
Reisetagebuch Etappe 9, Teil 1 - Peking - Seoul (03.-12.03.13)
Wir besuchen ein mandschurisches Dorf, "besteigen" die chinesische Mauer und setzen mit einer Fähre nach Südkorea über.

Sonntag und Montag, den 03.03.2013 - 04.03.2013 - Wir verlassen Peking.
Wieder liegt trotz Sonnenschein und wolkenlosem Himmel Smog über der Stadt, wie so oft in diesem Winter. Wir nehmen die Autobahn Richtung Shenyang. Der Asian Highway No. 1 führt in die 700 Kilometer entfernte Stadt Shenyang im Nordosten Chinas. Hunderte von Kilometern verfolgt uns der gelbgraue Nebel und Gestank. Rechts und links der Autobahn nichts als ausgebeutete Landschaft, flach und öde, Industrie dicht an dicht. Es ist das größte Wirtschaftszentrum des Landes. "Rostige Erde" so hieß dieser Landstrich auch wegen der Immissionen der hier ansässigen Schwerindustrie, der Ruhrpott Chinas, die ehemalige Mandschurei, Ort der Verbannung.
Wieder liegt trotz Sonnenschein und wolkenlosem Himmel Smog über der Stadt, wie so oft in diesem Winter. Wir nehmen die Autobahn Richtung Shenyang. Der Asian Highway No. 1 führt in die 700 Kilometer entfernte Stadt Shenyang im Nordosten Chinas. Hunderte von Kilometern verfolgt uns der gelbgraue Nebel und Gestank. Rechts und links der Autobahn nichts als ausgebeutete Landschaft, flach und öde, Industrie dicht an dicht. Es ist das größte Wirtschaftszentrum des Landes. "Rostige Erde" so hieß dieser Landstrich auch wegen der Immissionen der hier ansässigen Schwerindustrie, der Ruhrpott Chinas, die ehemalige Mandschurei, Ort der Verbannung.

Doch wir wollen etwas Großartiges drehen, auf das wir uns freuen: zwischen Peking und Shenyang verläuft die Große Mauer. Hier endete das chinesische Reich, das sich mit dem gigantischen Bauwerk gegen die Übergriffe aus dem Norden und Osten schützen wollte. Gegen die Mandschu, ein kämpferisches Reitervolk, Meister im Bogenschießen. Sie überwanden jedoch 1644 diese Mauer und nahmen Peking ein.

Wir sind im Ort Shanhaiguan. Hier verläuft die Mauer bis zum Meer. Der Wall ist hier beeindruckend hoch und gut erhalten. Wir wollen filmen, von unten kein Problem. Natürlich möchte unser Kameramann Thomas hinauf, um die pittoresken Gassen dahinter und den Verlauf des Bauwerks zu zeigen. Da gibt es ein Problem: zwar gibt es an dieser Stelle einen Aufgang, mit Drehkreuzen gesichert und einen Ticketschalter mit einer resoluten Chefin, aber keine Tickets, und ohne Tickets kommen wir nicht hinauf.
Alles Verhandeln nutzt da nichts, auch nicht, dass uns der hohe Herr Xu aus dem Kulturministerium begleitet, der sich in die Bresche wirft. Der gute Herr Xu schnappt sich ein Fahrrad und muss ein paar Kilometer zum Touristeneingang fahren. Mit drei Tickets kommt er zurück. Nun darf das Team hinauf, den Sandmann haben die Jungs dann mit nach oben geschmuggelt. Dass er auch noch Eintritt zahlt, sahen wir nicht ein.
Dann drehen wir die Mauer noch weiter im Landesinneren. Ein unglaubliches Bauwerk. Es ist schon spät am Nachmittag, als wir uns weiter auf die Autobahn nach Shenyang begeben. Gut 400 Kilometer liegen noch vor uns, bei einem gefährlich dichten Verkehr mit abenteuerlich beladenen LKW und ebensolcher Fahrweise heißt es aufmerksam sein. Ein großes Lob an unsere coolen Fahrer Ingo und Gregor!
Alles Verhandeln nutzt da nichts, auch nicht, dass uns der hohe Herr Xu aus dem Kulturministerium begleitet, der sich in die Bresche wirft. Der gute Herr Xu schnappt sich ein Fahrrad und muss ein paar Kilometer zum Touristeneingang fahren. Mit drei Tickets kommt er zurück. Nun darf das Team hinauf, den Sandmann haben die Jungs dann mit nach oben geschmuggelt. Dass er auch noch Eintritt zahlt, sahen wir nicht ein.
Dann drehen wir die Mauer noch weiter im Landesinneren. Ein unglaubliches Bauwerk. Es ist schon spät am Nachmittag, als wir uns weiter auf die Autobahn nach Shenyang begeben. Gut 400 Kilometer liegen noch vor uns, bei einem gefährlich dichten Verkehr mit abenteuerlich beladenen LKW und ebensolcher Fahrweise heißt es aufmerksam sein. Ein großes Lob an unsere coolen Fahrer Ingo und Gregor!

