Angkor Wat aus der Luft; Quelle: Ingo Aurich
Angkor Wat aus der Luft

Reisetagebuch Etappe 6, Teil 2 - Siem Reap - Ho-Chi-Minh-Stadt (14.-26.01.13)

Wir genießen das ländliche Siem Reap, lernen das „Markt-Leben“ auf dem Mekong kennen und besuchen in Vietnam den größten Cao-Dai-Tempel weltweit.

Seite 2 von 2

Sonntag, den 20.01.2013 - Heute ist ein freier Tag. In Tay Ninh suchen wir Entspannung, gelingen wird uns das vor allem mit der vietnamesischen Küche. In kleinen überdachten Restaurants gibt es alles, was das Herz begehrt: Von einer Suppe mit Enteneiern bis zu panierten Froschschenkeln, alles ist lecker und bekömmlich...
Gottesdienst im Cao Dai-Tempel; Quelle: Ingo Aurich
Gottesdienst im Cao-Dai-Tempel
Montag, den 21.01.2013 - Wenn die Mittagssonne im Zenit steht, beginnt der beeindruckende Gottesdienst im Cao-Dai-Tempel.
Hunderte, in weißen Kutten und Gewändern gekleidete Gläubige, erweisen ihren Heiligen die Ehre. In dem reich verzierten kirchenartigen Tempelbau eine geradezu unheimliche Zeremonie. Nicht viel erinnert an Gottesdienste der bekannten Weltreligionen, dort wo bei den Christen der Altar ist, wacht ein im Durchmesser vielleicht zehn Meter großes Auge aus Marmor über die Gläubigen. Cao Dai ist eine recht neue Religionsgemeinschaft; zu den Heiligen gehören zum Beispiel auch Victor Hugo und Isaac Newton!
Wir begegnen einem "Caodisten" der schon viele Jahrzehnte im Tempel lebt. Er erzählt uns über die Anziehungskraft seiner Kirche.

Am Nachmittag machen wir Drehpause, zwar ist die Hitze seit dem ersten Tag unser Begleiter, aber mit über 35 Grad brennt die Sonne heute besonders heiß. Bevor die Kameras anfangen zu glühen, suchen wir Schutz in einem der vielen schattigen Freiluftrestaurants.
Die Tunnel von Cu-Chi; Quelle: Ingo Aurich
Die Tunnel von Cu-Chi
Dienstag, den 22.01.2013 - Wir machen uns auf den Weg in Richtung Saigon bzw. Ho-Chi-Minh City, wie die Stadt seit der Wiedervereinigung von Nord- und Südvietnam heißt. Unsere Begleiterinnen sagen uns jedoch, dass beide Bezeichnungen möglich sind, niemand fühle sich verletzt, wenn man "Saigon" sagt.
Unterwegs stoppen wir bei den berühmten "Cu-Chi-Tunneln".
Während des Krieges gab es allein hier ein 200 Kilometer langes Tunnelsystem, in dem sich die nordvietnamesischen Kämpfer und ihre Anhänger versteckten. Ganze Dorfgemeinschaften lebten unter der Erde, es gab Krankenhäuser, Schulen, Waffenfabriken.

Was früher ein Hauptschauplatz im Vietnamkrieg war, ist heute Touristenattraktion. Mit einst erbeuteten amerikanischen M16-Sturmgewehren kann man z.B. für einen halben Dollar herum schießen. Die scharfe Munition ist auch noch von damals. Jeden Tag wird hier von früh bis spät gefeuert, aber die Vorräte scheinen unerschöpflich...
Am Abend erreichen wir Ho-Chi-Minh City. Der Ballungsraum für 8 Millionen Menschen begrüßt uns mit rekordverdächtigen Mopedgeschwadern. Es ist Rush-Hour und gefühlte zehntausende Mopeds und Motorroller bevölkern die Straßen. In jeder Richtung dichte Schwärme soweit das Auge reicht. Aber alles gleitet irgendwie dahin, auch dann, wenn sich zwei dicke Mopedströme gerade kreuzen...
Saigon-Skyline; Quelle: Ingo Aurich
Saigon-Skyline
Mittwoch, den 23.01.2013 - Heute drehen wir den ganzen Tag in der Stadt. Unsere Begleiterinnen erzählen uns, dass die Stadt in den letzten Jahren förmlich "explodiert" sei. Die Bevölkerungszahl wächst exponential, Saigon ist Boomtown. Die Mittel- und Oberschicht wächst entsprechend mit und so sieht das Stadtzentrum heute so wie fast überall in den Metropolen der Welt aus: Shoppingcenter an Shoppingcenter, samt sämtlicher Edelmarken von Chanel bis Prada. Coffeeshops sind auch zahlreich vertreten; im Februar eröffnet die erste Starbucks-Filiale.

