Olympia-Bilanz -
Sportler aus Berlin und Brandenburg ohne Medaillen
Bei den Olympischen Spielen in Sotschi haben deutsche Sportler insgesamt 19 Medaillen gewonnen. Berliner und Brandenburger schafften es allerdings nicht aufs Siegertreppchen. Warum eigentlich, fragt Andreas Ulrich.
Noch nie seit 1992 waren Berliner und Brandenburger ohne Medaillen von Olympischen Winterspielen zurückgekehrt, 2010 in Vancouver und 2006 in Turin waren es noch je vier Plaketten, in Salt Lake City 2002 reichte es sogar zu fünf Mal Edelmetall.
Sportler, Trainer, Funktionäre, Journalisten und Fans dürfen jetzt grübeln: Was ist schief gelaufen? Vielleicht muss Claudia Pechstein ja sogar weitermachen bis 2018? Im Moment jedenfalls ist sie Berlin-Brandenburgs Top-Kandidatin für Winter-Olympia.
Claudia Pechstein feierte am Samstag ihren 42. Geburtstag.
Pechstein will weitermachen, muss sie vielleicht sogar?
"Dann versuche ich es eben 2018 noch mal!", verkündete Claudia Pechstein am Mittwochabend gleich nach dem Wettkampf. Minuten zuvor war die Eisschnellläuferin Fünfte geworden über 5.000 Meter. Eine Woche zuvor hatte Deutschlands älteste Starterin in Sotschi als Vierte über 3.000 Meter nur knapp die Bronzemedaille verpasst.
Pechstein, die am Samstag 42 Jahre alt geworden ist, gilt als extrem ehrgeizig. Gut vorstellbar, dass sie in vier Jahren noch mal angreift.
Ingesamt 13 Sportler aus Berlin und Brandenburg waren in Sotschi dabei.
Rätselraten in Hohenschönhausen
13 Berliner und Brandenburger waren in Sotschi am Start. Die Experten waren sich vor den Spielen einig, dass aber wohl nur Pechstein Chancen haben würde auf olympisches Edelmetall. Tatsächlich war "Pechi", wie ihre Fans sie nennen, mit einem vierten und einem fünften Platz die erfolgreichste Sotschi-Fahrerin aus unserer Region.
Warum die anderen Berliner Kufenflitzer teils dramatisch scheiterten, darüber rätselt man seit Tagen auch am heimischen Olympiastützpunkt in Berlin-Hohenschönhausen. Was zum Beispiel lief schief bei Monique Angermüller, die über 1.500 Meter gerade mal auf Rang 24 kam und über 1.000 Meter stürzte? Warum landete Robert Lehmann auf der 1.500-Meter-Strecke nur auf Platz 26 oder verpasste Samuel Schwarz auf seiner Paradestrecke über 1.000 Meter die Medaillenränge?
Trainingsbedingungen zu ideal?
"Vielleicht sind einfach unsere Trainingsbedingen zu ideal", mutmaßt ein Spitzensportfunktionär, der namentlich nicht genannt werden möchte. Der Insider erklärt: "Unsere Bedingungen an den Olympiastützpunkten werden immer optimaler, immer perfekter. Manche Sportler haben da inzwischen Schwierigkeiten, sich auf abweichende Bedingungen an den Wettkampforten einzustellen".
In der Tat unterschied sich das Eis auf dem olympischen Oval erheblich von dem in der Berliner Trainingshalle. Warum aber kam die Konkurrenz besser mit den Verhältnissen klar, als die Deutschen?
Vor allem im Kurzprogramm konnte Liebers punkten.
Platz acht war ein Riesenerfolg
Doch nicht jeder der dreizehn Berliner und Brandenburger, die ohne Medaille nach Hause kommen, hat enttäuscht. Dass Peter Liebers im Eiskunstlaufen Achter werden würde, hatten selbst die Kenner kaum erwartet. Der Berliner lief den Wettkampf seines Lebens, was seinen Vater Mario ganz besonders gefreut haben dürfte. Schließlich war der Ende der 70er Jahre auch ein recht erfolgreicher Eiskunstläufer - der erste Deutsche überhaupt, der einen dreifachen Axel sprang.