Als wir gegen 22.00 Uhr die Einflugschneise am Stadtrand von Shenyang erreichen, versagen unsere Navis bei der Adresse unseres Hotels. Da trifft es sich gut, dass an eben jener Stelle Fremdenführer winken. Wir nehmen einen von ihnen mit und machen noch eine gute halbe Stunde Stadtrundfahrt, ehe wir kurz vor 23.00 Uhr endlich unser Hotel erreicht haben. Ob dieser Guide sich in seiner Stadt so gut auskennt, wie die Taxifahrer in New York, oder ob unser Ziel zu nah war, das können wir zu so später Stunde nicht mehr mit Bestimmtheit sagen.

Wir freuen uns auf Shenyang, das ehemalige Mukden, die alte Hauptstadt der Mandschurei. Legendär als Schmuggelhochburg in alten Abenteuerromanen und durch die Schlacht von Mukden 1905 im japanisch-russischen Krieg, den die Japaner gewannen. Eine Niederlage, die die Russen bis heute nicht verwunden haben.
Am nächsten Tag besuchen wir den Kaiserpalast in Shenyang, der auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes steht. Ja, ein Kaiserpalast und eine Verbotene Stadt wie in Peking, nicht so bombastisch, nur 1/12tel der Fläche, aber wunderschön und eigenartig gestaltet - im mandschurischen Stil. Die vielen verschachtelten Dächer, bunt bemalten Holzbalken und glasierten Figuren leuchten herrlich. Wir haben Glück, die Sonne scheint, auch wenn es kalt ist, im tiefen Winter bis -40 Grad.
Am nächsten Tag besuchen wir den Kaiserpalast in Shenyang, der auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes steht. Ja, ein Kaiserpalast und eine Verbotene Stadt wie in Peking, nicht so bombastisch, nur 1/12tel der Fläche, aber wunderschön und eigenartig gestaltet - im mandschurischen Stil. Die vielen verschachtelten Dächer, bunt bemalten Holzbalken und glasierten Figuren leuchten herrlich. Wir haben Glück, die Sonne scheint, auch wenn es kalt ist, im tiefen Winter bis -40 Grad.

