Sonnenuntergang in Teheran; Quelle: Ingo Aurich

Etappe 2, Teil 1 - Teheran - Mary (25.09.-03.10.12)

Von Iran nach Usbekistan. Noch immer lässt sich die bedeutendste Handelsstraße von einst erkennen: die Seidenstraße, die schon vor Jahrhunderten Asien mit Europa verband.

Fotoshooting einer jungen iranische Modedesignerin; Quelle: Ingo Aurich
Fotoshooting über den Dächern von Teheran
Dienstag, 25. September 2012 - Teheran ist ein Moloch. 12 Millionen Einwohner. Und alle fahren gleichzeitig mit dem Auto.

Verstopfte Straßen. Hubkonzerte. Smog. Und trotzdem funktioniert die Stadt Tag für Tag. Das Erziehungsministerium hat uns im Hotel Laleh, einem großen Konferenzhotel untergebracht. Es verströmt realsozialistischen Charme.

Am Morgen wollen wir Stadtimpressionen drehen. Doch Teheran macht es uns nicht leicht. Optisch ist die iranische Hauptstadt nicht gut einzufangen. Wir halten am "kleinen Bazar", dann fahren wir an der ehemaligen US-Botschaft vorbei.

Ein Schauplatz der Geschichte: 444 Tage lang hielten Anhänger des Revolutionsführers Ayatollah Khomeini 1979-81 das Gebäude besetzt, um die Auslieferung des gestürzten Schahs zu erreichen. Seitdem gilt das Verhältnis zwischen den USA und dem Iran als höchst gespannt.

Vor dem Bazar dreht Thomas eine große Gruppe Männer. Sie feilschen und wedeln mit Geldscheinen. Das ist die Börse der Schwarzhändler. Hier werden die immer wertloseren iranischen Geldscheine gegen Dollar oder Euro getauscht. Der Verfall der iranischen Währung ist dramatisch, der offizielle Geldfluss durch die Sanktionen des Westens gestoppt.

Am Nachmittag können wir im wahrsten Sinne des Wortes durchatmen: Wir sind eingeladen, auf dem Dach eines Hochhauses im Norden von Teheran ein Foto-Shooting zu drehen. Naghmeh Kiumarsi ist eine erfolgreiche, junge Modedesignerin.

Ihr Rezept: Sie kombiniert edle Stoffe und Formen mit den islamischen Bekleidungsvorschriften. Das Verhüllungsgebot für Frauen interpretiert sie höchst gekonnt. Sie geht an die Grenzen dessen, was die strengen Sittenwächter vorgeben. Die beiden Models posieren elegant vor der Kamera. Der Fotograf berichtet, sie seien fast die einzigen, die man in Teheran bekommen könne.

Nach mehr als drei Wochen in islamisch geprägten Ländern genießen wir den Anblick der beiden Schönheiten. Im Stadtbild haben wir nur verschleierte Frauen gesehen. Lediglich ein schwacher Trost ist ein islamisches Sprichwort: Schleier und Gewand dienten allein dem einen Zweck, die Schönheit der Frauen zu schützen. So wie eine Muschel die Perle.
Blick vom Milad-Tower über Teheran
Mittwoch, 26. September 2012 - Wir wollen uns endlich einen Überblick verschaffen über die 12-Millionen-Metropole. Das Team fährt deshalb hinauf auf den Milad-Tower, einen der höchsten Fernsehtürme der Welt.

Heute ist die Stadt sogar in ihrer ganzen Ausbreitung zu sehen, der Smog hält sich in Grenzen. Danach Dreh in der U-Bahn, die ein städteplanerischer Versuch ist, das Verkehrschaos zu reduzieren. Vergeblich.

Am Nachmittag dann ein lustiger Dreh: Wir wollen den abenteuerlichen Fahrstil der Teheraner irgendwie in Szene setzen. Natalie nimmt vor dem Hotel Kontakt zum Auto einer Fahrschule auf.

Darin: zwei Frauen. Fahrlehrerin und Fahrschülerin. Beide natürlich verschleiert. Wir dürfen zusteigen. Es wird eine Fahrstunde der besonderen Art. Und eine mit Folgen....

Am Abend ist unser Begleiter vom Erziehungsministerium in heller Aufregung. Der Geheimdienst hat sich beim Ministerium gemeldet. Ein Fernsehteam habe in unmittelbarer Nähe der Atomenergiebehörde gedreht. Dies sei strengstens verboten.

