
Reisetagebuch Etappe 10, Teil 1 - Busan - Kyoto (21-30.03.13)
Von koreanischer Sentimentalität, Underground-Strassenkünstlern und japanischem und koreanischem Kampfsport. Wir besuchen Atombomben-Memorials und Zen-Buddhisten.
Autor: Ansgar Frerich; Bilder: Ingo Aurich

Donnerstag, den 21. März 2013 - Der große Containerhafen und Umschlagplatz Asiens. Busan. Einstmals Brückenkopf und letzte Bastion der Südkoreaner zur Rückeroberung des Stammlandes mit großer Hilfe der Amerikaner und der UN.
Busan heute zeigt sich uns als weltoffene, Kultur schaffende und komplett verbaute Küstenmetropole mit enormem Charme.
Unser Hotel finden wir zwischen kleinen und großen Hügeln und Hochhäusern am „Malibu Beach“ von Busan: Gwangalli. Eine Bucht, die zur Komplettierung ihrer Romantik mit einer doppelstöckigen Autobahnbrücke, wie eine Zahnklammer, den urbanen Blick aufs Meer gerade rückt.
Die Koreaner präsentieren sich uns als ein sehr offenes Volk mit hervorragender Küche und einem gesunden Hang zu sentimentalen Momenten. So kam es vor, dass sich ein älterer Koreaner zu uns an den Strand gesellte, den Blick über das Meer schweifen ließ und seine Interpretation des Casablanca Klassikers „As Time Goes By“ für uns sang. Ein Moment auf den man an der hanseatischen Ostseeküste wohl vergeblich warten würde.
Busan heute zeigt sich uns als weltoffene, Kultur schaffende und komplett verbaute Küstenmetropole mit enormem Charme.
Unser Hotel finden wir zwischen kleinen und großen Hügeln und Hochhäusern am „Malibu Beach“ von Busan: Gwangalli. Eine Bucht, die zur Komplettierung ihrer Romantik mit einer doppelstöckigen Autobahnbrücke, wie eine Zahnklammer, den urbanen Blick aufs Meer gerade rückt.
Die Koreaner präsentieren sich uns als ein sehr offenes Volk mit hervorragender Küche und einem gesunden Hang zu sentimentalen Momenten. So kam es vor, dass sich ein älterer Koreaner zu uns an den Strand gesellte, den Blick über das Meer schweifen ließ und seine Interpretation des Casablanca Klassikers „As Time Goes By“ für uns sang. Ein Moment auf den man an der hanseatischen Ostseeküste wohl vergeblich warten würde.

Freitag, den 22. März 2013 - Wir treffen uns mit (Untergrund-) Künstlern von Busan. Unter Ihnen Kay2, seines Zeichens „Streetartist“, Graffiti-Künstler oder „Writer“ wie es im Fachjargon heißt. Dieser erzählt uns von den Möglichkeiten, die dieses Land seiner Jugend bietet, aber auch von den Einschränkungen und Engstirnigkeiten der hiesigen Politik. So scheinen sich doch alle Länder irgendwo zu ähneln. Doch er berichtete uns auch von einer Bewegung, die in Busan einen Ort gefunden hat, um von dort aus ihr Lebenszentrum nicht auf das Geldverdienen, sondern auf andere Werte auszurichten.

AGIT ist ein Zusammenschluss vieler Künstler aller Couleur, die Festivals, Performances und Demonstrationen organisieren. Der Zusammenschluss zeigt sich uns als ein starkes Rückrad der alternativ Denkenden dieser Stadt. Am Abend feiern sie eine kleine Party mit Livemusik in ihrem Garten zwischen den Hochhäusern der Stadt. Die Nacht wird lang und wir finden uns im „Almost Famous, einer Disco im Studentenviertel der Stadt wieder. Es wird getanzt und weitergefeiert bis zum frühen Morgen... Auch eine Art der Völkerverständigung.

Samstag, den 23. März 2013 - Unser freier Tag. Das Frühstück lassen wir auf Grund der vorangegangenen Nacht ausfallen. Nach spätem Mittagessen und Sortierung der privaten Sachen machen wir uns auf, uns einem großen Hobby der Koreaner hinzugeben: Golf. Ab auf die Driving Range. 2 Stunden und über 500 Abschläge später kommen wir mit Blasen an den Händen zurück ins Hotel. Den Rest des Tages verbringen wir mit Essen, durch die Stadt laufen und Heimatkontakten.