Hier treffen wir Prof. Yue Tong, Experte für die Geschichte der Mandschuren und selbstbewusster Mandschure. Dieses naturverbundene ehemalige Nomadenvolk, das von der Jagd lebte, begründete die Qing-Dynastie und stellte 16 Kaiser. Es war die Blütezeit des alten China, bevor sie von der Revolution 1911 hinweggefegt wurden.
In der Provinz Liaoning leben heute noch über 10 Millionen Mandschuren. Seit 1980 hat die chinesische Regierung der zweitgrößten ethnischen Minderheit mehr Autonomie in den Kreisen zugestanden. So können sie ihre eigene Kultur und Identität lebendig halten.
Nach diesem interessanten Gespräch verabschieden wir uns aus dem Kaiserpalast und wenden uns dem modernen Wandel in der Hauptstadt der Provinz Liaoning mit 8 Millionen Einwohnern zu. Ein ständiges Hupen und Durcheinander braust durch die Straßen. Unterschiedlichste Fassaden, grelle Leuchtreklamen, und ja, auch Bausünden, abgerockte Wohnviertel und Industriebrachen, aber am Flussufer sind viele Baukräne zu sehen. Hier entsteht ein modernes Downtown-Viertel mit glitzernden Hochhäusern.
Shenyang hat sich auf die Fahnen geschrieben, eine Green-City zu werden. Stadtparks werden angelegt, um die Stadtluft zu verbessern, die Industrie stößt nicht mehr so viele Schadstoffe ungefiltert aus wie in den 50er und 60er Jahren, aber es wird noch ein langer Weg, bis der Himmel über Nordostchina blau ist.
In der Provinz Liaoning leben heute noch über 10 Millionen Mandschuren. Seit 1980 hat die chinesische Regierung der zweitgrößten ethnischen Minderheit mehr Autonomie in den Kreisen zugestanden. So können sie ihre eigene Kultur und Identität lebendig halten.
Nach diesem interessanten Gespräch verabschieden wir uns aus dem Kaiserpalast und wenden uns dem modernen Wandel in der Hauptstadt der Provinz Liaoning mit 8 Millionen Einwohnern zu. Ein ständiges Hupen und Durcheinander braust durch die Straßen. Unterschiedlichste Fassaden, grelle Leuchtreklamen, und ja, auch Bausünden, abgerockte Wohnviertel und Industriebrachen, aber am Flussufer sind viele Baukräne zu sehen. Hier entsteht ein modernes Downtown-Viertel mit glitzernden Hochhäusern.
Shenyang hat sich auf die Fahnen geschrieben, eine Green-City zu werden. Stadtparks werden angelegt, um die Stadtluft zu verbessern, die Industrie stößt nicht mehr so viele Schadstoffe ungefiltert aus wie in den 50er und 60er Jahren, aber es wird noch ein langer Weg, bis der Himmel über Nordostchina blau ist.

Dienstag bis Donnerstag, den 05.03.2013 - 07.03.2013 - Wir fahren von Shenyang auf die Autobahn nach Dandong, die letzte chinesische Stadt an der Grenze, knapp 300 Kilometer weiter östlich. Der Asian Highway No. 1 ist hier gut ausgebaut und beschildert. Die Landschaft wird bergiger und die Schrift entlang der Straße zweisprachig - chinesisch und koreanisch.

Dandong, mit ca. 2,5 Millionen Einwohnern eine ziemlich kleine chinesische Stadt, hat vor allem eins zu bieten - den Blick nach Nordkorea.
Das zieht Touristengruppen an und die entsprechenden Souvenirs nach sich.
Viele der Händler entlang der Uferpromenade sind mit großem Mundschutz und Mützen vermummt und verschwinden schnell, wenn wir mit der großen Kamera auftauchen. Sie sind illegal und haben nordkoreanische Zigaretten und Geldscheine mit den Konterfeis der geliebten Führer im Angebot. Kim Il Sung, Kim Jong Il, und auch der neue Herrscher Kim Jong Un ist schon auf Anstecknadeln verewigt. Andere Stände bieten billige Kopien traditioneller koreanischer Kleider an, in denen man für ein Foto posieren kann.
Das Geschäft mit den Ausflugsschiffen auf dem Yalu, durch den die Grenze unsichtbar verläuft, ist zu dieser Jahreszeit noch nicht so schwunghaft.
Was ist auf der anderen Uferseite zu sehen? Keine Grenzanlagen, kein Militär. Ein paar Häuser, Industrieanlagen und, irgendwie rührend, ein Riesenrad.
Es ist die nordkoreanische Grenzstadt Sinuiju. Beide Städte sind durch eine Eisenbahnbrücke verbunden, die auch mit Autos befahren werden kann, wenn man ein Einreisevisum für Nordkorea hat: Die chinesisch-koreanische Freundschaftsbrücke.
Gleich daneben ragt noch eine Brücke zur Hälfte in den Fluss. Sie ist als Mahnmal stehen gelassen worden: the yalu river broken bridge, die zu Beginn des Koreakriegs 1950 durch amerikanische Bomben zerstört wurde. Aus einem Lautsprecher ertönt in einer Endlosschleife Arirang, das Sehnsuchtslied aller Koreaner.
Das zieht Touristengruppen an und die entsprechenden Souvenirs nach sich.
Viele der Händler entlang der Uferpromenade sind mit großem Mundschutz und Mützen vermummt und verschwinden schnell, wenn wir mit der großen Kamera auftauchen. Sie sind illegal und haben nordkoreanische Zigaretten und Geldscheine mit den Konterfeis der geliebten Führer im Angebot. Kim Il Sung, Kim Jong Il, und auch der neue Herrscher Kim Jong Un ist schon auf Anstecknadeln verewigt. Andere Stände bieten billige Kopien traditioneller koreanischer Kleider an, in denen man für ein Foto posieren kann.
Das Geschäft mit den Ausflugsschiffen auf dem Yalu, durch den die Grenze unsichtbar verläuft, ist zu dieser Jahreszeit noch nicht so schwunghaft.
Was ist auf der anderen Uferseite zu sehen? Keine Grenzanlagen, kein Militär. Ein paar Häuser, Industrieanlagen und, irgendwie rührend, ein Riesenrad.
Es ist die nordkoreanische Grenzstadt Sinuiju. Beide Städte sind durch eine Eisenbahnbrücke verbunden, die auch mit Autos befahren werden kann, wenn man ein Einreisevisum für Nordkorea hat: Die chinesisch-koreanische Freundschaftsbrücke.
Gleich daneben ragt noch eine Brücke zur Hälfte in den Fluss. Sie ist als Mahnmal stehen gelassen worden: the yalu river broken bridge, die zu Beginn des Koreakriegs 1950 durch amerikanische Bomben zerstört wurde. Aus einem Lautsprecher ertönt in einer Endlosschleife Arirang, das Sehnsuchtslied aller Koreaner.