Die Erklärung: Bei der kleinen Spritztour mit der Fahrschule sind wir ganz ahnungslos an dem militärisch bewachten Gelände vorbeigefahren. Unsere Kameras waren sofort registriert worden. Offenbar kann unser Begleiter aber den Geheimdienst davon überzeugen, dass es sich um ein Versehen handelte und unsere Absichten friedlich sind. Hoffentlich bleibt der Vorfall ohne Folgen....
Besuch des iranischen Fussballspiels Persepolis gegen Aluminium Hormozgan
27. September 2012 - Heute ist drehfrei. Das Team kann ein wenig entspannen. Ich fahre ins Studio des türkischen Fernsehsenders TRT, um von dort aus per Telefon für Inforadio vom rbb von unserer Reise zu berichten.

Mittagessen mit einem iranischen Kollegen, der für ausländische Sender aus Teheran berichtet. Was die Zukunft angeht, ist er äußerst pessimistisch: Es werde zum Krieg kommen.

Beide Seiten, der Westen auf der einen und der Iran auf der anderen Seite, hätten sich im Atomstreit in eine Sackgasse manövriert. Ein Funke werde reichen, das Pulverfass zur Explosion zu bringen. Und obwohl niemand wirklich einen Krieg wolle, werde das ständige Säbelrasseln mit Israel unweigerlich zur Konfrontation führen.

Beim Abschiedsessen fragt Natalie den Restaurantbesitzer, wie die Geschäfte laufen. Der Mann runzelt die Stirn: Er habe heute eine Lieferung Fisch bekommen.
Die Ware sei doppelt so teuer wie in der Woche davor. Er wisse nicht mehr, wie er die rapiden Preissteigerungen auffangen solle.

Bei der Fahrt durch die Stadt sehen wir ein junges Mädchen auf einem Fahrrad. Der iranische Kollege klärt uns auf: Bis vor kurzem war Frauen und Mädchen das Fahrradfahren aus sittlichen Gründen verboten. Erst vor einigen Wochen habe die Stadtverwaltung das Verbot gelockert.

In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten mache die Regierung Zugeständnisse, um den Frust in der Bevölkerung nicht noch zu steigern.
Presserummel um den Vereinspräsidenten von Persepolis Teheran nach dem Spiel gegen Aluminium Hormozgan
Am Abend ein weiterer Höhepunkt: Die Jungs hatten den Wunsch geäußert, in Teheran ein Fußballspiel schauen zu können. Unser Wunsch ist dem Ministerium Befehl. 

Wir sind eingeladen zum Erstliga-Spiel Persepolis Teheran gegen Aluminium Hormozgan. Es gibt nur einen Haken: Das Match findet im riesigen Stadion von Teheran ohne Publikum statt! Es fasst ansonsten 100.000 Zuschauer!

Wegen Ausschreitungen von Fans ist Persepolis bestraft worden und muss sein Heimspiel nun vor leeren Rängen austragen. Leer - bis auf ein paar Ersatzspieler, die Vereinsvorsitzenden, ein paar Soldaten und Security-Leute sowie das Team vom rbb. Für uns wird es ein denkwürdiges Spiel. Persepolis gewinnt 1:0.

Nach der Partie dürfen wir sogar noch mit dem mächtigen Vereinspräsidenten des staatseigenen Clubs sprechen. Wir überreichen ihm ein Fernost-T-Shirt. Unser Begleiter vom Ministerium freut sich sichtlich. Er hat uns einen höchst unterhaltsamen Abend bereitet. Fußball ist völkerverbindend.
28. September 2012 - Unser letzter Tag in Teheran. Wir drehen noch einmal mit Naghmeh Kiumarsi, der Modedesignerin. Zuerst auf einem wunderbar bunten und lebendigen Flohmarkt, am Nachmittag dann mit ihren Freundinnen in einem bekannten Ausflugslokal am Fuß der Berge.

Dazwischen besuchen wir Mohammad Reza Mozaffarian. Den berühmtesten Juwelier des Iran. Seit sechs Generationen stellen die Mozaffarians kostbaren Schmuck her und verkaufen ihn zu Höchstpreisen.

