Enttäuschung in Sotschi -
Monique Angermüller über 1.000 Meter gestürzt
Sie war gut unterwegs, aber dann kam Monique Angermüller aus Berlin ins Straucheln, verlor die Kontrolle und rutschte in die Bande. Zum ersten Mal in der olympischen Geschichte ging die Goldmedaille mit Hong Zhang an eine chinesische Eisschnellläuferin. Jenny Wolf aus Berlin belegte in ihrem letzten Olympia-Rennen über die ungeliebten 1.000 Meter den 25. Platz.
In der Adler Arena, in der die Eisschnellläufer ihre Wettkämpfe austragen, lagen grenzenloser Jubel und bittere Enttäuschung am Donnerstag wieder einmal dicht beieinander:
Während Zhang Hong über die 1.000 Meter der Frauen das erste Eisschnelllauf-Gold für China bei Olympischen Winterspielen gewann, stürzte Monique Angermüller in der zweiten der beiden Runden und musste ihre Gegnerin hilflos davoneilen sehen. Für die Berlinerin war es der erste von zwei Starts in Sotschi - am Sonntag wird sie noch einmal dabei sein; dann geht es über die 1.500 Meter, ihre eigentliche Paradestrecke.
Olympia-Siegerin aus China: Hong Zhang
Erstes Eisschnelllauf-Gold für China
Für Zhang Hong, die 25 Jahre alte Sprint-Vizeweltmeisterin, ging in Sotschi ein Traum in Erfüllung. Obwohl von der kürzeren Sprintstrecke her kommend, lief sie ein phänomenales Rennen und verwies die Niederländerinnen in 1:14,02 Minuten deutlich auf die Plätze. Die 3.000-Meter-Olympiasiegerin Ireen Wüst holte in 1:14,69 die Silbermedaille; Bronze ging ebenfalls an das Erfolgsteam von Oranje: Wie schon über 500 Meter belegte Margot Boer ín 1:14,90 Rang drei.
Beste der übrigen drei deutschen Läuferinnen war Judith Hesse (1:15,84) aus Erfurt als Elfte, die über 500 Meter nach zwei Fehlstarts disqualifiziert worden war. Die 500-Meter-Sechste Jenny Wolf (Berlin) kam in ihrem letzten olympischen Rennen in 1:17,99 Minuten auf den 25. Platz vor Gabriele Hirschbichler (Inzell/1:18,00).
Wie viele Eisschnellläuferinnen ihrer Generation stand sie immer ein wenig im Schatten von Claudia Pechstein. Trotzdem hat Monique Angermüller die Hoffnung auf eine Medaille bei Olympischen Spielen noch nicht aufgegeben.
Im Schatten von Claudia Pechstein
Monique Angermüller vom Eissportverein Berlin '08 ist Spezialistin für die kurzen Strecken - über 500, 1.000 und 1.500 Meter. In der Eisschnelllauf-Hochburg Berlin ist sie seit vielen Jahren eine feste Größe. Neunmal war die 30-Jährige inzwischen schon Deutsche Meisterin, aber ihr großer Traum bleibt eine olympische Medaille.
International gesehen war die Saison 2009/10 ihr bislang größter Erfolg - mit einem dritten Platz im 1.000-Meter-Gesamtweltcup und ihrem bisher einzigen Weltcup-Sieg über diese Distanz in Erfurt. Doch wie so viele Eisschnellläuferinnen ihrer Generation hat Angermüller immer ein wenig im Schatten von Claudia Pechstein gestanden. Die ist zwar eigentlich auf die langen Strecken spezialisiert, holt sich ihre Grundschnelligkeit aber über die kürzeren Distanzen - eine leidvolle Erfahrung für Monique Angermüller, die Pechstein zumindest über die 1.500 Meter auch in diesem Winter immer wieder mal vorbeilassen musste.
Aller guten Dinge sind Dreizehn
Zwölf Sportler aus der Region wurden für Sotschi nominiert - und eine Athletin rückte zwei Tage vor den Spielen noch nach. Zahlenmäßig am stärksten vertreten sind die Eisschnellläufer um Claudia Pechstein. Aber auch das Berliner Eistanz-Paar Tanja Kolbe und Stefano Caruso, die Bobfahrer aus Potsdam sowie die drei Eishockey-Spielerinnen und der Eiskunstläufer Peter Liebers fahren mit großen Hoffnungen ans Schwarze Meer.
Wer hier so schnell ins Tal rast, ist der Bobfahrer Kevin Kuske. Der Anschieber aus Potsdam hat bei Olympia schon viermal Gold gewonnen - jeweils hinter seinem damaligen Piloten André Lange aus Oberhof.
Wie Messungen ergeben haben, ist Kevin Kuske auf den ersten 30 Metern schneller als 100-Meter-Weltrekordler Usain Bolt. In Sotschi soll nun Thomas Florschütz aus Riesa von den Qualitäten des Potsdamers profitieren.
Auch Christian Poser vom SC Potsdam, hier mit seinem Vereinskameraden Manuel Machata, gilt als möglicher Medaillen-Anwärter für Sotschi.
In Sotschi wird der 27-jährige Christian Poser zusammen mit dem anderen Potsdamer, Kevin Kuske, im Vierer-Bob von Thomas Florschütz fahren. Im Weltcup kamen zuletzt meist dritte Plätze heraus.
Dritter im Bunde der Potsdamer Bob-Piloten ist Jan-Martin Speer. Auch er ist als bärenstarker Anschieber bekannt, doch den Sprung ins offizielle Olympia-Team schaffte er nicht - sein langjähriger Partner Manuel Machata verpasste die Qualifikation. Nun steht Speer als Ersatzmann bereit.
