Zunächst wurden nur zwei Berliner Eishockey-Spielerinnen für Sotschi nominiert, durch einen verletzungsbedingten Ausfall rutschte noch eine dritte ins Team: Susann Götz, Lisa Schuster und Nina Kamenik vom OSC Berlin werden bei den Winterspielen für Deutschland auf Torejagd gehen.
Auf einen Blick
Die Kapitänin - Susann Götz
Geburtstag: 14.12.1982 Geburtsort: Bad Muskau Beruf: Sportsoldatin
Position: Stürmerin Verein: OSC Eisladies Berlin Länderspiele: 235
Größte Erfolge
Deutsche Meisterin, Pokalsiegerin und Fünfte bei Olympia und WM
Weitere Infos
Schießt links und spielt in der Herren-Regionalliga
Frauen-Eishockey steht in Deutschland meist im Schatten der Männer - in Sotschi wird das nicht so sein. Denn während die Frauen zum dritten Mal nach 2002 und 2006 bei Olympischen Winterspielen antreten, haben die Männer die Qualifikation für Sotschi verpasst.
Im deutschen Olympia-Team stehen drei Berlinerinnen: Susann Götz, Nina Kamenik und Lisa Schuster gehen in der Frauen-Bundesliga für die OSC Eisladies an den Start.
Kapitänin Götz will Vorbild sein
"Eishockey ist für mich mein Leben", sagt Susann Götz, die wie ihre Kollegin Nina Kamenik als Soldatin der Sportfördergruppe Neubiberg angehört. Götz wird das 21-köpfige Aufgebot des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) als Kapitänin anführen. "Ich möchte meine beste Leistung bei dem Turnier zeigen und als Vorbild vorangehen". Die nötige Wettkampfhärte holt sich die 31-Jährige in der Regionalliga, wo sie bei den Männern mitspielt. Für die Angreiferin sind es die zweiten Winterspiele, 2006 wurden die deutschen Frauen in Turin Fünfte.
Auch bei den letzten Weltmeisterschaften in Ottawa landete das deutsche Team auf Platz fünf. "Für uns war das eine super Platzierung", meint Kamenik, "da wollen wir anknüpfen, gutes Eishockey zeigen und uns gut präsentieren."
Auf einen Blick
Die Technikerin - Nina Kamenik
Geburtstag: 27.4.1985 Geburtsort: Berlin Beruf: Sportsoldatin
Position: Stürmerin Verein: OSC Eisladies Berlin Länderspiele: 160
Größte Erfolge
Deutsche Meisterin, Pokalsiegerin und WM-Fünfte
Weitere Infos
Schießt links und ist zum ersten Mal bei Olympia dabei
Eine Medaille ist eher unrealistisch
Ganz oben können die deutschen Frauen aber noch nicht mitspielen. Frauen-Eishockey ist seit 1998 olympisch, und seitdem machen Kanada und die USA den Titel unter sich aus. Daneben spielen die skandinavischen Teams traditionell eine wichtige Rolle bei der Medaillenvergabe.
Worauf sich die Zuschauer freuen können, beschreibt Kamenik so: "Es ist nicht so körperlich wie bei den Männern, dafür eher technisch versiert, und ich würde einfach sagen, dass die Spielzüge schön anzuschauen sind."
Und mit einem alten Vorurteil räumt die zierliche Angreiferin auch auf: "Das ist immer noch das alte Klischeedenken, dass Eishockey-Spielerinnen groß und kräftig sind."
Auf einen Blick
Die Nachrückerin - Lisa Schuster
Geburtstag: 28.5.1987 Geburtsort: München Beruf: Studentin
Position: Stürmerin Verein: OSC Eisladies Berlin
Weitere Infos
Schießt links und wurde nachnominiert
Last-Minute-Ticket für Lisa Schuster
Lisa Schuster hatte die Nominierung für das Sotschi-Team verpasst, obwohl sie fest damit gerechnet hatte. Für sie sei "eine Welt zusammengebrochen", als sie von Bundestrainer Peter Kathan aussortiert wurde, sagt die gebürtige Münchnerin.
Der Urlaub war schon fest geplant, als sie von der Verletzung von Daria Gleißner erfuhr: Durch die Nachnominierung wird für die 26-jährige Stürmerin doch noch der Olympia-Traum wahr. Ihre spontane Reaktion: "Es ist total merkwürdig. Im Moment fehlen mir die Worte. Es überfordert mich gerade ein bisschen."
Im Porträt
Inforadio | 27.01.2014 - "Eishockey ist mein Leben"
Für die Eishockeyspielerinnen aus Berlin geht mit Olympia ein Traum in Erfüllung. Von Felicia Mutterer
Der Deutsche Olympische Sportbund beantragte ihren Einsatz, weil sich Daria Gleißner am Dienstag eine Gehirnerschütterung sowie eine Halswirbelsäulen-Verletzung zugezogen hatte. Die Abwehrspielerin aus Memmingen war im Testspiel gegen die USA mit dem Kopf in die Bande gekracht und auf einer Trage vom Eis gebracht worden. Gleißner soll am Donnerstag nach Deutschland zurückkehren, Schuster fliegt einen Tag vor Beginn der Spiele nach Sotschi.