Sonntag, den 24. März 2013 -
Morgens geht es gleich zum Friedhof der Gefallenen des Koreakriegs, einem UN-Denkmal. Eigentlich fahren wir nur dorthin, um Bilder für die Kommentarerzählung über diese finstere Zeit des Landes zu schießen.
Wir treffen aber hier neben unzähligen freiwilligen Helfern auf das allmorgendliche Militärballett, welches die UN-Fahne in akurat ausgeführten Bewegungen hisst. Eine exakt ausgeübte Zeremonie der Soldaten, die den letzten Ruheort bewachen.
Der Direktor des UN-Denkmals erzählt uns über die vielen Besucher und Hinterbliebenen für die dieser Ort ein wichtiger Platz für das Gedenken an die Narben dieses Krieges ist. Auch für die permanente Bedrohung durch den Norden, die in vielen Gesprächen, die wir führten, seinen Platz fand. Der Bruderkrieg, der in diesen Tag wieder erschreckende Aktualität erhält.
Mit diesen Bildern verlassen wir Busan und gehen an Bord der Fähre nach Japan.
Morgens geht es gleich zum Friedhof der Gefallenen des Koreakriegs, einem UN-Denkmal. Eigentlich fahren wir nur dorthin, um Bilder für die Kommentarerzählung über diese finstere Zeit des Landes zu schießen.
Wir treffen aber hier neben unzähligen freiwilligen Helfern auf das allmorgendliche Militärballett, welches die UN-Fahne in akurat ausgeführten Bewegungen hisst. Eine exakt ausgeübte Zeremonie der Soldaten, die den letzten Ruheort bewachen.
Der Direktor des UN-Denkmals erzählt uns über die vielen Besucher und Hinterbliebenen für die dieser Ort ein wichtiger Platz für das Gedenken an die Narben dieses Krieges ist. Auch für die permanente Bedrohung durch den Norden, die in vielen Gesprächen, die wir führten, seinen Platz fand. Der Bruderkrieg, der in diesen Tag wieder erschreckende Aktualität erhält.
Mit diesen Bildern verlassen wir Busan und gehen an Bord der Fähre nach Japan.

Montag, den 25. März 2013 - Angekommen in Fukuoka, Japan, geht es erstmal zum Zoll. Unsere letzte Grenzabfertigung und wie fast immer dauert es länger als gedacht. Während die Einen in der Ankunftshalle warten, müssen unsere Fahrer Greg und Ingo das Equipment verzollen, die Fahrzeuge anmelden und ihren Führerschein offiziell abgestempelt übersetzten lassen. Kein Wunder, dass man sagt, das Japan Deutschland am nächsten kommt. Mit einem halben Tag Verspätung geht es dann weiter Richtung Hagi. Die kleine Hafenstadt ist die vom Krieg verschonte Samurai-Hochburg an der Westküste Japans.

Dienstag, den 26. März 2013 - Die Häuser der Innenstadt Hagis sind fast komplett originalgetreu instand gehalten worden. In den Gassen zwischen den geschwungenen Dächern, treffen wir auf zwei Vollzeit-Samurai. Ihre Aufgabe ist es, neben dem Erschrecken von Touristen, die Traditionen nicht nur jenen näher zu bringen, die aus der Ferne kommen, sondern auch den Schulkindern und Bürgern der Stadt ritterliches Verhalten vorzuleben. So weißt Koike-San, der Senior-Samurai, erst einmal ein paar ahnungslosen Pennälern an, uns den Samurai-Knigge zu zitieren. Sie parieren, wie nicht anders zu erwarten, artig.

Auch wenn unsere beiden Protagonisten ja keine „echten“ Samurai sind, merken wir recht schnell, dass sie das Ganze nicht nur als „Show“ betrachten, sondern auch außerhalb ihres Jobs die alt hergebrachte Disziplin hochhalten. Koike-San erzählt uns stolz von der Herkunft seiner Familie, denn er stammt aus einer alten japanischen Piraten-Dynastie.