Vater und Großvater waren zudem Hofjuweliere und haben für den Schah und die kaiserliche Gemahlin Diademe, Colliers und Brillantringe gefertigt - und sogar die Kronjuwelen. Berühmt ist der Juwelier vor allem für seinen Türkisschmuck. 

Früher hatte die Familie im Osten des Iran bei Neyshabour eine eigene Miene. Die Pacht ging in der Revolution allerdings verloren. Neishabour wollen wir auf unserem weiteren Weg besuchen.
Mozaffarians kostbarstes Stück ist ein kunstvoll gearbeiteter Tischaufsatz aus Silber und unzähligen Türkisen. Es zeigt den Hofstaat eines blau leuchtenden Pfaus. Der Pfau war das Symboltier des Shahs von Persien.

Abends sind wir beim Presseattaché der deutschen Botschaft zu einer Party eingeladen: Diplomaten, Künstler, Intellektuelle. Die Feste Teherans ohne Sittenpolizei sind berüchtigt....
Das Viadukt von Veresk; Quelle: Ingo Aurich
Das Viadukt von Veresk
29. September 2012 - Heute verlassen wir Teheran. Allerdings drei Stunden später als geplant. Wir müssen der Party vom Vortag Tribut zollen.

Es folgt ein unspektakulärer Fahrtag. Die Nordroute Richtung Mashhad führt durch das Alborz-Gebirge am berühmten Damavand vorbei, dem höchsten Berg des Iran.

Auf halber Strecke überqueren wir einen Pass - parallel zu einer Eisenbahnstrecke, die sich in unzähligen Windungen durch die Berge quält. Auf dem höchsten Punkt zwischen zwei Felsmassiven müssen die Züge in schwindelerregender Höhe eine Brücke überqueren.

Das berühmte Viadukt von Veresk wurde in den 30er Jahren von einem österreichischen Ingenieur entworfen. Als der 200 Meter hohe Brückenbau mit den riesigen Rundbögen fertig gestellt war, befahl der Schah, der Architekt solle sich zur Einweihung unter die Brückenpfeiler stellen, wenn der erste Zug kommt. Die Brücke hielt - bis heute.

Wir fahren das Gebirge hinab bis fast zum Kaspischen Meer. In den Tälern bauen die Bewohner vor allem Reis an.

Am Abend erreicht Natalie eine SMS. Ein iranischer Freund schreibt ihr: "Die Israelis haben die Atomanlage Bushehr angegriffen!" Einige bange Augenblicke. Natalie ruft den Freund an. Der lacht am anderen Ende: "War doch nur ein Scherz!" Wir können nicht so richtig lachen....
Fahrt nach Mashhad; Quelle Ingo Aurich
Auf der Fahrt nach Mashhad
30. September 2012 - Wir haben in Gorgan übernachtet, einer Stadt am Kaspischen Meer. Die Fahrt geht weiter die Küste entlang durch die Provinz Golestan, das Meer kommt aber nicht in Sichtweite. Die Hänge der Berge sind hier dicht bewaldet, für die Iraner, die sonst nur eher karge Landschaften kennen, ein Wunder der Natur.

Wir erleben einige schöne Situationen am Straßenrand: turkmenische Tuch-Händlerinnen, Linsenpflückerinnen auf dem Feld, einen alten Mann auf dem Esel, einen anderen, der mit zwei Schafen auf den Bus wartet. Und dann ein herrlicher Sonnenuntergang in den Bergen....

Als wir am Abend Mashhad erreichen, ist die Stadt mit Lichterketten und Leucht-Plakaten festlich geschmückt. Einige Tage zuvor war der Geburtstag des achten Imam Reza, der hier begraben liegt und von den Schiiten verehrt wird. Mashhad ist die wichtigste Pilgerstätte des Iran.

Jedes Jahr kommen Millionen von gläubigen Schiiten aus vielen islamischen Ländern, um am Grab des verehrten Imam zu beten. Zwölf Imame zählen die Schiiten insgesamt. Sie glauben, dass nur Blutsverwandte die Nachfolge des Propheten Mohammed antreten durften.

Alles begann mit Ali, der ermordet wurde, so wie viele seiner Nachfolger. Diese Tat führte zur Spaltung des Islam in zwei Hauptgruppen, die Sunniten und die Schiiten. Seit dem Verschwinden des zwölften Imam warten die Schiiten auf dessen Rückkehr.
Juwelier Mohammad Reza Mozaffarian und sein Großvater; Quelle Ingo Aurich
Juwelier Mohammad Reza, rechts,mit unserem iranischen Fahrer Eddy
1. Oktober 2012 - Wir haben in Mashhad Station gemacht.

