
Claudia Pechstein erlitt vor Wettkampf Schwächeanfall - "Als würden mir die Beine weggezogen"
Claudia Pechstein hat eine Woche vor dem 3.000-Meter-Lauf in Sotschi einen Schwächeanfall erlitten. Nach einer Blutentnahme verlor die Eisschnelläuferin aus Berlin kurz das Bewusstsein. Für ihren vierten Platz beim Rennen will sie den Zwischenfall aber nicht verantwortlich machen, sagt sie. Pechstein lag am Sonntag lange in Führung, brach dann aber in den letzten beiden Runden ein.
Die Berliner Eisschnellläuferin Claudia Pechstein hat eine Woche vor dem 3.000-Meter-Rennen in Sotschi einen Schwächeanfall erlitten. "Ich hatte Probleme mit den Blutwerten und wollte das checken lassen", sagte die 41-Jährige bei einer Pressekonferenz in Krasnaja Poljana: "Die Krankenschwester konnte aber nicht so gut Blut abnehmen, da ist mir nicht so wohl gewesen. Mir war, als würden mir die Beine weggezogen." Danach habe sie kurz das Bewusstsein verloren.
Pechstein hatte am Sonntag bereits von ihrem Krankenhausbesuch erzählt, dabei aber den Schwächeanfall nicht erwähnt. "Ob der Vorfall einen Einfluss darauf hatte, dass ich Vierte wurde und keine Medaille geholt habe, weiß ich nicht", erklärte Pechstein. "Ich wollte es aber nicht darauf schieben."
Die Berlinerin hatte am Sonntag die zehnte Olympiamedaille ihrer Karriere vorerst verpasst: Beim 3.000-Meter-Rennen kam sie mit einer Zeit von 4:05,26 Minuten nicht unter die ersten Drei.

Pechstein verspielte Vorsprung
Viele Runden lang war es still in der Eisschnelllauf-Halle in Sotschi: Pechstein lag in ihrem Rennen einige Runden in Führung. Da war der erste Platz der Russin Olga Graf noch in Gefahr. Nach 1.400 Metern hatte Pechstein sich eine Führung von 1,41 Sekunden herausgelaufen, am Ende aber kam sie mit 1,79 Sekunden Rückstand ins Ziel.
Nach Pechstein ging die Mitfavoritin Martina Sablikova aus Tschechien an den Start - und stürmte auf Position eins; Pechstein war damit nur noch Dritte. Danach brach dann allerdings die Top-Favoritin Irene Wüst (Niederlande) alle Bestzeiten - und holte sich Gold vor Sablikova (Silber), Graf (Bronze) und der 41-jährigen Pechstein.
Für Wüst ist es bereits der dritte Olympiasieg, die Berlinerin Bente Kraus kam auf Platz elf. Stefanie Beckert aus Erfurt wurde 18.
"Der vierte Platz ist natürlich scheiße"
Claudia Pechstein flüchtete sich nach dem Rennen mit Tränen in den Augen wortlos in die Katakomben. Erst in den Armen ihres Freundes Matthias Große beruhigte sie sich - und fand Kraft für ungewohnt selbstkritische Worte. "Ich bin nicht in meinen Rhythmus gekommen. Der vierte Platz ist natürlich scheiße", sagte sie nach dem Lauf.
Von der fünften Runde an war das Rennen für Pechstein fast zu einer Quälerei geworden. Mit schmerzverzerrtem Gesicht plagte sie sich über die letzten Runden. Nur bei Rundenzeiten von 31 Sekunden hätte sie eine Chance auf Bronze gehabt - auf dem schweren Eis waren allerdings nur noch 33,13 und 33,26 Sekunden auf den letzten beiden Runden drin.

Noch zwei Medaillen-Chancen für Pechstein
Claudia Pechstein hat jetzt noch zwei Medaillenchancen: Am 16. Februar (Sonntag) geht sie über 1.500 Meter an den Start, am 19. Februar (Mittwoch) über 5.000 Meter. Über die kürzere Distanz hat sie keine realistischen Chancen, auf ihrer langen Paradestrecke dagegen schon.
41-Jährige mit großer Medaillenhoffnung
Die 41 Jahre alte Berlinerin war mit fünf Olympiasiegen und insgesamt neun olympischen Medaillen als erfolgreichste deutsche Teilnehmerin zu den Winterspielen gereist.
Zum ersten Mal war Pechstein 1992 in Albertville am Start und gewann auf Anhieb die Bronzemedaille über ihre Paradestrecke, die 5.000 Meter. In Sotschi erlebte die Bundespolizistin nun ihre sechsten Olympischen Spiele - wobei die nicht verstummenden Doping-Vorwürfe eine schwere Hypothek für die Rekordfrau waren.
Rechtsstreit sorgt für zusätzliche Motivation
"Der 'Fall Pechstein' hat mich viel stärker gemacht, ich habe ein dickeres Fell. Aber der Fall hat mir auch alles genommen", sagte die Athletin vor ihrer Abreise nach Sotschi in der rbb-Sendung "Sportplatz". "Mein Leben hatte keinen Sinn mehr." Ihr Ärger richtet sich vor allem gegen den internationale Eisschnelllauf-Verband (ISU). Dieser hatte Anfang 2009 eine zweijährige Sperre gegen Pechstein verhängt.
Die Lage ist kompliziert, denn der von der ISU beanstandete erhöhte Blutwert wird von Pechstein auf eine angeborene Blutanomalie zurückgeführt. Im März 2010 wurde dies durch ein medizinisches Gutachten bestätigt, das die Eisschnellläuferin selbst in Auftrag gegeben hatte, doch erst im Februar 2011, nach Ablauf der zweijährigen Sperre, konnte Pechstein wieder starten.