Tanja Kolbe und Stefano Caruso dagegen hatten sich im Eistanz mehr erhofft als Platz 19, auf dem das Berliner Paar landete. Die beiden laufen erst seit zwei Jahren gemeinsam. Das sei im Eistanzen eine relativ kurze Zeit, heißt es von den heimischen Trainern. In ein oder zwei Jahren könnten Kolbe und Caruso mit den Besten mithalten.
Eishockeyfrauen dürfen stolz sein
Gejubelt haben am Ende die deutschen Eishockeyfrauen, als sie im Spiel um Platz 7 die Japanerinnen mit 3:2 besiegten. Die deutschen Puckjägerinnen sicherten sich damit den Verbleib in der A-Gruppe des Fraueneishockeys.
Auch drei Berlinerinnen, darunter Kapitänin Susann Götz, gehörten zum Team, das zuvor in den Spielen gegen Russland und Schweden um ein Haar Sensationen geschafft hätte. Gegen die Russinnen hatte die Mannschaft 1:0 geführt, verlor dann 1:4, gegen Schweden lag die Mannschaft bis kurz vor Schluss lediglich 0:1 zurück und unterlag dann noch mit 0:4.
Vierfach-Olympiasieger Kevin Kuske (l.) ging diesmal leer aus.
Bobs fahren der Konkurrenz hinterher
Als sichere Medaillenkandidaten galten in den vergangenen Jahren die deutschen Bobs. Für das entscheidende Tempo beim Start sorgten dabei oft "Anschieber" aus Potsdam. Allein Anschieber Kevin Kuske brachte es zwischen 2002 und 2010 auf vier olympische Goldmedaillen. Aus Sotschi kehrte Kuske und die beiden anderen Potsdamer Bobsportler ohne Medaille zurück.
Dass die Deutschen der Konkurrenz hinterherfuhren, lag am schlechten Material, also an schwerfälligen Bobschlitten, heißt es. Das mag ein Grund sein. Fakt ist aber auch: Andere Anschieber sind inzischen deutlich schneller, als Kuske und Co.
Die Olympiasportler aus Berlin und Brandenburg haben in Sotchi keine einzige Medaille geholt. Hoffnung hatten bis zuletzt die beiden Potsdamer Kevin Kuske und Christian Poser als Anschieber von Thomas Florschütz (Riesa) im Viererbob-Wettbewerb. Am Ende mussten sie sich mit Platz sieben zufrieden geben.
Auch für Christian Poser vom SC Potsdam, hier mit seinem Vereinskameraden Manuel Machata, lief es nicht gut. Dass die Deutschen der Konkurrenz hinterherfuhren, soll unter anderem am schlechten Material, also an schwerfälligen Bobschlitten gelegen haben.
Dritter im Bunde der Potsdamer Bob-Piloten war Jan-Martin Speer. Auch er ist als starker Anschieber bekannt. In Sotchi war er als Ersatzmann dabei. Doch nicht nur für die Potsdamer lief es nicht gut: Erstmals nach 50 Jahren kehren die Deutschen Bobsportler ohne Medaille heim.
Warum die Berliner Eisschnellläufr teils dramatisch scheiterten, darüber rätselt man seit Tagen auch am heimischen Olympiastützpunkt in Berlin-Hohenschönhausen. Was zum Beispiel lief schief bei Monique Angermüller, die über 1.500 Meter gerade mal auf Rang 24 kam und über 1.000 Meter stürzte?
Vergleichsweise am besten lief es bei den Olympischen Spielen noch für die älteste deutsche Sportlerin am Start: Claudia Pechstein.