Er nimmt uns mit in eine Kendo-Schule, in der nicht nur der Kampfsport, sondern auch der Bushido-Codex gelehrt wird.

Mittwoch, den 27. März 2013 - Diese schweren Zeiten sind auch erst einmal das Thema unserer nächsten Station. Hiroshima. Ein Begriff, eine Stadt bei der wir alle grausame Bilder vor unseren Augen sehen. Wir fahren zum „Peace Memorial Park“, Denkmal und Begegnungsstätte für einen der bisher schlimmsten Augenblicke der Menschheitsgeschichte.
Am „Atomic Bomb Dome“, dem durch den Angriff zerstörten und verwelkten Gebäude, wird das Herz schwer. Für uns ein Ort, an dem man die finstere Geschichte spürt, die tiefe Trauer die sich über diesen Ort legt. Ein Mahnmal gegen den mechanisierten und anonymisierten Krieg der Massenvernichtungswaffen. Ein Moment, der uns alle Inne halten lässt.
Am „Atomic Bomb Dome“, dem durch den Angriff zerstörten und verwelkten Gebäude, wird das Herz schwer. Für uns ein Ort, an dem man die finstere Geschichte spürt, die tiefe Trauer die sich über diesen Ort legt. Ein Mahnmal gegen den mechanisierten und anonymisierten Krieg der Massenvernichtungswaffen. Ein Moment, der uns alle Inne halten lässt.

Gleich im Park nebenan treffen wir auf eine Überlebende, die uns von ihren Erinnerungen erzählt. Von den Schuldgefühlen der Bewohner danach, vom Verdrängen und Verschweigen. Und von dem Tag an dem der Deutsche Robert Jungk sie dazu anhielt, nicht mehr zu schweigen, sondern zu reden, um ihren Teil zu einer nuklearfreien Welt beizutragen.
Seitdem erzählt sie, als eine der wenigen Englisch sprechenden Zeitzeugen, über das Geschehene. Die Botschaft, die sie der nächsten Generation mitgeben will:
Egal, ob du Brot backst, Haare schneidest oder Musik machst. Jeder kann mit seinem Talent in kleines Bisschen zu einer besseren Welt beitragen.
Seitdem erzählt sie, als eine der wenigen Englisch sprechenden Zeitzeugen, über das Geschehene. Die Botschaft, die sie der nächsten Generation mitgeben will:
Egal, ob du Brot backst, Haare schneidest oder Musik machst. Jeder kann mit seinem Talent in kleines Bisschen zu einer besseren Welt beitragen.

Donnerstag, den 28. März 2013 - Nach der gestrigen sehr beeindruckenden Begegnung mit der Generation der Zeitzeugen wollen wir nun wissen, wie die nächste Generation mit den Erbe dieser Stadt umgeht. Unser Local Producer Tamio berichtete uns, dass Hiroshima in der heutigen Zeit bekannt für seine Musikszene ist. So machen wir uns auf und treffen uns mit Reggae Musikern, Jazzern, Hardcore-Rockern, Visual-Bands und einer Girl Band. Sie zeigen uns das neue Bild der Stadt.

Auf die Frage, wie sie die Geschichte ihrer Stadt mit ihrem Leben in selbiger verbinden sagen sie: “Während unsere Eltern und Großeltern sich für die Geschichte schämten, sind wir in der Stadt groß geworden, die wie keine Andere für den Frieden stehen soll. Diese Botschaft wollen wir auch mit unserer Musik in die Welt tragen!“
So fahren wir am Abend mit den positiven Eindruck dieser hoffnungsvollen Begegnungen von Hiroshima in Richtung Antaiji, einem Zen –Kloster in den Bergen bei Hamasaka.
So fahren wir am Abend mit den positiven Eindruck dieser hoffnungsvollen Begegnungen von Hiroshima in Richtung Antaiji, einem Zen –Kloster in den Bergen bei Hamasaka.