Stichwort: Fraueneishockey
Eishockey hat sich seit den 1980er-Jahren auch als Frauensportart in Deutschland etabliert. Etwa 2.000 Spielerinnen sind derzeit aktiv. 1988 wurde die Frauen-Bundesliga gegründet, im selben Jahr wurde das erste Länderspiel ausgetragen (5:6 gegen die Schweiz). Erster Bundestrainer war Rainer Nittel, seit 2002 coacht Peter Kathan die DEB-Frauen.
In der Frauen-Bundesliga kämpfen sieben Teams um die Deutsche Meisterschaft. Die OSC-Frauen konnten bereits fünf Mal den Titel holen, zuletzt 2010. Danach wurde der ESC Planegg dreimal in Folge Meister.
Beitrag von Matthias Pohl mit Informationen von Felicia Mutterer
Aller guten Dinge sind Dreizehn
Zwölf Sportler aus der Region wurden für Sotschi nominiert - und eine Athletin rückte zwei Tage vor den Spielen noch nach. Zahlenmäßig am stärksten vertreten sind die Eisschnellläufer um Claudia Pechstein. Aber auch das Berliner Eistanz-Paar Tanja Kolbe und Stefano Caruso, die Bobfahrer aus Potsdam sowie die drei Eishockey-Spielerinnen und der Eiskunstläufer Peter Liebers fahren mit großen Hoffnungen ans Schwarze Meer.
Wer hier so schnell ins Tal rast, ist der Bobfahrer Kevin Kuske. Der Anschieber aus Potsdam hat bei Olympia schon viermal Gold gewonnen - jeweils hinter seinem damaligen Piloten André Lange aus Oberhof.
Wie Messungen ergeben haben, ist Kevin Kuske auf den ersten 30 Metern schneller als 100-Meter-Weltrekordler Usain Bolt. In Sotschi soll nun Thomas Florschütz aus Riesa von den Qualitäten des Potsdamers profitieren.
Auch Christian Poser vom SC Potsdam, hier mit seinem Vereinskameraden Manuel Machata, gilt als möglicher Medaillen-Anwärter für Sotschi.
In Sotschi wird der 27-jährige Christian Poser zusammen mit dem anderen Potsdamer, Kevin Kuske, im Vierer-Bob von Thomas Florschütz fahren. Im Weltcup kamen zuletzt meist dritte Plätze heraus.
Dritter im Bunde der Potsdamer Bob-Piloten ist Jan-Martin Speer. Auch er ist als bärenstarker Anschieber bekannt, doch den Sprung ins offizielle Olympia-Team schaffte er nicht - sein langjähriger Partner Manuel Machata verpasste die Qualifikation. Nun steht Speer als Ersatzmann bereit.
Monique Angermüller vom Eissportverein Berlin '08 zählt schon seit vielen Jahren zu den festen Größen im Eisschnelllauf. Der ganz große Erfolg blieb ihr bisher aber versagt.
Bei den Olympischen Spielen in Vancouver belegte sie vor vier Jahren über 500 Meter den 11. Platz. Gerade 30 Jahre alt geworden, wird Monique Angermüller in Sotschi über 1.000 und 1.500 Meter an den Start gehen.
Dass Bente Kraus in Sotschi starten würde, war lange nicht sicher. Im vergangenen Sommer verlor die Berlinerin ihren Vater. Er hatte sie seit dem sechsten Lebensjahr trainiert. Doch die 24-Jährige überwand die Verzweiflung und will in Sotschi nun für sich und ihren Vater laufen.
Bei der Olympia-Generalprobe, der WM in Sotschi vor knapp einem Jahr, erzielte Bente Kraus mit dem 7. Platz über 5.000 Meter und dem 8. Rang über 3.000 Meter ihre bislang besten Resultate. Kein Wunder also, dass die Berlinerin Ende Januar sehr optimistisch in Sotschi eintraf.
Bei Claudia Pechstein bedarf es eigentlich keiner weiteren Erläuterung: Die fünfmalige Olympiasiegerin wird in Sotschi ihre sechsten Olympischen Spiele erleben - im Alter von knapp 42 Jahren.
Ob die Berlinerin in Sotschi ihre zehnte olympische Medaille gewinnen wird, bleibt abzuwarten. Mit den 1.500, 3.000 und 5.000 Metern hat sie sich gleich drei Strecken vorgenommen - doch der seit vier Jahren andauernde Streit um ein angebliches Dopingvergehen dürfte nicht spurlos an Claudia Pechstein vorüber gegangen sein.