Die fünfmalige Olympiasiegerin erlebte in Sotschi ihre sechsten Olympischen Spiele und wurde am Samstag 42 Jahre alt. Als Vierte über 3.000 Meter hatte sie nur knapp die Bronzemedaille verpasst.
Über die 5000 Meter wurde Pechstein immerhin fünfte und verkündete gleich nach dem Wettkampf trotzig: "Dann versuche ich es eben 2018 noch mal!"
Dass Bente Kraus in Sotschi starten würde, war lange nicht sicher. Im vergangenen Sommer verlor die Berlinerin ihren Vater. Er hatte sie seit dem sechsten Lebensjahr trainiert.
In Sotschi konnte die 24-jährige Bente Kraus für Deutschland zwar kein Edelmetall erringen. Über 3.000 Meter belegte die Berlinerin aber immerhin den elften Platz.
Nach ihrer Silbermedaille von Vancouver 2010 wollte Jenny Wolf in Sotschi noch einmal angreifen. Doch nach den beiden Läufen über 500 Meter landete die 35-jährige Berlinerin am Schluss nur auf dem sechsten Platz.
Damit ist die Eissprinterin bei den Olympischen Winterspielen im letzten großen Rennen ihrer Karriere abgehängt worden.
Olympia ohne Medaille: Für Samuel Schwarz endeten die Spiele in Sotschi ebenfalls eher enttäuschend. Über 500 Meter kam der Berliner nur auf Platz 34.
Über seine Paradestrecke, die 1000 Meter, reichte es trotz guter Leistung für Schwarz nur zu Platz 5. Dort konnten vor allem die Holländer wieder abräumen.
Auch die Eishockeyfrauen waren mit großen Erwartungen nach Sotschi gereist. Susann Götz leitete das Team als Kapitänin - hier in der Kabine mit Lisa Schuster und Nina Kamenik.
Am Ende durften sie stolz auf sich sein: Im Spiel um Platz 7 besiegten sie die Japanerinnen mit 3:2 und konnten jubeln.
In den Spielen gegen Russland und Schweden wäre ihnen um ein Haar die Sensation geglückt: Gegen die Russinnen hatte die Mannschaft 1:0 geführt, verlor dann allerdings 1:4. Und gegen Schweden lag die Mannschaft bis kurz vor Schluss lediglich 0:1 zurück und unterlag dann doch sehr deutlich mit 0:4.
Dass Eishockey-Frauen groß und kräftig sein müssen, verweist Nina Kamenik ins Land der Legenden. Frauen-Eishockey sei nicht so körperbetont, dafür aber technisch versiert, sagt die 160-fache Nationalspielerin.
Sie machte aus dem glatten Dutzend die glückliche Dreizehn: Eishockeyspierlin Lisa Schuster wurde zwei Tage vor dem offiziellen Beginn der Olympischen Winterspiele noch nachnominiert. Die 26 Jahre alte gebürtige Münchnerin spielt seit 2012 für die OSC Eisladys Berlin.
Peter Liebers vom SC Berlin, der viermalige Deutsche Meister, hat in jedem Fall die Herzen vieler Fans erobert - und sein Ziel für Olympia erreicht: eine Top-Ten-Platzierung.
Ein sehr guter achter Rang wurde es schließlich, für Liebers. Dabei hatte es nach einem tollen Kurzprogramm sogar nach einer Medaille ausgesehen.
Die beiden laufen erst seit zwei Jahren zusammen. Das sei im Eistanzen eine relativ kurze Zeit, heißt es von den heimischen Trainern. In ein oder zwei Jahren könnten Kolbe und Caruso mit den Besten mithalten.
Keine Medaillen für die deutschen Vierer in Sotschi - und ein handfester Skandal um Bob-Pilot Manuel Machata aus Potsdam. Machata, der in Sotschi nicht dabei war, hatte seine Kufen, eine Eigenanfertigung, an den späteren Olympiasieger Alexander Subkow weitergegeben. Die deutschen Bobs fuhren ...