Jörg Thadeusz im Auto
Bild: rbb

Wie sich Jörg Thadeusz auf seine Aufgabe vorbereitet - Erfrischender Perspektivwechsel

Herr Thadeusz, warum befragen Sie die Politiker vor der Bundestagswahl in einem Auto statt wie sonst in einem Fernsehstudio?

Erstens erfrischen Perspektivwechsel den Geist. Und zweitens hat ein Gespräch in einem Auto immer eine besondere Atmosphäre. Es entsteht zwangsläufig irgendeine Variante von Zweisamkeit. Steigen Sie mal zu jemandem ins Auto und versuchen sich nicht zu unterhalten. Selbstverständlich, ich habe auch schon von älteren Ehepaaren gehört, die derart zerstritten sind, dass sie auf mehrstündigen Autofahrten nicht miteinander sprechen. Sollte sowas passieren, wären wir im Bereich des experimentellen Fernsehens.

Wer wird in der ersten Ausgabe "Fahrbereitschaft" neben Ihnen sitzen?

Ich freue mich auf die Fahrt mit Katrin Göring-Eckardt.

Geht das - aufmerksam fahren und gleichzeitig interessant fragen?

Ich habe nicht den Eindruck, dass mich das überfordern wird.

Halten Sie sich für einen guten Autofahrer?

Ich zitiere Dustin Hoffman als Raymond Babbitt in 'Rain Man': "Ich bin ein ausgezeichneter Fahrer." Die Verkehrsbehörden haben das zwischenzeitlich schon anders gesehen. Was mich mit den allermeisten anderen Autofahrern verbindet: Schuld sind immer die anderen. Und ich benutze hinter dem Steuer Kraftausdrücke, von denen ich nicht wusste, dass ich sie kannte. Von meinem Stiefvater Rudi habe ich in diesem Zusammenhang "Du Ochsenfrosch" gelernt. Der ist mein Autofahrervorbild. Besonnen, ruhig, wie man einen Fernsehsessel durch die Gegend fahren würde, so.

Nur grenznah oder hatten Sie auch schon einmal einen Unfall?

Ja, auch das hat es schon gegeben, aber immer mit glimpflichem Ausgang. Und wie gesagt: Schuld hatten immer die anderen ...

Welche Erfahrung bringen Sie als Chauffeur mit?

Einige. Ich war beispielsweise eine Zeit lang Rettungssanitäter. Damals musste ich sogar eine Prüfung für einen sogenannten Personenbeförderungsschein ablegen. Allerdings wurde ein Großteil unserer damaligen 'Passagiere' liegend transportiert. Für die "Fahrbereitschaft" würde ich mir wünschen, dass meine Gäste sitzen.

Ein guter Chauffeur, so heißt es, schweige sich über das, was auf der Rückbank geschieht, aus. Das dürfte in einer Fernsehsendung schwierig werden, oder?

Ja, genau. Deshalb bitte ich die Damen und Herren ausnahmsweise auch auf den Beifahrersitz. So haben diese auch die Möglichkeit, mir ins Lenkrad zu greifen, falls Ihnen Fahr- oder Fragestil nicht gefallen.

Als Fahrer benötigen Sie eine gute Ortskenntnis. Bereiten Sie sich auf die Routen mit den Politikern vor?

Ich entwickle in diesem Zusammenhang einen überflüssigen Ehrgeiz. Merke mir immer, wenn Taxifahrer Wege fahren, die kein Navi kennt. Ansonsten verhalte ich mich wie alle männlichen Orientierungswunder. Sollte ich mich verfahren, ist es ein ungerechtes Schicksal, nicht mein Versagen. Ich spreche dann mit mir: Hier war gestern garantiert noch die Rückseite der Charité. Die wollen mich fertigmachen, die Ochsenfrösche.