
Sportgeräte aus Berlin bei Olympia - Die Tüftler aus Oberschöneweide
Vor 50 Jahren wurde das Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin gegründet. Von dort stammt unter anderem ein Schlitten, der 1992 für die DDR in Sapporo zum Erfolg fuhr. Heute werden in Oberschöneweide unter anderem Bobs für das deutsche Olympiateam entwickelt - unter großer Geheimhaltung.
Wenn sich in Sotschi die deutschen Bobpiloten in den Eiskanal stürzen, wenn die Eisschnellläufer in ihre Klappschlittschuhe steigen oder die Snowboarder ihre Bindungen schließen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ihr Hightech-Material aus der Hauptstadt kommt: Das Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten, kurz FES, stattet seit vielen Jahren die deutschen Spitzensportler mit Material aus - zunächst in der DDR, später im wiedervereinigten Deutschland.

Höchste Geheimhaltung im FES-Labor
Auch wenn die deutschen Bob-Piloten im Olympiawinter bislang hinterhergefahren sind, sollen die Maschinen aus Berlin die Konkurrenz in Sotschi möglichst abhängen. Dazu wird im FES-Labor noch an der Feinabstimmung gearbeitet - bei höchster Geheimhaltungsstufe, schließlich schläft die Konkurrenz nicht.
Projektleiter Michael Nitsch wollte gegenüber dem rbb jedenfalls nicht darauf eingehen, woran genau seine Gruppe momentan arbeitet. Nur soviel: "Das wäre in der olympischen Sasion ganz komisch, wenn es entspannt wäre. Ich glaube, das ist nicht einmal bei denen entspannt, die gerade ein Weltcup-Rennen gewonnen haben."
Bestes Material für die besten Sportler
Aus vielleicht 400 Teilen besteht der Zweierbob, verrät Nitsch. Das Ziel der Berliner Entwickler ist es, auf der Kunsteisbahn von Sotschi die Schweizer, Kanadier und Russen hinter sich zu lassen. Doch nicht nur Bobs werden aus der Hauptstadt an das deutsche Olympiateam geliefert - auch Klappschlittschuhe für die Eisschnellläufer, Bindungen für die Snowboarder sowie Schlitten und Skeletons stammen aus dem Institut in der Tabbertstraße. High-Tech-Gerät für den Wintersport - als das Institut vor 50 Jahren gegründet wurde, war daran noch nicht zu denken.

Zunächst Wassersportler ausgestattet
Das FES wurde 1963 gegründet. Zunächst konzentrierte man sich jedoch auf die Sportarten Rudern, Kanu und Segeln, erst ab Ende der 1960er Jahre wurden auch Schlitten für die DDR-Rodler gebaut. Bei den Winterspielen in Sapporo 1972 kamen sie erstmals zum Einsatz. Mit durchschlagendem Erfolg: Die DDR gewann acht von neun möglichen Medaillen. 1975 konstruierte das Institut den Zweierbob von Meinhard Nehmer, der in Innsbruck zu olympischem Doppel-Gold raste.
Durch den Einsatz neuer Materialien, wie zum Beispiel glasfaserverstärkte Kunststoffe, und dank innovativer Bauweise konnten die Forscher und Entwickler in Oberschöneweide in immer neue Dimensionen vorstoßen. Im Radsport wurde der carbonverstärkte Rahmen erfunden, auf dem das DDR-Team um Uwe Ampler 1988 in Seoul zu olympischem Gold im Mannschaftszeitfahren fuhr.
Nach der Wende ging es weiter
Die großen Erfolge im DDR-Sport führten dazu, dass das FES nach der Wende als erhaltenswert eingestuft und in den gesamtdeutschen Sport überführt wurde. Gefördert vom Bundesinnenministerium, arbeiten heute rund 50 Forscher und Techniker an neuen Sportgeräten für die Olympiasieger von morgen.
Inzwischen gilt das Institut als Weltmarktführer in der Geräte- und Messtechnik in den Bereichen Radsport, Rudern, Kanu, Rodeln, Eisschnelllauf und Bobsport. Teilaufgaben übernimmt das FES für Schwimmer, Triathleten, Skifahrer und Schützen.
In den kommenden Tagen aber gilt die volle Konzentration den Winterspielen. Und das olympische Flair lässt auch die Techniker nicht kalt. Der Feinmechaniker Tamino Meschke wird sich die Rennen im Fernsehen anschauen: "Ich selbst finde das schon interessant, dass man sagen kann: Wow, da steckt meine Handarbeit und mein Feingefühl drin."
Mit Informationen von Philipp Büchner