Wir fahren wir noch zu einem anderen Aussichtspunkt außerhalb von Dandong, der allerdings erklommen werden muss. Es ist der östlichste Punkt der chinesischen Mauer. Hier schlängelt sie sich auf einen hohen Berg und endet dort. Unsere Jungs sind begeistert, schultern sich das schwere Gerät auf und steigen viele steile Stufen hinauf. Von oben sieht man den Yalu in seinem Flussbett und ein ländliches, harmloses Ufer, Nordkorea. Es scheint nicht unmöglich, den Fluss zu überwinden, und wenigen gelingt es, trotz Niemandsland, Grenzpatrouillen auf beiden Seiten, Überwachungskameras und Zäunen im Hinterland.
Die meisten Flüchtlinge aber haben eine jahrelange Odyssee mit gefälschten Pässen durch Drittländer hinter sich, wenn sie Südkorea erreichen.
Am Abend liegt die koreanische Seite im Dunkeln. Dandong illuminiert seine Uferpromenade umso farbenfroher, die Bäume und Hochhäuser; auch die Freundschaftsbrücke ist mit wechselnden Lichtspielen versehen. Doch das Verhältnis zwischen China und Nordkorea ist angespannt wie nie zuvor. Erstmals will China sich im UNO Sicherheitsrat auf die Seite der Amerikaner stellen und schärfere Sanktionen fordern. Die Spannung spüren wir auch hier.
Die meisten Flüchtlinge aber haben eine jahrelange Odyssee mit gefälschten Pässen durch Drittländer hinter sich, wenn sie Südkorea erreichen.
Am Abend liegt die koreanische Seite im Dunkeln. Dandong illuminiert seine Uferpromenade umso farbenfroher, die Bäume und Hochhäuser; auch die Freundschaftsbrücke ist mit wechselnden Lichtspielen versehen. Doch das Verhältnis zwischen China und Nordkorea ist angespannt wie nie zuvor. Erstmals will China sich im UNO Sicherheitsrat auf die Seite der Amerikaner stellen und schärfere Sanktionen fordern. Die Spannung spüren wir auch hier.

