
7. bis 23. Februar - Winterspiele am Palmenstrand
Bei den Olympischen Spielen in Sotschi ist auch eine Reihe von Sportlern aus Berlin und Brandenburg mit dabei. Neben Claudia Pechstein, der fünfmaligen Olympiasiegerin im Eisschnelllauf, sind noch zwölf andere Athleten aus der Region ans Schwarze Meer gereist - zu nicht ganz gewöhnlichen Winterspielen.
Sotschi liegt auf demselben Breitengrad wie Nizza, die Eissporthallen stehen direkt am Wasser, und die Wege durch den Olympiapark sind von Palmen gesäumt - eine ungewöhnliche Kulisse für Wintersportler - auch für Eisschnelllauf-Star Claudia Pechstein, die fünfmalige Olympiaisiegerin, die in Sotschi bereits ihre sechsten Olympischen Spiele erlebt.

Die mediterrane Atmosphäre finde sie zwar "nicht winterspiele-typisch", aber sie erwarte trotzdem optimale Bedingungen in Sotschi, sagte Pechstein dem rbb kurz vor ihrer Abreise. Schon bei der WM im vergangenen Jahr, der Olympia-Generalprobe, hatte sie den Olympiapark am Schwarzen Meer kennengelernt. Aus den Baustellen von damals sind inzwischen fünf neue Olympiahallen entstanden - in einer von ihnen, der "Iceberg"-Halle, wird ab dem 8. Februar um die Eisschnelllauf-Medaillen gekämpft.
Pechstein kämpft nicht nur um eine Medaille
Der Großteil der 153 deutschen Sportler hat am 4. Februar die Reise nach Russland angetreten. Um sich ausreichend zu akklimatisieren, ist Pechstein mit einigen anderen Eisschnellläufern allerdings schon Ende Januar nach Sotschi gereist. "Ich hoffe einfach, dass es schöne Spiele werden, erfolgreich und mit Spaß", sagt die Polizeibeamtin, die trotz ihrer 41 Jahre auch diesmal wieder zu den Favoritinnen im Eisoval zählt. Nur allzu gerne würde sie in Sotschi ihre zehnte olympische Medaille gewinnen, doch vor allem geht es der Berlinerin um ihre endgültige sportliche Rehabiltierung.
Weil sie zwischen 2009 und 2011 wegen eines bis heute umstrittenen Dopingverdachts vom Weltverband gesperrt war, musste sie im Jahr 2010 auf die Spiele in Vancouver verzichten. In Sotschi werde sie daher mit einer gewissen "Aggressivität" an den Start gehen, so die 5.000-Meter-Spezialistin in der rbb-Sendung "Sportplatz".
Insgesamt 13 Sportler aus Berlin und Brandenburg
Doch nicht nur Pechstein, auch ihre Eisschnelllauf-Kollegin Jenny Wolf, Silbermedaillen-Gewinnerin von Vancouver über 500 Meter, sowie die beiden Bob-Anschieber Kevin Kuske und Christian Poser vom SC Potsdam können in Sotschi auf Medaillen hoffen. Hinzu kommen noch neun weitere Sportler aus Berlin und Brandenburg.
Neben den Eisschnellläufern Monique Angermüller, Bente Kraus und Samuel Schwarz werden in Sotschi der Deutsche Eiskunstlauf-Meister Peter Liebers, das Eistanz-Paar Tanja Kolbe und Stefano Caruso sowie die drei Eishockey-Spielerinnen Susann Götz, Nina Kamenik und Lisa Schuster vertreten sein - allesamt aus Berlin. Vierzehnter im Bunde ist Jan-Martin Speer, der wie seine Bob-Kollegen Kuske und Poser dem SC Potsdam angehört. Speer hält sich für den Fall bereit, dass sich einer der beiden anderen Anschieber verletzt - aufgrund des olympischen Reglements wird er aber nicht im Olympischen Dorf wohnen.
