Ankunft im subtropischen Gebiet; Quelle: Ingo Aurich
Ankunft im subtropischen Gebiet

Reisetagebuch Etappe 4, Teil 2 - Linxia - Lashio (16.-26.11.12)

Von Drehverboten, insbesondere wenn es um Tibet geht, von Ohrenschmerzen und einem Krankenhausbesuch und einem Volk, bei dem ausschließlich Frauen das Sagen haben.

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Traumhafter Blick auf den Luguhu; Quelle: Ingo Aurich
Traumhafter Blick auf den Luguhu
Mittwoch bis Freitag, den 21.11.2012 - 23.11.2012 - Heute morgen ist es am Lugu-See um diese Jahreszeit empfindlich kühl. Die Hotelzimmer sind für gewöhnlich nicht geheizt, denn schließlich ist es die meiste Zeit des Jahres warm. Die chinesischen Touristen sind hart im Nehmen.

Die kleinen Bistros weit offen, wärmen sich ihre Besucher ihre klammen Finger über Kohlefeuerstellen. Ein bißchen erinnert es an die Berliner, die fest an den Frühling glauben und bei eisiger Kälte die ersten Sonnenstrahlen draußen vor den Restaurants genießen.
Blick von Dalis Stadtmauer aus; Quelle: Ingo Aurich
Blick von Dalis Stadtmauer aus
Wir freuen uns auf das etwas wärmere Dali, eine Tagesreise vom Lugu-See entfernt. Dali liegt in Yunnan, zwischen den Bergen und dem Erhai- See und empfängt uns mit sonnigen zwanzig Grad. In der Altstadt haben sich offenbar ganze Dynastien von Souvenir-Händlern angesiedelt. Laute Rufe, Stimmen, das Klappern von Spielzeug schwirren in der Luft. Von der Stadtmauer haben wir einen tollen Blick auf dIe Menschenströme zwischen den traditionell gebauten, meist zweistöckigen Häusern mit dem Charme der Geschichte.
Souvenierhändler in Dali
Souvenierhändler in Dali
Das moderne Zentrum auf der anderen Seite der Stadt ist aufwändig und sehr schön renoviert worden, in den großzügig geplanten Straßenzügen herumzuschlendern, macht Spaß. In einer der Seitenstraßen schießt ein Junge auf seinem Skateboard hinter einem Auto hervor, nach ihm noch zwei - dann rasen sie in einen kleinen Laden.
Im Skaterladen in Dali; Quelle: Ingo Aurich
Im Skaterladen in Dali
"Skate, Tattoo&Rock" ist offenbar der Treffpunkt für alle, die sich auf den Brettern bewegen. Hinter der Theke: Yong Zhi Cheng, 26 Jahre, der alles über die Szene in Dali weiß. Er lädt uns für morgen ein, da wären viele von seinen Freunden da, wir würden staunen.
Skater in Dali; Quelle: Ingo Aurich
Skater in Dali
Am nächsten Tag stehen 10 Skater im Laden und warten auf uns. Dann rollen sie durch die Stadt auf einen großen Sportplatz. Zwei- bis dreimal in der Woche treffen sie sich. "Skaten ist unser Leben" erzählt uns ein großer schlaksiger Junge mit Brille.

Er ist 19, die Eltern wollen eigentlich, dass er Maschinenbau studiert, aber das interessiert ihn nicht. Am liebsten würde er sich selbständig machen, sein eigener Herr sein - mit einem Laden für Skaterbedarf. Der Jüngste ist ein kleiner zierlicher, 14jähriger Junge, der uns durch seine tollkühnen Sprünge von den Treppen auffällt.
Fingerboarding in Dali; Quelle: Ingo Aurich
Fingerboarding in Dali
Am Nachmittag trifft sich die Gruppe wieder bei Yong Zhi Ching zu scharfen Nudeln und zum Fingerboardspielen. Im hinteren Raum wird jemand tätowiert - die Vorlagen haben sie von einer deutschen Website.

Für Yong Zhi Cheng ist auch das - so wie das Skaten - Ausdruck von Selbstbewusstsein, sich nichts vorschreiben lassen wollen.
Neueröffnung eines Clubs; Quelle: Ingo Aurich
Neueröffnung eines Clubs in Dali
Am Abend sollen wir mitkommen zur Eröffnung eines neuen Restaurants. Auf einem Hinterhof dröhnen die Beats, wir müssen zwei, drei Begrüßungsschnäpse trinken. Einige grell geschminkte Mädchen spielen Billard, vor dem DJ bewegen sich kleine Gruppen träge zur Musik. Für uns ein heiterer, überraschender Abend.
Abends in Dali; Quelle: Ingo Aurich
Abends in Dali
Am nächsten Tag versucht Thomas, die Atmosphäre von Dali mit der Kamera einzufangen. Hier lebt übrigens die ethnische Minderheit der Bai, die gerade fünf Feiertage vor sich hat. Vielleicht wirkt auch deshalb alles ein wenig entspannt.
Sinnvolle Staunutzung; Quelle: Ingo Aurich
Sinnvolle Staunutzung
Samstag bis Sonntag, den 24.11.2012 - 25.11.2012 - Heute kommen wir der Grenze von Myanmar etwas näher. Wir verlassen Dali, das uns so bezaubert hat und fahren weiter nach Ruili, der Grenzstadt zu Myanmar.
Wir geraten gleich nach unserem Start in einen Riesen-Stau, der uns gut 4 Stunden Fahrtzeit kostet. Zum Glück ist es frühlingswarm und Kameramann Thomas nutzt die Gelegenheit, seine frisch gewaschenen Socken zu trocknen. Eva Kemme wärmt sich auf dem Dach unseres Vans.
Nächtliche Ankunft in Ruili; Quelle: Ingo Aurich
Nächtliche Ankunft in Ruili
Wir kommen erst in der Dunkelheit an und suchen noch schnell eine Möglichkeit zum Abendessen in einem der vielen Restaurants. Große Einkaufsstraßen, alles sehr sauber und eher gemächlich. Die Stadt wirkt entspannt. Allerdings soll sich Ruili mit dem Abbau der Handelsschranken zwischen Myanmar und China sehr verändert haben.

