Nina Kamenik (l.) und Susann Götz (Quelle: OSC Eisladies Berlin)

Drei vom OSC - Die Berliner Eishockey-Ladys

Zunächst wurden nur zwei Berliner Eishockey-Spielerinnen für Sotschi nominiert, durch einen verletzungsbedingten Ausfall rutschte noch eine dritte ins Team: Susann Götz, Lisa Schuster und Nina Kamenik vom OSC Berlin werden bei den Winterspielen für Deutschland auf Torejagd gehen.

Frauen-Eishockey steht in Deutschland meist im Schatten der Männer - in Sotschi wird das nicht so sein. Denn während die Frauen zum dritten Mal nach 2002 und 2006 bei Olympischen Winterspielen antreten, haben die Männer die Qualifikation für Sotschi verpasst.

Im deutschen Olympia-Team stehen drei Berlinerinnen: Susann Götz, Nina Kamenik und Lisa Schuster gehen in der Frauen-Bundesliga für die OSC Eisladies an den Start.

Kapitänin Götz will Vorbild sein

"Eishockey ist für mich mein Leben", sagt Susann Götz, die wie ihre Kollegin Nina Kamenik als Soldatin der Sportfördergruppe Neubiberg angehört. Götz wird das 21-köpfige Aufgebot des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) als Kapitänin anführen. "Ich möchte meine beste Leistung bei dem Turnier zeigen und als Vorbild vorangehen". Die nötige Wettkampfhärte holt sich die 31-Jährige in der Regionalliga, wo sie bei den Männern mitspielt. Für die Angreiferin sind es die zweiten Winterspiele, 2006 wurden die deutschen Frauen in Turin Fünfte.

Auch bei den letzten Weltmeisterschaften in Ottawa landete das deutsche Team auf Platz fünf. "Für uns war das eine super Platzierung", meint Kamenik, "da wollen wir anknüpfen, gutes Eishockey zeigen und uns gut präsentieren."

Eine Medaille ist eher unrealistisch

Ganz oben können die deutschen Frauen aber noch nicht mitspielen. Frauen-Eishockey ist seit 1998 olympisch, und seitdem machen Kanada und die USA den Titel unter sich aus. Daneben spielen die skandinavischen Teams traditionell eine wichtige Rolle bei der Medaillenvergabe.

Ihren ersten Auftritt haben Götz, Kamenik und Co. am 9. Februar, wenn Gastgeber Russland zum Duell bittet. Weitere Vorrundengegner sind Schweden am 11. Februar und Japan am 13. Februar. Die Spiele werden in der Schaiba-Arena in Sotschi ausgetragen, die 7.000 Besuchern Platz bietet.

"Man muss nicht groß und kräftig sein"

Worauf sich die Zuschauer freuen können, beschreibt Kamenik so: "Es ist nicht so körperlich wie bei den Männern, dafür eher technisch versiert, und ich würde einfach sagen, dass die Spielzüge schön anzuschauen sind."

Und mit einem alten Vorurteil räumt die zierliche Angreiferin auch auf: "Das ist immer noch das alte Klischeedenken, dass Eishockey-Spielerinnen groß und kräftig sind."

Last-Minute-Ticket für Lisa Schuster

Lisa Schuster hatte die Nominierung für das Sotschi-Team verpasst, obwohl sie fest damit gerechnet hatte. Für sie sei "eine Welt zusammengebrochen", als sie von Bundestrainer Peter Kathan aussortiert wurde, sagt die gebürtige Münchnerin.

Der Urlaub war schon fest geplant, als sie von der Verletzung von Daria Gleißner erfuhr: Durch die Nachnominierung wird für die 26-jährige Stürmerin doch noch der Olympia-Traum wahr. Ihre spontane Reaktion: "Es ist total merkwürdig. Im Moment fehlen mir die Worte. Es überfordert mich gerade ein bisschen."

Der Deutsche Olympische Sportbund beantragte ihren Einsatz, weil sich Daria Gleißner am Dienstag eine Gehirnerschütterung sowie eine Halswirbelsäulen-Verletzung zugezogen hatte. Die Abwehrspielerin aus Memmingen war im Testspiel gegen die USA mit dem Kopf in die Bande gekracht und auf einer Trage vom Eis gebracht worden. Gleißner soll am Donnerstag nach Deutschland zurückkehren, Schuster fliegt einen Tag vor Beginn der Spiele nach Sotschi.

Stichwort: Fraueneishockey

Eishockey hat sich seit den 1980er-Jahren auch als Frauensportart in Deutschland etabliert. Etwa 2.000 Spielerinnen sind derzeit aktiv. 1988 wurde die Frauen-Bundesliga gegründet, im selben Jahr wurde das erste Länderspiel ausgetragen (5:6 gegen die Schweiz). Erster Bundestrainer war Rainer Nittel, seit 2002 coacht Peter Kathan die DEB-Frauen.

In der Frauen-Bundesliga kämpfen sieben Teams um die Deutsche Meisterschaft. Die OSC-Frauen konnten bereits fünf Mal den Titel holen, zuletzt 2010. Danach wurde der ESC Planegg dreimal in Folge Meister.

Beitrag von Matthias Pohl mit Informationen von Felicia Mutterer

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