Am Morgen fahren wir nach Neyshabour rund 150 Kilometer entfernt. Irgendwo dort in den Bergen befinden sich die berühmten Türkis-Minen. Seit alters her kommen die besten Türkise aus Persien.

Schon vor mehr als 3000 Jahren wurden bei Neyshabour die blaugrünen Edelsteine zutage befördert. Der Beweis ist eine ägyptische Skulptur, die mit Türkisen aus dieser Gegend verziert wurde.

Mohammad Reza Mozaffarian, der Juwelier aus Teheran, ist kurzentschlossen aus der Hauptstadt mit uns gekommen. Er will unbedingt den Ort besuchen, den er nur aus den Erzählungen seines Großvaters kennt.

Der Hofjuwelier hatte zu Zeiten des Schah die Schürfrechte für die Mine von Neyshabour gepachtet. Von hier bezogen die Mozaffarians den besten Türkis für ihren Schmuck. In der islamischen Revolution wurde die Familie weitgehend enteignet. Viele Familienmitglieder verließen das Land. "Ich habe mich entschieden zu bleiben, weil ich mein Land liebe!", sagt Mohammad.

Ich unterhalte mich mit ihm stundenlang über die Geschichte des Iran, die islamische Revolution und die politische Situation heute. Am Ende schaut der freundlich-sanfte Juwelier traurig und sagt: "Wenn irgendwann Bomben auf den Iran fallen, möchte ich, dass ihr wisst, dass die Iraner eigentlich ein friedliebendes, freundliches Volk sind."
Türkismine in der Nähe von Neyshabour; Quelle: Ingo Aurich
Türkismine in der Nähe von Neyshabour
Die Mine liegt versteckt in den Bergen nahe dem Dorf Firooze. Der Schwiegersohn des Pächters bringt uns hin. Ein paar Gebäude und Baracken am Hang, eine kleine Lorenbahn und ein Loch in den Felsen.

Mit dem Vorarbeiter betreten wir das Tunnelsystem, das die Minenarbeiter über die Jahrhunderte in den Berg getrieben haben. In kleinen Höhlen und Ausbuchtungen sprengen die Männer Gesteinsbrocken ab und suchen im Abbruch nach den funkelnden Edelsteinen. Aus Neyshabour kommt der hochwertigste Türkis weltweit. In anderen Ländern werden die Steine gefärbt, hier leuchten sie von Natur aus bläulich-grün.

Auf der Rückfahrt telefoniert Mohammad unentwegt. Der Grund: Seine Cousins und andere Juweliere in Teheran schließen ihre Geschäfte. Der Rial, die iranische Währung, stürzt ins Bodenlose.

Wer ein Schmuckstück verkauft, bekommt dafür Papiergeld, das am nächsten Tag nur noch die Hälfte wert ist. "Wenn wir Bazaris keinen Handel mehr treiben können, ist es mit dem Land vorbei!", sagt Mohammad.
In Mashhad; Qielle: Ingo Aurich
In Mashhad
2. Oktober 2012 - Dieser Tag wird unsere größte journalistische Niederlage bislang und eine Lektion in Sachen Pressefreiheit im Gottesstaat Iran. Wir wollen den Ort zeigen, weswegen jedes Jahr Millionen gläubiger Moslems nach Mashhad kommen: das Grab des achten Imam Reza. Wir haben unseren Dreh zwar beim Ershad-Ministerium angemeldet und auch eine Genehmigung erhalten, aber die Sicherheitskräfte vor Ort sehen die Sache anders. Ständig tauchen unfreundliche Polizisten oder Security-Leute auf, um uns am Drehen zu hindern.

Die Pilgerstätte liegt mitten in der Stadt: eine riesige Anlage von Moscheen, Minaretten, Plätzen, Säulengängen, Brunnen, Gebetsräumen und Koranschulen. Ihr Name: Haram - die verbotene Stadt. Und im Herzen: die Grabstätte des achten Imam, der "Heilige Schrein". Mit der Kamera dürfen wir uns den Toren der Anlage nicht nähern. Grimmig schauende Ordner vertreiben uns mit eindeutigen Gesten und bunten Staubwedeln. Wir bekommen nicht mal die Genehmigung, vom Dach eines nahegelegenen Hotels zu drehen. Die Ordnungshüter ignorieren einfach die Drehgenehmigung des Ministeriums. Hier gelten andere Gesetze und zwar die der mächtigen Koranschulen und religiösen Stiftungen.