Bordelle, Spielcasinos und Nachtclubs entstanden, Drogen kamen trotz drastischer Strafen in Umlauf. Von all dem bemerken wir an diesem einen Abend nichts.
Stein mit Jade; Quelle: Ingo Aurich
Stein mit Jade
Während wir Tee schlürfen, erzählt der Wirt des kleinen Restaurants, dass wir uns unbedingt einen der Steinmärkte ansehen sollen. Zur Bekräftigung schickt er seine Frau nach Hause, sie soll uns einen grandiosen Einkauf zeigen. Sie kommt wieder mit einem Beutel voller Jade.

Die beiden hatten im vergangenen Jahr einen großen, ungeschliffenen Stein gekauft - eine Art Glücksspiel. Man lässt den Stein aufschneiden - und dann kann es sein, dass sich innen jede Menge Halbedelsteine befinden.
Grenzstadt Ruili; Quelle: Ingo Aurich
Grenzstadt Ruili
Am nächsten Tag finden wir dann in der Stadt einen dieser Märkte. Hin und her werden die Steine bewegt, die Händler leuchten mit Taschenlampen von außen, um potentielle Käufer anzulocken. Am begehrtesten sind Achat und grüne Jade.
Die kann man auch zehn Minuten von Ruili entfernt auf dem Freihandelsmarkt eines kleinen Dorfes kaufen. Mitten durch das Dorf geht die Grenze. Burmesen und Chinesen, die in dem Dorf leben, können ohne weiteres die Seiten wechseln und einkaufen. Das gilt für uns leider nicht.

Abschiedsknall in China; Quelle: Ingo Aurich
Abschiedknall in China
Montag, den 26.11.2012 - Unsere letzten Stunden während dieser Etappe in China. Heute fahren wir nach Myanmar weiter, in ein Land, das noch bis vor kurzem von einer Militärdiktatur geprägt war. Wir kommen in eine Zeit des Wandels und der Öffnung, sind neugierig und gespannt.
Abschiedsfoto China-Team; Quelle: Ingo Aurich
Abschiedsfoto China-Team
Langsam fahren wir auf den in Tempelform gestalteten Grenzübergang in Ruili zu. Unsere Zeit in China war nicht einfach, aber wir hatten gute Begegnungen und haben tolle Leute kennengelernt. Wir verabschieden uns von unserer deutsch-chinesischen Crew - von Xu Susheng, dem chinesischen Begleiter - von Dr. Jürgen Hafemann, unserem China-Spezialisten, der uns viele Türen öffnete - von Yin Zhi Hong, dem stets gut gelaunten unermüdlichen Fahrer und von Olivia, unserer Dolmetscherin.
Historischer Moment: Einreise in Myanmar im eigenen Auto; Quelle: Ingo Aurich
Historischer Moment: Einreise in Myanmar im eigenen Auto
Währen der Abfertigung stehen wir zwischen riesigen Trucks, die Myanmar beliefern. Bier, Haushaltwaren, Autoersatzteile, Textilien - 85 Prozent aller Waren bekommt das Nachbarland aus China. Dann rollen wir durch auf die andere Seite. In Myanmar erwartet uns Shin Daewe, eine Dokumentarfilmerin. Sie hat unsere Reise vorbereitet und wird uns gemeinsam mit Officer Han Lin Aung vom Informationsministerium durch Myanmar begleiten.

Bei der Einreise in Myanmar dreht und wendet der diensthabende Offizier unsere Einreisepapiere. Er sieht Shin Daewe an und murmelt dabei: "Es ist unglaublich, unglaublich. Sind die wirklich echt?" Shin Daewe muss die Papiere per Fax aus Yangon bestätigen lassen. Nach einer halben Stunde ist die Antwort da und wir können ins Land fahren. Damit sind Ingo und Gregor seit 20 Jahren die ersten Europäer, die hinter dem Steuer ihres Wagens ins Land einreisen. Ein unbeschreibliches Gefühl!

Wir fahren nach Lashio, um dort zu übernachten. Unterwegs überall staunende und winkende Menschen. Lashio ist nur 190 km entfernt, aber wir brauchen auf den schmalen, holperigen Gebirgsstraßen sechs Stunden. Abends sitzen wir in der feuchtwarmen tropischen Luft in einer kleinen Garküche und freuen uns, dass wir da sind.
Manuela Jödicke
Eva Kemme

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