Freitag, den 29. März 2013 - Da wir unseren Weg ausgiebig mit der Kamera dokumentieren wollen, teilen wir uns die Strecke nach Hamasaka in zwei Fahrtage auf. Entlang der Küste drehen wir Fahraufnahmen an wunderschönen Buchten, beeindruckenden Hügellandschaften und der allgegenwärtigen Kirschblüte. Ein ruhiges, undigitales und nicht blinkendes Japan. Atemberaubend schön.

Am Abend erreichen wir nach einem abenteuerlichen Schlamm-Serpentinen-Zubringer das Kloster Antaiji im Dunkeln. Freundlich empfangen fallen wir müde in unser Bettenlager im unbeheizten Gästetrakt des Klosters. Sehr eng beieinander.

Samstag, den 30. März 2013 - Durchgefroren und müde sitzen wir um 6 Uhr im Essensraum des Klosters Antaiji. Um uns starten die Mönche und Nonnen schon ihren wöchentlichen Hausputz. Putzmunter, denn sie haben ihre geistliche Arbeit für den Tag schon verrichtet. Um 3 Uhr startet der Tag bei den Zen-buddhistischen Klosterbewohnern mit den Exerzizien, dem „Sitzen“, wie sie sagen.

Bei dem Zen-Buddhismus, den wir hier antreffen, findet der Praktizierende seinen Weg zur Einheit von Körper und Geist durch einfaches Sitzen. Minimum 3 Stunden, manchmal auch 15 Stunden am Tag. Kein großartiges Beten, Rezitieren oder „Om“. Einfach sitzen. Im Schneidersitz. „Die reinigenden Gedanken kommen dann schon von selbst“, meint der Zen Abt Muho Nölke „Man muss nur lang genug sitzen“. Einer der wenigen fremdländischen Abte in Japan. Er leitet das Kloster nun schon seit fast 10 Jahren und ist in seinem Internat in Braunschweig in einer Zen-Meditations-AG auf die Lebensart dieser Religionsgemeinschaft gestoßen. Nach einem Japanologie-Studium war er zunächst viele Jahre einfacher Mönch und wurde dann von seinem damaligen Abt als Nachfolger bestimmt.
Neben den japanischen Mönchen und Nonnen, denn dieses Kloster ist gemischt, gibt es auch viele internationale Bewohner. Aufmerksam werden diese häufig durch die gute Vernetzung der Zen-Anhänger im Internet. Zwischen 3 Tagen und Lebenslang ist die Verweildauer der Gläubigen. Sie alle haben eines gemein: die Suche nach dem Grund des Lebens und die nach einer Alternative zu den Werten der Gesellschaft außerhalb der Klostermauern.
Dies scheint erstmal etwas theoretisch, doch gefunden wird diese Lebensform in der handfesten Arbeit eines Selbstversorger-Hauses. Vom Reis sähen bis zum Holz schlagen wird alles selbst gemacht. Durch die Höhenlage des Klosters muss der Vorrat für den Winter gut erwirtschaftet und gespeichert sein, denn mitunter kommt es vor, dass das Kloster 4 Meter bis zum zweiten Geschoss für Monate eingeschneit ist. „Dann ist es hier wie im Iglu“ sagt der Abt und lacht.
Dies scheint erstmal etwas theoretisch, doch gefunden wird diese Lebensform in der handfesten Arbeit eines Selbstversorger-Hauses. Vom Reis sähen bis zum Holz schlagen wird alles selbst gemacht. Durch die Höhenlage des Klosters muss der Vorrat für den Winter gut erwirtschaftet und gespeichert sein, denn mitunter kommt es vor, dass das Kloster 4 Meter bis zum zweiten Geschoss für Monate eingeschneit ist. „Dann ist es hier wie im Iglu“ sagt der Abt und lacht.

Mit dem traurigen Gefühl, doch gerne etwas länger geblieben sein zu wollen, aber auch mit dem unbedingten Drang nach einem warmen Bad und Bett, ruft uns die Straße. Weiter nach Kyoto, unserem nächsten Stopp.
Ansgar Frerich
Ansgar Frerich

Kendo wurde in Japan an vielen Schulen als Fach installiert. Einerseits als Sport und Tradition-Wahrung, andererseits sicher auch als Verankerung des Bushido-Codex bei den Kindern und Jugendlichen, der das japanische Volk über schwere Zeiten hinweggeholfen hat.


