieren.
Auch Christian Poser vom SC Potsdam, hier mit seinem Vereinskameraden Manuel Machata, gilt als möglicher Medaillen-Anwärter für Sotschi.
In Sotschi wird der 27-jährige Christian Poser zusammen mit dem anderen Potsdamer, Kevin Kuske, im Vierer-Bob von Thomas Florschütz fahren. Im Weltcup kamen zuletzt meist dritte Plätze heraus.
Dritter im Bunde der Potsdamer Bob-Piloten ist Jan-Martin Speer. Auch er ist als bärenstarker Anschieber bekannt, doch den Sprung ins offizielle Olympia-Team schaffte er nicht - sein langjähriger Partner Manuel Machata verpasste die Qualifikation. Nun steht Speer als Ersatzmann bereit.
Monique Angermüller vom Eissportverein Berlin '08 zählt schon seit vielen Jahren zu den festen Größen im Eisschnelllauf. Der ganz große Erfolg blieb ihr bisher aber versagt.
Bei den Olympischen Spielen in Vancouver belegte sie vor vier Jahren über 500 Meter den 11. Platz. Gerade 30 Jahre alt geworden, wird Monique Angermüller in Sotschi über 1.000 und 1.500 Meter an den Start gehen.
Dass Bente Kraus in Sotschi starten würde, war lange nicht sicher. Im vergangenen Sommer verlor die Berlinerin ihren Vater. Er hatte sie seit dem sechsten Lebensjahr trainiert. Doch die 24-Jährige überwand die Verzweiflung und will in Sotschi nun für sich und ihren Vater laufen.
Bei der Olympia-Generalprobe, der WM in Sotschi vor knapp einem Jahr, erzielte Bente Kraus mit dem 7. Platz über 5.000 Meter und dem 8. Rang über 3.000 Meter ihre bislang besten Resultate. Kein Wunder also, dass die Berlinerin Ende Januar sehr optimistisch in Sotschi eintraf.
Bei Claudia Pechstein bedarf es eigentlich keiner weiteren Erläuterung: Die fünfmalige Olympiasiegerin wird in Sotschi ihre sechsten Olympischen Spiele erleben - im Alter von knapp 42 Jahren.
Ob die Berlinerin in Sotschi ihre zehnte olympische Medaille gewinnen wird, bleibt abzuwarten. Mit den 1.500, 3.000 und 5.000 Metern hat sie sich gleich drei Strecken vorgenommen - doch der seit vier Jahren andauernde Streit um ein angebliches Dopingvergehen dürfte nicht spurlos an Claudia Pechstein vorüber gegangen sein.
Auch Jenny Wolf ist in Sotschi eine Medaille zuzutrauen. In Vancouver holte die Sprint-Spezialistin aus Berlin über die 500 Meter die Silbermedaille hinter ihrer Dauerkonkurrentin Lee Sang-Hwa aus Südkorea.
Auch in Sotschi dürfte die Südkoreanerin die eigentliche Favoritin sein - doch vielleicht gelingt der fünfmaligen Weltmeisterin Jenny Wolf bei ihren vierten Olympischen Spielen noch einmal eine Überraschung.
Seit seiner ersten Olympia-Teilnahme 2010 hat Samuel Schwarz einen deutlichen Leistungsanstieg zu verzeichnen gehabt. War der Berliner in Vancouver über 500 Meter noch 23ster geworden, gelangen ihm im Dezember 2010 und im Dezember 2012 seine ersten beiden Weltcup-Siege über 1.000 Meter.
Bei der Olympia-Generalprobe, der Einzelstrecken-WM in Sotschi vor knapp einem Jahr, wurde der deutsche Rekordhalter über die 1.000 Meter Sechster, sein bislang größter Erfolg bei einer WM. In Sotschi will Samuel Schwarz über 500 und 1.000 Meter noch einmal angreifen.
Auch die beiden Berliner Eishockeyfrauen vom Olympischen Sportclub reisen mit großen Erwartungen nach Sotschi. Susann Götz wird das Team als Kapitänin leiten.