Der nächste Tag steht ganz im Zeichen unserer Weiterreise. Denn der Atombombentest der Nordkoreaner hat auch unsere ursprüngliche Reiseplanung zunichte gemacht. Ein halbes Jahr lang lag unser Einreisegesuch in Pjöngjang und Berlin, die Chancen standen gut. Auch Nordkorea nimmt an der Asian-Highway-Initiative teil. Der AH 1 führt auf dem Papier von hier nach Pjöngjang und theoretisch weiter bis nach Seoul. Doch nun endet unsere Fahrt auf dem Highway in Dandong. Kurz vor dem Atomtest lies man uns aus Nordkorea wissen, dass unsere Einreise im März leider doch nicht möglich sei.
Seit einigen Wochen hat unser Producer Jürgen daher bereits mit den chinesischen und koreanischen Behörden, mit Zoll und Speditionen verhandelt und eine absolute Ausnahmegenehmigung für das Fernost-Team erreicht: Maggie und Vasco dürfen mit auf die Fähre und wir können nun unsere Reise von Dandong nach Südkorea in den Hafen Incheon fortsetzen.
Seit einigen Wochen hat unser Producer Jürgen daher bereits mit den chinesischen und koreanischen Behörden, mit Zoll und Speditionen verhandelt und eine absolute Ausnahmegenehmigung für das Fernost-Team erreicht: Maggie und Vasco dürfen mit auf die Fähre und wir können nun unsere Reise von Dandong nach Südkorea in den Hafen Incheon fortsetzen.

Früh am morgen fahren wir auf das Hafengelände, dort heißt es vier Stunden warten, in denen viel telefoniert wird. Doch dann läuft alles ab wie am Schnürchen. Ingo und Gregor dürfen selbst die Autos auf die Fähre fahren und zwischen zahlreichen Containern abstellen. Thomas kann die Aktion filmen. Das will schon etwas heißen in diesem Land. Dann werden wir an hunderten wartenden Passagieren vorbei über den Diplomatengang zur Passkontrolle geschleust. Hier müssen wir uns nun verabschieden von unserer reizenden Dolmetscherin Siyu und Herrn Xu, der mit Jürgen alles in die Wege geleitet hat.
Herr Xu war übrigens schon einmal in Bremen. Eine sehr kleine Stadt, findet er, was nach chinesischen Verhältnissen, wo eine 8-Millionen-Stadt zu den mittelgroßen Städten zählt, nicht verwundert. Doch alles sehr hübsch und höfliche Menschen. Aber, sagt er zum Abschied, das Beste, was ihr da habt, ist dieser unglaublich blaue Himmel.
Als wir an Bord der Fähre gehen, liegt eine Kohlestaubwolke über dem Hafen. Seit dem Vormittag herrscht auch wieder Smog wie in den letzten Tagen. Doch der Gedanke, dass ein klarer Himmel und frische Luft ein Luxus sind, den es hier in dieser Region Chinas nicht mehr gibt, wird mir erst bei diesem Satz richtig bewusst. Hinzu kommt nun eisiger Seenebel. Man kann die Hand vor Augen kaum noch sehen. Daher legen wir statt um 17.00 Uhr erst um 19.30 Uhr ab.
Herr Xu war übrigens schon einmal in Bremen. Eine sehr kleine Stadt, findet er, was nach chinesischen Verhältnissen, wo eine 8-Millionen-Stadt zu den mittelgroßen Städten zählt, nicht verwundert. Doch alles sehr hübsch und höfliche Menschen. Aber, sagt er zum Abschied, das Beste, was ihr da habt, ist dieser unglaublich blaue Himmel.
Als wir an Bord der Fähre gehen, liegt eine Kohlestaubwolke über dem Hafen. Seit dem Vormittag herrscht auch wieder Smog wie in den letzten Tagen. Doch der Gedanke, dass ein klarer Himmel und frische Luft ein Luxus sind, den es hier in dieser Region Chinas nicht mehr gibt, wird mir erst bei diesem Satz richtig bewusst. Hinzu kommt nun eisiger Seenebel. Man kann die Hand vor Augen kaum noch sehen. Daher legen wir statt um 17.00 Uhr erst um 19.30 Uhr ab.