Auch Jenny Wolf ist in Sotschi eine Medaille zuzutrauen. In Vancouver holte die Sprint-Spezialistin aus Berlin über die 500 Meter die Silbermedaille hinter ihrer Dauerkonkurrentin Lee Sang-Hwa aus Südkorea.
Auch in Sotschi dürfte die Südkoreanerin die eigentliche Favoritin sein - doch vielleicht gelingt der fünfmaligen Weltmeisterin Jenny Wolf bei ihren vierten Olympischen Spielen noch einmal eine Überraschung.
Seit seiner ersten Olympia-Teilnahme 2010 hat Samuel Schwarz einen deutlichen Leistungsanstieg zu verzeichnen gehabt. War der Berliner in Vancouver über 500 Meter noch 23ster geworden, gelangen ihm im Dezember 2010 und im Dezember 2012 seine ersten beiden Weltcup-Siege über 1.000 Meter.
Bei der Olympia-Generalprobe, der Einzelstrecken-WM in Sotschi vor knapp einem Jahr, wurde der deutsche Rekordhalter über die 1.000 Meter Sechster, sein bislang größter Erfolg bei einer WM. In Sotschi will Samuel Schwarz über 500 und 1.000 Meter noch einmal angreifen.
Auch die beiden Berliner Eishockeyfrauen vom Olympischen Sportclub reisen mit großen Erwartungen nach Sotschi. Susann Götz wird das Team als Kapitänin leiten.
Dass die deutsche Mannschaft Medaillenchancen hat, glaubt die aus Bad Muskau stammende Eishockey-Frau allerdings nicht - dazu seien die anderen Nationen einfach zu stark, allen voran die USA und Kanada, sagt die 31-jährige Susann Götz.
Ähnlich sieht es Nina Kamenik. Für die Stürmerin (hier links), die ebenfalls für die Eisladies vom OSC spielt, geht mit Olympia ein großer Traum in Erfüllung. Ihren ersten Auftritt haben Götz, Kamenik und Co. am 9. Februar, wenn es gegen Gastgeber Russland geht.
Dass Eishockey-Frauen groß und kräftig sein müssen, verweist Nina Kamenik ins Land der Legenden. Frauen-Eishockey sei nicht so körperbetont, dafür aber technisch versiert, sagt die 160-fache Nationalspielerin.
Sie machte aus dem glatten Dutzend die glückliche Dreizehn: Eishockeyspierlin Lisa Schuster wurde zwei Tage vor dem offiziellen Beginn der Olympischen Winterspiele noch nachnominiert. Die 26 Jahre alte gebürtige Münchnerin spielt seit 2012 für die OSC Eisladys Berlin.
Spätestens seit 2008 bestimmt Peter Liebers vom SC Berlin das nationale Eislauf-Geschehen. Viermal ist er seitdem Deutscher Meister geworden, zuletzt dreimal in Folge.
Bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr kam Peter Liebers auf den elften Platz. Bei der Europameisterschaft Anfang des Jahres in Budapest feierte er mit Platz sechs seinen bisher größten Erfolg. Für Sotschi ist eine Top-10-Platzierung das erklärte Ziel.
Auch für die beiden Eistänzer Tanja Kolbe und Stefano Caruso ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Sotschi der vorläufige Höhepunkt ihrer Karriere.
Bei den Europameisterschaften im vergangenen Jahr in Zagreb ist das Eistanz-Paar vom TSC Berlin auf den achten Platz gelaufen. Mit der Olympia-Teilnahme in Sotschi geht für Kolbe & Caruso ein Traum in Erfüllung. Weitere Bildergalerien
Bei seiner ersten Olympia-Teilnahme 2010 in Vancouver kam Samuel Schwarz vom SC Berlin auf den 16. Platz. Seitdem hat er zwei Weltcup-Siege errungen und damit die lange Durststrecke der deutschen Eisschnelllauf-Herren beendet. Auch in Sotschi ist eine Überraschung nicht ausgeschlossen.
Für die beiden Eistänzer Tanja Kolbe und Stefano Caruso ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Sotschi der vorläufige Höhepunkt ihrer Karriere. Am Sonntag konnten sie sich für das Finale qualifizieren, das heute Abend stattfindet. Chancen auf eine Medaille haben sie allerdings nicht.
Erst mit Mitte 20 sprintete sie in die Weltspitze der Eisschnellläuferinnen, doch während sie den Weltcup immer wieder dominierte, versagten bei den Olympischen Spielen die Nerven. Nach Platz zwei in Vancouver will es Jenny Wolf jetzt noch einmal wissen. Mit 35 Jahren zählt die Berlinerin in Sotschi zu den ältesten Athleten im deutschen Team.
Keine Medaillen für die deutschen Vierer in Sotschi - und ein handfester Skandal um Bob-Pilot Manuel Machata aus Potsdam. Machata, der in Sotschi nicht dabei war, hatte seine Kufen, eine Eigenanfertigung, an den späteren Olympiasieger Alexander Subkow weitergegeben. Die deutschen Bobs fuhren ...