
Entscheidung im Bob - Vier Männer im Trabi
Platz 11 im Trabi: Für Anschieber Kevin Kuske und seinen Piloten Thomas Florschütz endeten die vier Fahrten im Zweier-Bob mehr als enttäuschend. Schuld scheinen die Schlitten der Deutschen zu sein. Mit diesem "Trabi" müssen Florschütz und seine beiden Potsdamer Anschieber Kuske und Poser allerdings noch vier Mal runter. Am Samstag geht's los.
Nach schlechten Ergebnissen gibt es für Sportler drei mögliche Erklärungen. Da wäre erstens die eigene Leistung, Fahrfehler zum Beispiel, oder schlechte Vorbereitung oder Tagesform. Zweitens: Die bärenstarke Konkurrenz. Oft wird das Abschneiden aber auch - drittens - am Material oder den äußeren Umständen festgemacht; zu feucht, zu kalt, schlechtes Essen.
Die beiden Bob-Fahrer Thomas Florschütz und Kevin Kuske (Potsdam) wählten nach ihren vier Fahrten im Zweier-Bob, die sie nur auf Platz elf beendeten, 'Ausrede' Nummer drei. "Wir fahren in einem Trabi", sagte zum Beispiel Kuske am Montag über den Schlitten. Die Enttäuschung war dem viermaligen Olympiasieger deutlich anzusehen. Sein Pilot Florschütz klang da nicht anders: "Ich habe schon früh in der Saison warnend den Finger gehoben, doch ich wurde belächelt. Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen." Schon vor den Rennen wurden ihnen nicht allzu viele Chancen auf eine Medaille eingeräumt. Das drückte sich dann auch im Ergebnis aus.
"Das ist ein bisschen peinlich"
Den anderen deutschen Teams erging es indes nicht anders: Weltmeister Francesco Friedrich wurde lediglich Achter. Vierer-Weltmeister Maximilian Arndt landete auf Rang 15. Überragender Olympiasieger wurde Russlands Gold-Hoffnung Alexander Subkow. Es war das schlechteste Olympia-Ergebnis der Zweierbob-Männer seit 58 Jahren. Und das Ergebnis wurde von allen Beteiligten am Sportgerät ausgemacht.
"Das ist ein bisschen peinlich", sagte Friedrich, während Arndt "zu viele Streitigkeiten" zwischen Bundestrainer Christoph Langen und dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) anprangerte und die Schlitten herstellt. Langen war nach den Läufen restlos bedient und verfolgte regungslos das Desaster, für das auch er vor allem das Material verantwortlich machte: "Jeder Blinde hat gesehen, dass die Jungs eine gute Leistung abgeliefert haben."
Allerdings war der Startrückstand erneut teilweise verheerend, und ganz fehlerfrei kamen die Piloten auch nicht durch den Eiskanal. Zusammengefasst: Die Ergebnisse im Zweier-Bob sind also auch auf alle drei Faktoren zurückzuführen: Die eigene Leistung, die Leistung Subkows, der wohl auch im Vierer Gold-Chancen hat, und das Material.
Doch ein Ergebnis macht Hoffung
Am Samstag und Sonntag finden nun die vier Läufe im Vierer-Bob statt. Die Brandenburger Hoffnungen ruhen wieder einmal auf Kevin Kuske. Der Potsdamer - einst bester Anschieber der Welt - machte seinen Piloten André Lange zur Bob-Legende, aber auch sich selbst. Vier Goldmedaillen holten sie gemeinsam, 2006 und 2010 im Zweier, 2002 und 2006 im Vierer. Heute schiebt er Thomas Florschütz an, mit im Bob sitzen der Potsdamer Teamkollege Christian Poser und Joshua Blum.
Poser ist kein Unbekannter, 2011 gewann er im Bob von Manuel Machata WM-Gold. Obwohl Poser relativ neu im Team ist, wird er von Kuske geadelt. "Wenn er am Balken neben mir steht, weiß ich, dass was passiert. Ich merke, wie heiß er ist und trotzdem noch cool und locker."
Die Medaillenchancen der vier Männer sind relativ gering. Doch es gibt kleine Hoffnungsschimmer: Im Vorjahr wurde Florschütz zum Beispiel bei der olympischen Generalprobe Zweiter - vor dem Russen Subkow. Das nächste Eisen im Feuer ist Mit-Anschieber Joshua Bluhm.
Der 19-Jährige ist zwar unerfahren, aber enorm schnell. Ein Mini-Kuske sozusagen. "Mit nur vier Weltcups zu Olympia, das hat noch kein Anschieber geschafft", schwärmte Florschütz. Bluhm hat erst knapp 100 Fahrten im Eiskanal absolviert. "Die Fahrt an sich ist zwar nicht das Angenehmste, aber es ist absolut auszuhalten", sagte der ehemalige Sprinter. Er hatte sogar mehrere Probetrainings beim Hamburger SV.
Das Abschlusstraining am Freitag beendete das Florschütz-Team mit der zweitbesten Zeit der Konkurrenz. Noch schneller war nur die Mannschaft von Maximilian Arndt. Subkow nahm allerdings nicht teil.
"Genug für Verbesserung getan?"
Der Direktor des kritisierten FES, Harald Schaale, hatte unter der Woche "strategische Fehler" beim Bau des offensichtlich nicht konkurrenzfähigen Zweierbobs "208" zugegeben. Die Alleinschuld des Instituts aber zurückgewiesen.
"Eine große neue Olympiaflotte mit einer Prototypen-Phase in zwei Jahren fertigzustellen, war vielleicht doch zu kühn", sagte Schaale der Süddeutschen Zeitung: "Andererseits muss sich jetzt auch jeder Pilot ehrlich die Frage beantworten, ob er genügend für die Verbesserung getan hat."





