Olympia 2014 in Sotschi: Eisschnellläufer Samuel Schwarz beim 1. Lauf der 500-Meter-Entscheidung (Bild: dpa)

Olympia-Bilanz - Sportler aus Berlin und Brandenburg ohne Medaillen

Bei den Olympischen Spielen in Sotschi haben deutsche Sportler insgesamt 19 Medaillen gewonnen. Berliner und Brandenburger schafften es allerdings nicht aufs Siegertreppchen. Warum eigentlich, fragt Andreas Ulrich.

Noch nie seit 1992 waren Berliner und Brandenburger ohne Medaillen von Olympischen Winterspielen zurückgekehrt, 2010 in Vancouver und 2006 in Turin waren es noch je vier Plaketten, in Salt Lake City 2002  reichte es sogar zu fünf Mal Edelmetall.

Sportler, Trainer, Funktionäre, Journalisten und Fans dürfen jetzt grübeln: Was ist schief gelaufen? Vielleicht muss Claudia Pechstein ja sogar weitermachen bis 2018? Im Moment jedenfalls ist sie Berlin-Brandenburgs Top-Kandidatin für Winter-Olympia.

Claudia Pechstein in Sotchi (Quelle: dpa)
Claudia Pechstein feierte am Samstag ihren 42. Geburtstag.

Pechstein will weitermachen, muss sie vielleicht sogar?

"Dann versuche ich es eben 2018 noch mal!", verkündete Claudia Pechstein am Mittwochabend gleich nach dem Wettkampf. Minuten zuvor war die Eisschnellläuferin  Fünfte geworden über 5.000 Meter. Eine Woche zuvor hatte Deutschlands älteste Starterin in Sotschi als Vierte über 3.000 Meter nur knapp die Bronzemedaille verpasst.

Pechstein, die am Samstag 42 Jahre alt geworden ist, gilt als extrem ehrgeizig. Gut vorstellbar, dass sie in vier Jahren noch mal angreift.

Verabschiedung der Berliner und Brandenburger Olympiateilnehmer nach Sotschi (Bild: dpa)
Ingesamt 13 Sportler aus Berlin und Brandenburg waren in Sotschi dabei.

Rätselraten in Hohenschönhausen

13 Berliner und Brandenburger waren in Sotschi am Start. Die Experten waren sich vor den Spielen einig, dass aber wohl nur Pechstein Chancen haben würde auf olympisches Edelmetall. Tatsächlich war "Pechi", wie ihre Fans sie nennen, mit einem vierten und einem fünften Platz die erfolgreichste Sotschi-Fahrerin aus unserer Region.

Warum die anderen Berliner Kufenflitzer teils dramatisch scheiterten, darüber rätselt man seit Tagen auch am heimischen Olympiastützpunkt in Berlin-Hohenschönhausen. Was zum Beispiel lief schief bei Monique Angermüller, die über 1.500 Meter gerade mal auf Rang 24 kam und über 1.000 Meter stürzte? Warum landete Robert Lehmann auf der 1.500-Meter-Strecke nur auf Platz 26 oder verpasste Samuel Schwarz auf seiner Paradestrecke über 1.000 Meter die Medaillenränge?

Trainingsbedingungen zu ideal?

"Vielleicht sind einfach unsere Trainingsbedingen zu ideal", mutmaßt ein Spitzensportfunktionär, der namentlich nicht genannt werden möchte. Der Insider erklärt: "Unsere Bedingungen an den Olympiastützpunkten werden immer optimaler, immer perfekter. Manche Sportler haben da inzwischen Schwierigkeiten, sich auf abweichende Bedingungen an den Wettkampforten einzustellen".

In der Tat unterschied sich das Eis auf dem olympischen Oval erheblich von dem in der Berliner Trainingshalle. Warum aber kam die Konkurrenz besser mit den Verhältnissen klar, als die Deutschen?

Peter Liebers während des Kurzprogramms Männer am 13. Februar in Sotschi (Quelle: dpa)
Vor allem im Kurzprogramm konnte Liebers punkten.

Platz acht war ein Riesenerfolg

Doch nicht jeder der dreizehn Berliner und Brandenburger, die ohne Medaille nach Hause kommen, hat enttäuscht. Dass Peter Liebers im Eiskunstlaufen Achter werden würde, hatten selbst die Kenner kaum erwartet. Der Berliner lief den Wettkampf seines Lebens, was seinen Vater Mario ganz besonders gefreut haben dürfte. Schließlich war der Ende der 70er Jahre auch ein recht erfolgreicher Eiskunstläufer - der erste Deutsche überhaupt, der einen dreifachen Axel sprang.

Tanja Kolbe und Stefano Caruso dagegen hatten sich im Eistanz mehr erhofft als Platz 19, auf dem das Berliner Paar landete. Die beiden laufen erst seit zwei Jahren gemeinsam. Das sei im Eistanzen eine relativ kurze Zeit, heißt es von den heimischen Trainern. In ein oder zwei Jahren könnten Kolbe und Caruso mit den Besten mithalten.

Susann Götz, Lisa Schuster und Nina Kamenik (Quelle: dpa)

Eishockeyfrauen dürfen stolz sein

Gejubelt haben am Ende die deutschen Eishockeyfrauen, als sie im Spiel um Platz 7 die Japanerinnen mit 3:2 besiegten. Die deutschen Puckjägerinnen sicherten sich damit den Verbleib in der A-Gruppe des Fraueneishockeys.

Auch drei Berlinerinnen, darunter Kapitänin Susann Götz, gehörten zum Team, das zuvor in den Spielen gegen Russland und Schweden um ein Haar Sensationen geschafft hätte. Gegen die Russinnen hatte die Mannschaft 1:0 geführt, verlor dann 1:4, gegen Schweden lag die Mannschaft bis kurz vor Schluss lediglich 0:1 zurück und unterlag dann noch mit 0:4.

Thomas Florschuetz und Kevin Kuske beim Start zum dritten Lauf beim Zweier-Bob-Wettkampf am 17. Februar in Sotschi (Quelle: dpa)
Vierfach-Olympiasieger Kevin Kuske (l.) ging diesmal leer aus.

Bobs fahren der Konkurrenz hinterher

Als sichere Medaillenkandidaten galten in den vergangenen Jahren die deutschen Bobs. Für das entscheidende Tempo beim Start sorgten dabei oft "Anschieber" aus Potsdam. Allein Anschieber Kevin Kuske brachte es zwischen 2002 und 2010 auf vier olympische Goldmedaillen. Aus Sotschi kehrte Kuske und die beiden anderen Potsdamer Bobsportler ohne Medaille zurück.

Dass die Deutschen der Konkurrenz hinterherfuhren, lag am schlechten Material, also an schwerfälligen Bobschlitten, heißt es. Das mag ein Grund sein. Fakt ist aber auch: Andere Anschieber sind inzischen deutlich schneller, als Kuske und Co.

Beitrag von Andreas Ulrich