
Weltweite Aktionen - Proteste zur Olympiaeröffnung
Wenn am Freitagnachmittag die Olympischen Winterspiele in Sotschi eröffnet werden, wollen Lesben und Schwule nicht untätig bleiben. Mit einer Protestkundgebung und einer Schweigeminute vor der russischen Botschaft in Berlin wollen sie gegen die Unterdrückung Homosexueller in Russland demonstrieren - als Teil einer weltweiten Kampagne. Auch Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) will sich mit Schwulen und Lesben solidarisch zeigen.
Die Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Sotschi wird weltweit von Protesten begleitet. Auch in Berlin soll es Kundgebungen geben, die sich vor allem gegen die homophoben Äußerungen von Russlands Präsident Putin und die schwulenfeindlichen Gesetze in Russland richten. Vertreter der Homosexuellenbewegung wie auch Politiker wollen sich am frühen Abend vor der russischen Botschaft versammeln.
Teil einer weltweiten Kampagne
Der Lesben- und Schwulenverband hat für 16.00 Uhr zu einer Demo vor dem Brandenburger Tor aufgerufen. Von dort soll ein Protestzug zur russischen Botschaft an der Straße Unter den Linden ziehen. Die Schweigeminute soll exakt um 17.14 Uhr stattfinden, parallel zur Eröffnungsfeier der Spiele. Zu diesem Zeitpunkt wird es in Sotschi bereits 20.14 Uhr sein - eine Uhrzeit, die das Jahr 2014 symbolisieren soll. Die Protestaktion ist Teil der internationalen Kampagne "Gay Folks Movement", die zu Schweigeminuten vor russischen Botschaften und Konsulaten in der ganzen Welt aufgerufen hat.
Bereits am Vormittag hatte die Gesellschaft für bedrohte Völker eine Mahnwache vor der russischen Botschaft abgehalten. Zudem haben Femen-Aktivistinnen am selben Ort zuvor gegen die Politik in Russland protestiert. Auch in Magdeburg wollten Vertreter der Schwulenbewegung parallel zur Eröffnung der Spiele gegen die Verhältnisse in Russland protestieren. Im Zentrum der Kritik steht dabei Russlands Präsident Putin.
Putin hatte Mitte 2013 ein neues Anti-Homosexuellen-Gesetz unterzeichnet. Ihm zufolge geht es dabei zwar "nur um den Schutz Minderjähriger vor öffentlicher Propaganda durch nichttraditionell orientierte Menschen", doch sorgte das neue Gesetz für weltweite Empörung. Sogar zu einem Boykott der Spiele wurde aufgerufen. Inzwischen haben die Putin-Kritiker ihre Taktik aber geändert und wollen die Spiele in Sotschi nutzen, um Farbe zu bekennen und öffentlich auf mangelnde Toleranz und Ausgrenzung aufmerksam zu machen. Dazu zählt auch der Protest aus dem Kreis der Sportler.

Auch Berlins Innnensenator Henkel wird protestieren
Laut einem Bericht des schweizerischen Magazins "Blick" bekennen sich sieben Sportlerinnen offen zu ihrer Homosexualität - mit den Eisschnellläuferinnen Ireen Wüst und Sanne van Kerkhof sowie der Snowboarderin Cherly Maas kommen allein drei davon aus den Niederlanden. Auch die Skilangläuferin Barbara Jezersek aus Slowenien, die kanadische Eisschnellläuferin Anastasia Bucsis, die australische Snowboarderin Belle Brockhof und die österreichische Skispringerin Daniela Iraschko-Stolz seien lesbisch. Bucsis und Brockhoff hätten sich erst kürzlich geoutet, um gegen das russische Anti-Homosexuellen-Gesetz zu protestieren.
Auch die Berliner Politik wird in Sotschi ein Zeichen setzen. Wie die Senatsinnenverwaltung am Donnerstag mitteilte, werden Innensenator Frank Henkel und Sport-Staatssekretär Andreas Statzkowski (beide CDU) bei einem offiziellen Treffen mit dem Bürgermeister von Sotschi einen Regenbogenschal tragen.