Monique Angermüller vom Eissportverein Berlin '08 zählt schon seit vielen Jahren zu den festen Größen im Eisschnelllauf. Der ganz große Erfolg blieb ihr bisher aber versagt.
Bei den Olympischen Spielen in Vancouver belegte sie vor vier Jahren über 500 Meter den 11. Platz. Gerade 30 Jahre alt geworden, wird Monique Angermüller in Sotschi über 1.000 und 1.500 Meter an den Start gehen.
Dass Bente Kraus in Sotschi starten würde, war lange nicht sicher. Im vergangenen Sommer verlor die Berlinerin ihren Vater. Er hatte sie seit dem sechsten Lebensjahr trainiert. Doch die 24-Jährige überwand die Verzweiflung und will in Sotschi nun für sich und ihren Vater laufen.
Bei der Olympia-Generalprobe, der WM in Sotschi vor knapp einem Jahr, erzielte Bente Kraus mit dem 7. Platz über 5.000 Meter und dem 8. Rang über 3.000 Meter ihre bislang besten Resultate. Kein Wunder also, dass die Berlinerin Ende Januar sehr optimistisch in Sotschi eintraf.
Bei Claudia Pechstein bedarf es eigentlich keiner weiteren Erläuterung: Die fünfmalige Olympiasiegerin wird in Sotschi ihre sechsten Olympischen Spiele erleben - im Alter von knapp 42 Jahren.
Ob die Berlinerin in Sotschi ihre zehnte olympische Medaille gewinnen wird, bleibt abzuwarten. Mit den 1.500, 3.000 und 5.000 Metern hat sie sich gleich drei Strecken vorgenommen - doch der seit vier Jahren andauernde Streit um ein angebliches Dopingvergehen dürfte nicht spurlos an Claudia Pechstein vorüber gegangen sein.
Auch Jenny Wolf ist in Sotschi eine Medaille zuzutrauen. In Vancouver holte die Sprint-Spezialistin aus Berlin über die 500 Meter die Silbermedaille hinter ihrer Dauerkonkurrentin Lee Sang-Hwa aus Südkorea.
Auch in Sotschi dürfte die Südkoreanerin die eigentliche Favoritin sein - doch vielleicht gelingt der fünfmaligen Weltmeisterin Jenny Wolf bei ihren vierten Olympischen Spielen noch einmal eine Überraschung.
Seit seiner ersten Olympia-Teilnahme 2010 hat Samuel Schwarz einen deutlichen Leistungsanstieg zu verzeichnen gehabt. War der Berliner in Vancouver über 500 Meter noch 23ster geworden, gelangen ihm im Dezember 2010 und im Dezember 2012 seine ersten beiden Weltcup-Siege über 1.000 Meter.
Bei der Olympia-Generalprobe, der Einzelstrecken-WM in Sotschi vor knapp einem Jahr, wurde der deutsche Rekordhalter über die 1.000 Meter Sechster, sein bislang größter Erfolg bei einer WM. In Sotschi will Samuel Schwarz über 500 und 1.000 Meter noch einmal angreifen.
Auch die beiden Berliner Eishockeyfrauen vom Olympischen Sportclub reisen mit großen Erwartungen nach Sotschi. Susann Götz wird das Team als Kapitänin leiten.
Dass die deutsche Mannschaft Medaillenchancen hat, glaubt die aus Bad Muskau stammende Eishockey-Frau allerdings nicht - dazu seien die anderen Nationen einfach zu stark, allen voran die USA und Kanada, sagt die 31-jährige Susann Götz.
Ähnlich sieht es Nina Kamenik. Für die Stürmerin (hier links), die ebenfalls für die Eisladies vom OSC spielt, geht mit Olympia ein großer Traum in Erfüllung. Ihren ersten Auftritt haben Götz, Kamenik und Co. am 9. Februar, wenn es gegen Gastgeber Russland geht.
Dass Eishockey-Frauen groß und kräftig sein müssen, verweist Nina Kamenik ins Land der Legenden. Frauen-Eishockey sei nicht so körperbetont, dafür aber technisch versiert, sagt die 160-fache Nationalspielerin.
Sie machte aus dem glatten Dutzend die glückliche Dreizehn: Eishockeyspierlin Lisa Schuster wurde zwei Tage vor dem offiziellen Beginn der Olympischen Winterspiele noch nachnominiert. Die 26 Jahre alte gebürtige Münchnerin spielt seit 2012 für die OSC Eisladys Berlin.
Spätestens seit 2008 bestimmt Peter Liebers vom SC Berlin das nationale Eislauf-Geschehen. Viermal ist er seitdem Deutscher Meister geworden, zuletzt dreimal in Folge.
Bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr kam Peter Liebers auf den elften Platz. Bei der Europameisterschaft Anfang des Jahres in Budapest feierte er mit Platz sechs seinen bisher größten Erfolg. Für Sotschi ist eine Top-10-Platzierung das erklärte Ziel.
Auch für die beiden Eistänzer Tanja Kolbe und Stefano Caruso ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Sotschi der vorläufige Höhepunkt ihrer Karriere.
Bei den Europameisterschaften im vergangenen Jahr in Zagreb ist das Eistanz-Paar vom TSC Berlin auf den achten Platz gelaufen. Mit der Olympia-Teilnahme in Sotschi geht für Kolbe & Caruso ein Traum in Erfüllung. Weitere Bildergalerien
Keine Medaillen für die deutschen Vierer in Sotschi - und ein handfester Skandal um Bob-Pilot Manuel Machata aus Potsdam. Machata, der in Sotschi nicht dabei war, hatte seine Kufen, eine Eigenanfertigung, an den späteren Olympiasieger Alexander Subkow weitergegeben. Die deutschen Bobs fuhren ...