High-Tech-Sportgeräte aus Oberschöneweide
Um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen, verlassen sich die Kufenflitzer in ihren Bobs und auf der Eisschnelllauf-Bahn auch diesmal wieder auf das "Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten" (FES). Seit über 50 Jahren ist das FES für die technische Ausstattung deutscher Olympia-Teilnehmer verantwortlich, erst in der DDR, dann für das gesamtdeutsche Team. Und auch diesmal haben die Technologie-Experten aus Berlin-Oberschöneweide alles dafür getan, um die Wintersportler optimal auszurüsten.

Bis zuletzt wurde im FES-Labor vor allem noch an der Feinabstimmung der Bobs gearbeitet. Dabei galt absolute Geheimhaltung, denn die Konkurrenz schläft nicht, sagt Michael Nitsch. Der FES-Projektleiter hat aufregende Wochen hinter sich: "Das wäre in der olympischen Sasion ganz komisch, wenn es entspannt wäre. Ich glaube, das ist nicht einmal bei denen entspannt, die gerade ein Weltcup-Rennen gewonnen haben", sagte Nitsch dem rbb.
Olympia-Hallen am Meer und Ski-Wettbewerbe in den Bergen
Die Spiele in Sotschi werden in vielerlei Hinsicht ein Novum darstellen. So haben Winterspiele noch nie an einem Ort stattgefunden, an dem es so warm ist. Zumindest in der Küstenregion, wo ein Drittel der Wettbewerbe stattfindet, fällt das Thermometer auch im Winter fast nie unter null Grad. Mit rund 2.800 Athleten und 98 Wettbewerben werden es außerdem die bisher größten Winterspiele in der olympischen Geschichte sein.
Neu im Programm sind zum Beispiel die Mixed-Staffel im Biathlon, neue Team-Wettbewerbe im Eiskunstlaufen und Rodeln sowie das Skispringen der Frauen und der Snowboard-Parallelslalom. Für Einzel- und Team-Entscheidungen liegen insgesamt 1.300 Medaillen bereit. 29 Wettbewerbe werden in den fünf Eishallen ausgetragen, die sich im Olympiapark direkt an der Schwarzmeer-Küste befinden, und die so klangvolle Namen haben wie "Bolschoi" oder "Schaiba".
Wer statt subtropischem Schwarzmeer-Klima echtes Wintersport-Feeling genießen will, muss hoch in die kaukasischen Berge fahren, wo die 69 Ski-Wettbewerbe stattfinden werden. Die Schneeverhältnisse dort seien gut, sagt Bernhard Schwank, stellvertretender Chef de Mission beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).
Bedenken wegen russischer Menschenrechtspolitik
Abgesehen von den ungewöhnlichen klimatischen Verhältnissen gibt es wegen der Spiele in Sotschi allerdings noch andere Bedenken - zum Beispiel wegen der unsicheren politischen Lage in der Kaukasus-Region.
Und auch die Frage, welche Geltung die Menschenrechte in Russland für sich beanspruchen können, wird diskutiert: "Ich muss schon sagen, dass mich die Debatte um die Menschenrechte in Russland berührt, und ich kann mir nicht vorstellen, dass die anderen Sportler das einfach ausblenden können", sagte Slalom-Spezialist Felix Neureuther unlängst dem "Spiegel".
Die Sicherheitslage dagegen spielt im deutschen Lager keine beherrschende Rolle: "Ich sehe da keinen Unterschied zu den Sommerspielen in London", sagt Schwank. Und Claudia Pechstein verweist auf die Spiele 2002 in Salt Lake City. Wenige Monate nach den Anschlägen vom 11. September 2001 habe es auch dort massive Sicherheitsvorkehrungen gegeben. Von daher habe sie keine Bedenken: "Sotschi ist während Olympia der sicherste Ort der Welt", sagt die Medaillenanwärterin.