Natalie und ich beschließen, im Innern der verbotenen Stadt nach Verantwortlichen zu suchen. Nach mehreren Sicherheitskontrollen (Abgabe von Funkgerät und Ipad) dürfen wir in die Anlage. Der Anblick ist atemberaubend. Über die Jahrhunderte haben islamische Baumeister und Künstler ein einzigartiges Ensemble von sakralen Bauwerken geschaffen. Die Wände und Mauern zumeist blau leuchtend gefliest, die Türme und Kuppeln vielfach vergoldet.

Ein englisch sprechender Guide bringt uns zur Anlaufstelle für Pressevertreter und westliche Touristen. In einem großen Gebetsraum hinter einem Schreibtisch sitzt ein junger Geistlicher und telefoniert. Seyed Achmad Nabawi ist Chef der internationalen Abteilung und - kommt aus Deutschland. Der junge Mullah ist in Hamburg aufgewachsen. Als er 14 war, entschied sich seine aus Persien stammende Familie, in den Iran zurückzukehren. Und er entschloss sich, Geistlicher zu werden. "In Deutschland habe ich immer nur Schlechtes über den Islam gehört, ich wollte der Religion auf den Grund gehen, deshalb habe ich hier in Mashhad den Koran studiert und bin Mullah geworden."

Der Geistliche verspricht, bei den Verantwortlichen ein gutes Wort für uns einzulegen. Wir dürfen zwar nicht in der verbotenen Stadt drehen, immerhin gibt es uns aber nach dem Abendgebet auf dem Hoteldach ein Interview, erklärt die Bedeutung des Heiligen Schreins für die Schiiten und wirbt um Verständnis dafür, dass wir als Fernsehteam aus dem Westen diesen Ort nicht filmen durften. Am Ende spricht er für uns sogar noch ein Gebet.
Übernachtung in einer Karawanserei; Quelle: Ingo Aurich
Übernachtung in der alten Karawanserei Robat-e Sharif
3. Oktober 2012 - Unser letzter Tag im Iran. Bathaei, unser iranischer Begleiter in Diensten des Erziehungsministeriums, ist sichtlich erleichtert, dass er uns ohne größere Konflikte durch das Land gelotst hat. Sieht man vom versehentlichen Dreh der Atomenergiebehörde in Teheran ab, so sind wir auch nicht auf Abwege geraten und waren insgesamt sicher ein eher pflegeleichtes Team.

Am Abend zuvor hat uns Mohammad Reza, der Juwelier aus Teheran, zu einem Abschiedsessen eingeladen. Bei dieser Gelegenheit habe ich das erste Mal länger mit Bathaei gesprochen und ihn gefragt, ob wir bei unserer Reise ein angemessenes Bild des Iran gewonnen hätten.

Der Mann vom Ministerium antwortet diplomatisch: Die meisten westlichen Journalisten würden vor allem mit den wohlhabenden und gebildeten Intellektuellen und Geschäftsleuten reden. Diese seien meistens regierungskritisch eingestellt. Doch das ganz normale Volk sei sehr religiös und sehe durchaus, was die islamische Revolution gebracht habe. Trotz der wirtschaftlichen Krise im Moment gehe es den meisten Menschen besser als früher.

Wir verlassen Mashhad, die Stadt des achten Imam, Richtung turkmenischer Grenze. Am späten Nachmittag erreichen wir abseits der Hauptstrasse in einem flachen Wüstental Robat-e Sharif, die Ruine einer alten Karawanserei. Auf dem Weg von Merw, der legendären Stadt im Land Margiana, nach Neyshabour machten die Karawanen hier Rast.

Die rechteckige Anlage mit den Ziegelmauern, Lehmwänden und kleinen Zinnen ist noch relativ gut erhalten. Im Abendrot fahren wir mit den Wagen durch das verzierte Haupttor in den Innenhof hinein. Wie einst die Kaufleute und Kameltreiber, so werden wir die Nacht unter dem sternenklaren Wüstenhimmel verbringen.

Johannes Unger

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