
Am Sonntag über 3000 m - "Eine Medaille ist sehr realistisch"
Sie ist die erfolgreichste deutsche Wintersportlerin und trotz ihrer 41 Jahre noch immer auf Medaillenjagd: Bei den Olympischen Spielen in Sotschi will Claudia Pechstein am Sonntag über die 3000 m ihr zehntes Edelmetall gewinnen. Die noch immer umstrittene Dopingsperre spornt die Berlinerin zusätzlich an, erzählte sie im rbb-Interview.
Im Vorfeld der Olympischen Winterspiele in Sotschi äußerte Claudia Pechstein sich optimistisch. "Ich hoffe auf schöne Spiele, dass man einfach Spaß hat. Und schön heißt erfolgreich. Eine Medaille ist sehr realistisch", sagte sie vor der Abreise nach Sotschi dem rbb.
Trotz ihrer 41 Jahre gilt Pechstein in Sotschi als eine der größten deutschen Medaillenhoffnungen. Mit fünf Olympiasiegen und insgesamt neun olympischen Medaillen ist die Berlinerin die erfolgreichste deutsche Teilnehmerin bei Winterspielen. Zum ersten Mal war Pechstein 1992 in Albertville am Start und gewann auf Anhieb die Bronzemedaille über ihre Paradestrecke, die 5.000 Meter. In Sotschi erlebt die Bundespolizistin nun ihre sechsten Olympischen Spiele - wobei die nicht verstummenden Doping-Vorwürfe eine schwere Hypothek für die Rekordfrau sind.
Rechtsstreit sorgt für zusätzliche Motivation
"Der "Fall Pechstein" hat mich viel stärker gemacht, ich habe ein dickeres Fell. Aber der Fall hat mir auch alles genommen. Mein Leben hatte keinen Sinn mehr", sagte Pechstein in der rbb-Sendung "Sportplatz". Ihr Ärger richtet sich vor allem gegen den internationale Eisschnelllauf-Verband (ISU). Dieser hatte Anfang 2009 eine zweijährige Sperre gegen Pechstein verhängt.
Die Lage ist kompliziert, denn der von der ISU beanstandete erhöhte Blutwert wird von Pechstein auf eine angeborene Blutanomalie zurückgeführt. Im März 2010 wurde dies durch ein medizinisches Gutachten bestätigt, das die Eisschnellläuferin selbst in Auftrag gegeben hatte, doch erst im Februar 2011, nach Ablauf der zweijährigen Sperre, konnte Pechstein wieder starten.
"Es ist so, dass ich sehr viel Aggressivität gegen die ISU in mir habe. Ich will das bei dem wichtigsten Wettkampf in Sotschi aufs Eis bringen", erklärte Pechstein, die vor Gericht nach wie vor um die Feststellung der Rechtswidrigkeit ihrer Sperre und um Schadensersatz kämpft.
"Ich möchte Gerechtigkeit"
"Den Dopingstempel werde ich auf der Stirn tragen müssen. Ich muss viele darauf hinweisen, dass es einen Unterschied zu anderen Fällen gibt. Ich möchte Gerechtigkeit. Der Fall Pechstein ist ein Politikum. Bei mir galt nie die Unschuldsvermutung, ich wurde denunziert."
Die Entscheidung fällt am Sonntag ab 12.30 MEZ. Am Start ist auch die Berlinerin Bente Kraus.