Dass die deutsche Mannschaft Medaillenchancen hat, glaubt die aus Bad Muskau stammende Eishockey-Frau allerdings nicht - dazu seien die anderen Nationen einfach zu stark, allen voran die USA und Kanada, sagt die 31-jährige Susann Götz.
Ähnlich sieht es Nina Kamenik. Für die Stürmerin (hier links), die ebenfalls für die Eisladies vom OSC spielt, geht mit Olympia ein großer Traum in Erfüllung. Ihren ersten Auftritt haben Götz, Kamenik und Co. am 9. Februar, wenn es gegen Gastgeber Russland geht.
Dass Eishockey-Frauen groß und kräftig sein müssen, verweist Nina Kamenik ins Land der Legenden. Frauen-Eishockey sei nicht so körperbetont, dafür aber technisch versiert, sagt die 160-fache Nationalspielerin.
Sie machte aus dem glatten Dutzend die glückliche Dreizehn: Eishockeyspierlin Lisa Schuster wurde zwei Tage vor dem offiziellen Beginn der Olympischen Winterspiele noch nachnominiert. Die 26 Jahre alte gebürtige Münchnerin spielt seit 2012 für die OSC Eisladys Berlin.
Spätestens seit 2008 bestimmt Peter Liebers vom SC Berlin das nationale Eislauf-Geschehen. Viermal ist er seitdem Deutscher Meister geworden, zuletzt dreimal in Folge.
Bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr kam Peter Liebers auf den elften Platz. Bei der Europameisterschaft Anfang des Jahres in Budapest feierte er mit Platz sechs seinen bisher größten Erfolg. Für Sotschi ist eine Top-10-Platzierung das erklärte Ziel.
Auch für die beiden Eistänzer Tanja Kolbe und Stefano Caruso ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Sotschi der vorläufige Höhepunkt ihrer Karriere.
Bei den Europameisterschaften im vergangenen Jahr in Zagreb ist das Eistanz-Paar vom TSC Berlin auf den achten Platz gelaufen. Mit der Olympia-Teilnahme in Sotschi geht für Kolbe & Caruso ein Traum in Erfüllung. Weitere Bildergalerien
Claudia Pechstein hat eine Woche vor dem 3.000-Meter-Lauf in Sotschi einen Schwächeanfall erlitten. Nach einer Blutentnahme verlor die Eisschnelläuferin aus Berlin kurz das Bewusstsein. Für ihren vierten Platz beim Rennen will sie den Zwischenfall aber nicht verantwortlich machen, sagt sie. Pechstein lag am Sonntag lange in Führung, brach dann aber in den letzten beiden Runden ein.
Sie gilt als potenzielle Nachfolgerin von Claudia Pechstein, doch in Sotschi konnte Bente Kraus für Deutschland kein Edelmetall erringen. Über 3.000 Meter belegte die Berlinerin am Sonntag den elften Platz. Neun Monate vor Olympia hatte die Sportlerin einen harten Schicksalschlag verkraften müssen.
Wie viele Eisschnellläuferinnen ihrer Generation stand sie immer ein wenig im Schatten von Claudia Pechstein. Trotzdem hat Monique Angermüller die Hoffnung auf eine Medaille bei Olympischen Spielen noch nicht aufgegeben. In Sotschi ist sie über 1.000 Meter gestürzt, am Sonntag lief sie wieder hinterher.
Drei Berlinerinnen stehen im Kader der Eishockey-Damen, darunter Kapitänin Susann Götz. Zum Auftakt der Olympischen Spiele war Gastgeber Russland der Gegner. Die Sensation lag lange Zeit in der Luft.
Keine Medaillen für die deutschen Vierer in Sotschi - und ein handfester Skandal um Bob-Pilot Manuel Machata aus Potsdam. Machata, der in Sotschi nicht dabei war, hatte seine Kufen, eine Eigenanfertigung, an den späteren Olympiasieger Alexander Subkow weitergegeben. Die deutschen Bobs fuhren ...