Die Männer müssen zu fünft samt Kamera- Equipment in einer wirklich kleinen Kammer auf Doppelstock-Feldbetten übernachten, ich habe zum Glück eine ziemlich große Kabine alleine.
Unsere Fähre hat den schönen Namen "Oriental Pearl VI", Heimathafen Panama, Baujahr 1995, gefühlt 50 Jahre älter. Auf der Kapitänsbrücke hängt ein getrockneter Fisch an der Wand, als Talisman, er soll das Schiff schützen, damit es nicht untergeht. Das hoffen wir sehr. Dann kämen wir morgen Vormittag in Incheon an, und unsere Reise kann in Südkorea weitergehen.
Unsere Fähre hat den schönen Namen "Oriental Pearl VI", Heimathafen Panama, Baujahr 1995, gefühlt 50 Jahre älter. Auf der Kapitänsbrücke hängt ein getrockneter Fisch an der Wand, als Talisman, er soll das Schiff schützen, damit es nicht untergeht. Das hoffen wir sehr. Dann kämen wir morgen Vormittag in Incheon an, und unsere Reise kann in Südkorea weitergehen.

Freitag bis Dienstag, den 08.03.2013-12.03.2013 - Die "Oriental Pearl" hat uns am Morgen sicher in den Hafen von Incheon gebracht. Die Vorfreude auf das neue Land ist groß, vor allem bei Thomas, Ulli, Gregor und Ingo. Wir werden von Möwen begrüßt und von unserem netten koreanischen Team Lupi, Yoseph und Ethan in Empfang genommen. Allerdings wird es den vollen Tag brauchen, Vasco und Maggie an Land zu bringen. Ein roll off von der Fähre ist nicht möglich. Überhaupt gibt es kein Abkommen zwischen China und Südkorea, private Fahrzeuge zu befördern.
Doch die Koreaner sind sehr hilfsbereit und erfindungsreich, um das Unmögliche möglich zu machen.
So müssen unsere Fahrzeuge zunächst auf einen Transporter verfrachtet und alle Dachaufbauten abmontiert werden, damit die Vans in einen Container passen. Der wird dann mit einem Kran vom LKW gehoben, und endlich haben Vasco und Maggie koreanischen Boden unter den Reifen. Am Abend sind wir endlich alle in der Hauptstadt Seoul angekommen. Das koreanische Tisch-Barbecue wird dann zum Highlight des Tages. Am nächsten Morgen sieht die Welt schon anders aus.
Doch die Koreaner sind sehr hilfsbereit und erfindungsreich, um das Unmögliche möglich zu machen.
So müssen unsere Fahrzeuge zunächst auf einen Transporter verfrachtet und alle Dachaufbauten abmontiert werden, damit die Vans in einen Container passen. Der wird dann mit einem Kran vom LKW gehoben, und endlich haben Vasco und Maggie koreanischen Boden unter den Reifen. Am Abend sind wir endlich alle in der Hauptstadt Seoul angekommen. Das koreanische Tisch-Barbecue wird dann zum Highlight des Tages. Am nächsten Morgen sieht die Welt schon anders aus.

Als erstes fällt im Vergleich zu China sofort auf, wie diszipliniert alle Verkehrsteilnehmer sich in dieser 10-Millionen-Metropole bewegen. Als nächstes, wie sauber diese Stadt ist. Kein Schnipsel Papier liegt herum, keine Zigarettenkippe und kein einziger Hundehaufen. Und dann, wie höflich und freundlich die Koreaner sind. Sie lächeln, auch wenn wir uns nach den komplizierten Höflichkeitsregeln respektlos benommen haben, ohne es zu merken und tun alles, um die Harmonie wieder herzustellen. Die koreanische Sprache kennt zig verschiedene Ausdrucksformen, um dem jeweiligen sozialen Rang des Angesprochenen gerecht zu werden. So muss es nicht verwundern, wenn man im Zweifel nach dem Alter gefragt wird, denn dem Ältesten gebührt die Ehre. Das gilt nach den konfuzianischen Grundsätzen auch heute noch, und ich empfinde es wohltuend im Gegensatz zu unserer Gesellschaft, wo Jugend alles und Erfahrung nur noch wenig zählt.
Außerdem ist es überaus wichtig, Visitenkarten auszutauschen, die man mit beiden Händen überreicht und eine Weile studieren sollte, auch wenn man die Schrift gar nicht lesen kann. Auch das sagt einiges über die soziale Hierarchie des Gegenüber aus, und man ist mit der Respektsbezeugung auf der sicheren Seite.
Das Prinzip der Harmonie zwischen Gegensätzen - Yin und Yang - ist auch wichtig für einen guten Ort.
Außerdem ist es überaus wichtig, Visitenkarten auszutauschen, die man mit beiden Händen überreicht und eine Weile studieren sollte, auch wenn man die Schrift gar nicht lesen kann. Auch das sagt einiges über die soziale Hierarchie des Gegenüber aus, und man ist mit der Respektsbezeugung auf der sicheren Seite.
Das Prinzip der Harmonie zwischen Gegensätzen - Yin und Yang - ist auch wichtig für einen guten Ort.