Dennoch hat sich Ho-Chi-Minh City einen einzigartigen Charme bewahrt. Die Menschen leben quasi auf den Straßen, Garküche reiht sich an Garküche, überall wird gehandelt, getan und gebaut.
Und egal wo, überall begegnet einem Freundlichkeit. Am Abend drehen wir in einem Club, wo junge Menschen Swing tanzen. Die vor allem amerikanische Musik begeistert die jungen Südvietnamesen; gerade wird für ein nationales Swingfestival trainiert.
Schwerreiche Geschäftsfrau Mai Thanh in Saigon; Quelle: Ingo Aurich
Schwerreiche Geschäftsfrau Mai Thanh in Saigon
Donnerstag, den 24.01.2013 - Der ganze Tag ist für eine Geschichte über eine der erfolgreichsten Vietnamesinnen reserviert. Mai Thanh ist heute über Sechzig, sie war im Vietnamkrieg Sanitäterin und hat in der DDR Kühlmaschinenbau studiert.
Heute steht sie einem Milliarden-Imperium vor, einem Mischkonzern, der auf dem Immobilien- und Finanzmarkt und im Energiesektor tätig ist. Mai Thanh ist Powerfrau und hat die Männerwelt fest im Griff.

Bei allem Erfolg im modernen Business hat sich nicht vergessen, wo sie einst hergekommen ist. Das Trauma des Krieges sitzt tief, nichts ist ihr heute wichtiger, als ein Land im Frieden. Den jungen Menschen will sie vor allem das mitgeben, dass es wichtigeres gibt als materiellen Reichtum.
Wir begleiten Mai Thanh in ihrer Limousine zum Airport, den nächsten Termin hat sie am Abend in der Hauptstadt Hanoi...
Skyline von Ho-Chi-Minh-Stadt mit Saigon-Fluss; Quelle: Ingo Aurich
Skyline von Ho-Chi-Minh-Stadt mit Saigon-Fluss
Freitag, den 25.01.2013 - Heute sind wir wieder den ganzen Tag in der City. Wir lernen das Backpackerviertel kennen, wer jung ist und vom Meer kommt oder dorthin will, macht hier Station.
Nachdem wir die Khaosan Road in Bangkok und das quirlige Siem Reap in Kambodscha kennengelernt haben, müssen wir resümieren: Auch der eigentlich ganz und gar individuell sein wollende Backpackertourismus hat sich globalisiert, diese Art von Vierteln scheint komplett austauschbar.
Ho-Chi-Minh-Stadt im Berufsverkehr; Quelle: Ingo Aurich
Letzter Eindruck dieser Etappe: Ho-Chi-Minh-Stadt im Berufsverkehr
Samstag, den 26.01.2013 - Heute ist ein freier Tag, unser Team hat mitten in der Stadt ein Fußballfeld ausfindig gemacht. Das fernOST-Team kickt gegen sich und gegen die Sonne, bei tropischen 33 Grad ist der tägliche Schweißzoll schnell erfüllt.
Am Abend holen wir unseren Autoren und Regisseur der nächsten beiden Folgen von fernOST vom Flughafen ab. Christian Klemke übernimmt ab morgen das Zepter, viel Erfolg ihm und dem gesamten Team!!!
Autor: Jens Stubenrauch

Bildergalerie