Das alte Seoul wurde sehr bewusst an einem guten Ort gebaut. Den Berg im Rücken, der Schutz und Kraft gibt, und den Fluss zu Füßen. Hier ist es der breite Han. Trotz der japanischen Besetzung und des Koreakriegs, die viel Zerstörung über die koreanische Halbinsel gebracht haben, gibt es in Seoul noch eine gut restaurierte Altstadt zwischen Bergen und Fluss, Bukchon, die Nordstadt mit dem alten Kaiserpalast und Wohnhäusern im historischen koreanischen Baustil.
Mit geschwungenen Dächern, Wänden aus natürlichem Material und ursprünglich mit Holz befeuerten Fußboden-Heizung, sowie einer quadratischen Form mit einem Innenhof. Diese Häuser haben wirklich eine wunderbare Ausstrahlung. Da man traditionell auf dem Boden sitzend isst, stehen überall vor der Tür Hausschlappen bereit, da man einen solchen Raum auf keinen Fall mit dreckigen Straßenschuhen betreten darf.
In dieser noch von rund 600 Menschen bewohnten Altstadt finden wir ein koreanisches Teehaus, eine Oase der Ruhe in der Großstadt Seoul, wo wir leckeren heißen Zitronentee serviert bekommen.
Mit geschwungenen Dächern, Wänden aus natürlichem Material und ursprünglich mit Holz befeuerten Fußboden-Heizung, sowie einer quadratischen Form mit einem Innenhof. Diese Häuser haben wirklich eine wunderbare Ausstrahlung. Da man traditionell auf dem Boden sitzend isst, stehen überall vor der Tür Hausschlappen bereit, da man einen solchen Raum auf keinen Fall mit dreckigen Straßenschuhen betreten darf.
In dieser noch von rund 600 Menschen bewohnten Altstadt finden wir ein koreanisches Teehaus, eine Oase der Ruhe in der Großstadt Seoul, wo wir leckeren heißen Zitronentee serviert bekommen.

Wir schlendern weiter und begegnen vor einem anderen Haus einer älteren Dame in edlem koreanischem Kleid, die uns auf die freundliche Bitte unseres Dolmetschers Lupi und nach dem Studieren meiner Visitenkarte in ihr Haus bittet. Sie ist die Meisterin eines über 2000 Jahre alten Kunsthandwerks, des Stickens, und hatte bereits Ausstellungen in China, Taiwan, Japan, USA, Indonesien, Frankreich und Deutschland. Die kunstvoll bestickten Stoffe wurden früher für königliche Flaggen und Gewänder, Paravans und Wandbilder verwendet. Von Ferne sehen sie aus wie Gemälde, und an manchem großen Stück hat Han Sang Su drei Jahre gearbeitet. Wir dürfen ihr bei der Arbeit zusehen und sind beeindruckt von ihrem Können und ihrer in sich ruhenden Ausstrahlung.

Dann fahren wir nach Gangnam, das durch den Rapper Psy, der hier aufwuchs, weltberühmt wurde. Er mokiert sich mit dem Song über den Lifestyle in diesem hippen Stadtteil. Gangnam bedeutet wörtlich 'südlich des Flusses'. Vor 30 Jahren, erzählt uns unser Guide Lupi, war hier nichts außer Reisfeldern. Die Bauern konnten das Land zum 1000fachen Preis verkaufen und sind damit reich geworden: "real estate rich". Heute ist es das Business- und Finanzzentrum von Seoul, und der angesagteste Stadtteil. Eine Wohnung in einem der Hochhäuser hier ist teurer als am Central Park in New York. Gangnam ist zum Symbol geworden für Reichtum, Luxus, „making money“ und Vergnügungen, Shopping, teure Bars und Selbstinszenierung.
In der Apkujong, einer langen Straße in diesem riesigen Stadtteil, gibt es allein über 200 Praxen für plastische Chirurgie und Schönheitskliniken. Nach den USA und Brasilien ist Südkorea das Mekka der Schönheits-OPs. Schon als Teenager lassen sich vor allem die jungen Frauen hier operieren: die mandelförmigen Augen vergrößern, die Nase kürzen und Wangen- und Kinnknochen abtragen, um das Gesicht schmaler zu machen. Man sagt, in Gangnam seien die Frauen schöner als anderswo. Nur sehen ihre Gesichter fast alle gleich aus, nach europäischem Ideal.
In der Apkujong, einer langen Straße in diesem riesigen Stadtteil, gibt es allein über 200 Praxen für plastische Chirurgie und Schönheitskliniken. Nach den USA und Brasilien ist Südkorea das Mekka der Schönheits-OPs. Schon als Teenager lassen sich vor allem die jungen Frauen hier operieren: die mandelförmigen Augen vergrößern, die Nase kürzen und Wangen- und Kinnknochen abtragen, um das Gesicht schmaler zu machen. Man sagt, in Gangnam seien die Frauen schöner als anderswo. Nur sehen ihre Gesichter fast alle gleich aus, nach europäischem Ideal.

Nun suchen wir natürlich Gangnam-Style live, sozusagen, und das ist gar nicht so einfach. Dieser Tanz ist hier in dieser schnelllebigen Stadt nämlich schon von vorgestern! Dennoch finden wir ein Tanzstudio in Gangnam, wo man sich bereit erklärt, uns zuliebe es einmal vorzuführen. Wir betteln und beteuern, ohne ihn hier am Ursprungsort gefilmt zu haben, können wir nicht nach Hause kommen und dass wir uns natürlich auch dafür interessieren, was der neueste Trend ist.

Die DEF Dance School ist die größte und älteste in Seoul und ziemlich bekannt. Etwa 1000 Schüler werden hier auf unterschiedlichsten Levels unterrichtet. Die Jugend tanzt nach koreanischer Popmusik. Wir dürfen in einer der Klassen filmen. Gerade wird eine neue Choreographie einstudiert. Alle sind mit Feuereifer bei der Sache, darunter auch zwei junge Mädchen aus Canada und Frankreich, die als Austausch-Schülerinnen für ein halbes Jahr hier sind und unbedingt in diese Tanzschule wollten. Seoul muss den Vergleich mit London und New York nicht scheuen. Und mit einiger Verspätung wird wohl auch K-Pop in Deutschland ankommen.
In den Nachrichten erfahren wir am Abend, dass Nordkorea den Waffenstillstand mit dem Süden aufgekündigt und die Notfall-Leitung zwischen beiden Staaten gekappt hat. In der Stadt merken wir nicht viel davon. Wir leben mit dieser Bedrohung seit 60 Jahren, sagen unsere koreanischen Guides, wie andere auf einem Vulkan oder Erdbebengürtel.
Morgen werden wir direkt an die innerkoreanische Grenze fahren. Es ist ein Wunder, dass dieser lange beantragte Termin aufgrund der enormen Spannung nicht abgesagt wurde. Im nächsten Teil des Tagebuchs also mehr zur tragischen Geschichte dieses letzten geteilten Landes auf der Welt.
Britta-Susann Lübke
In den Nachrichten erfahren wir am Abend, dass Nordkorea den Waffenstillstand mit dem Süden aufgekündigt und die Notfall-Leitung zwischen beiden Staaten gekappt hat. In der Stadt merken wir nicht viel davon. Wir leben mit dieser Bedrohung seit 60 Jahren, sagen unsere koreanischen Guides, wie andere auf einem Vulkan oder Erdbebengürtel.
Morgen werden wir direkt an die innerkoreanische Grenze fahren. Es ist ein Wunder, dass dieser lange beantragte Termin aufgrund der enormen Spannung nicht abgesagt wurde. Im nächsten Teil des Tagebuchs also mehr zur tragischen Geschichte dieses letzten geteilten Landes auf der Welt.
Britta-Susann Lübke


