Wunderbare Aussicht in einem koreanischen Teehaus; Quelle: Ingo Aurich
Wundervoller Ausblick in einem Teehaus in Seoul

Reisetagebuch Etappe 9, Teil 1 - Peking - Seoul (03.-12.03.13)

Wir besuchen ein mandschurisches Dorf, "besteigen" die chinesische Mauer und setzen mit einer Fähre nach Südkorea über.

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Fotogehilfin Britta schießt dieses schöne Foto vom Asian-Highway-No.-1-Schild.; Quelle: Britta-Susann Lübke
Fotogehilfin Britta schießt dieses schöne Foto vom Asian Highway No. 1-Schild.
Dienstag bis Donnerstag, den 05.03.2013 - 07.03.2013 - Wir fahren von Shenyang auf die Autobahn nach Dandong, die letzte chinesische Stadt an der Grenze, knapp 300 Kilometer weiter östlich. Der Asian Highway No. 1 ist hier gut ausgebaut und beschildert. Die Landschaft wird bergiger und die Schrift entlang der Straße zweisprachig - chinesisch und koreanisch.
Die Aussicht von unserem Hoteldach; Quelle: Ingo Aurich
Unsere Unterkunft liegt direkt an der chinesisch-koreanischen Freundschaftsbrücke
Dandong, mit ca. 2,5 Millionen Einwohnern eine ziemlich kleine chinesische Stadt, hat vor allem eins zu bieten - den Blick nach Nordkorea.
Das zieht Touristengruppen an und die entsprechenden Souvenirs nach sich.
Viele der Händler entlang der Uferpromenade sind mit großem Mundschutz und Mützen vermummt und verschwinden schnell, wenn wir mit der großen Kamera auftauchen. Sie sind illegal und haben nordkoreanische Zigaretten und Geldscheine mit den Konterfeis der geliebten Führer im Angebot. Kim Il Sung, Kim Jong Il, und auch der neue Herrscher Kim Jong Un ist schon auf Anstecknadeln verewigt. Andere Stände bieten billige Kopien traditioneller koreanischer Kleider an, in denen man für ein Foto posieren kann.

Das Geschäft mit den Ausflugsschiffen auf dem Yalu, durch den die Grenze unsichtbar verläuft, ist zu dieser Jahreszeit noch nicht so schwunghaft.
Was ist auf der anderen Uferseite zu sehen? Keine Grenzanlagen, kein Militär. Ein paar Häuser, Industrieanlagen und, irgendwie rührend, ein Riesenrad.
Es ist die nordkoreanische Grenzstadt Sinuiju. Beide Städte sind durch eine Eisenbahnbrücke verbunden, die auch mit Autos befahren werden kann, wenn man ein Einreisevisum für Nordkorea hat: Die chinesisch-koreanische Freundschaftsbrücke.

Gleich daneben ragt noch eine Brücke zur Hälfte in den Fluss. Sie ist als Mahnmal stehen gelassen worden: the yalu river broken bridge, die zu Beginn des Koreakriegs 1950 durch amerikanische Bomben zerstört wurde. Aus einem Lautsprecher ertönt in einer Endlosschleife Arirang, das Sehnsuchtslied aller Koreaner.
Hier endet übrigens die Chinesische Mauer; Quelle: Ingo Aurich
Hier endet übrigens die Chinesische Mauer
Wir fahren wir noch zu einem anderen Aussichtspunkt außerhalb von Dandong, der allerdings erklommen werden muss. Es ist der östlichste Punkt der chinesischen Mauer. Hier schlängelt sie sich auf einen hohen Berg und endet dort. Unsere Jungs sind begeistert, schultern sich das schwere Gerät auf und steigen viele steile Stufen hinauf. Von oben sieht man den Yalu in seinem Flussbett und ein ländliches, harmloses Ufer, Nordkorea. Es scheint nicht unmöglich, den Fluss zu überwinden, und wenigen gelingt es, trotz Niemandsland, Grenzpatrouillen auf beiden Seiten, Überwachungskameras und Zäunen im Hinterland.
Die meisten Flüchtlinge aber haben eine jahrelange Odyssee mit gefälschten Pässen durch Drittländer hinter sich, wenn sie Südkorea erreichen.

Am Abend liegt die koreanische Seite im Dunkeln. Dandong illuminiert seine Uferpromenade umso farbenfroher, die Bäume und Hochhäuser; auch die Freundschaftsbrücke ist mit wechselnden Lichtspielen versehen. Doch das Verhältnis zwischen China und Nordkorea ist angespannt wie nie zuvor. Erstmals will China sich im UNO Sicherheitsrat auf die Seite der Amerikaner stellen und schärfere Sanktionen fordern. Die Spannung spüren wir auch hier.
China ist abgedreht und wir machen uns heute mit der Fähre auf den Weg nach Südkorea.; Quelle: Ingo Aurich
China ist abgedreht und wir machen uns heute mit der Fähre auf den Weg nach Südkorea.
Der nächste Tag steht ganz im Zeichen unserer Weiterreise. Denn der Atombombentest der Nordkoreaner hat auch unsere ursprüngliche Reiseplanung zunichte gemacht. Ein halbes Jahr lang lag unser Einreisegesuch in Pjöngjang und Berlin, die Chancen standen gut. Auch Nordkorea nimmt an der Asian-Highway-Initiative teil. Der AH 1 führt auf dem Papier von hier nach Pjöngjang und theoretisch weiter bis nach Seoul. Doch nun endet unsere Fahrt auf dem Highway in Dandong. Kurz vor dem Atomtest lies man uns aus Nordkorea wissen, dass unsere Einreise im März leider doch nicht möglich sei.

Seit einigen Wochen hat unser Producer Jürgen daher bereits mit den chinesischen und koreanischen Behörden, mit Zoll und Speditionen verhandelt und eine absolute Ausnahmegenehmigung für das Fernost-Team erreicht: Maggie und Vasco dürfen mit auf die Fähre und wir können nun unsere Reise von Dandong nach Südkorea in den Hafen Incheon fortsetzen.
Vasco und Maggie werden ordnungsgemäß unter Deck geparkt und vertäut.; Quelle: Ingo Aurich
Vasco und Maggie werden ordnungsgemäß unter Deck geparkt und vertäut
Früh am morgen fahren wir auf das Hafengelände, dort heißt es vier Stunden warten, in denen viel telefoniert wird. Doch dann läuft alles ab wie am Schnürchen. Ingo und Gregor dürfen selbst die Autos auf die Fähre fahren und zwischen zahlreichen Containern abstellen. Thomas kann die Aktion filmen. Das will schon etwas heißen in diesem Land. Dann werden wir an hunderten wartenden Passagieren vorbei über den Diplomatengang zur Passkontrolle geschleust. Hier müssen wir uns nun verabschieden von unserer reizenden Dolmetscherin Siyu und Herrn Xu, der mit Jürgen alles in die Wege geleitet hat.

Herr Xu war übrigens schon einmal in Bremen. Eine sehr kleine Stadt, findet er, was nach chinesischen Verhältnissen, wo eine 8-Millionen-Stadt zu den mittelgroßen Städten zählt, nicht verwundert. Doch alles sehr hübsch und höfliche Menschen. Aber, sagt er zum Abschied, das Beste, was ihr da habt, ist dieser unglaublich blaue Himmel.

Als wir an Bord der Fähre gehen, liegt eine Kohlestaubwolke über dem Hafen. Seit dem Vormittag herrscht auch wieder Smog wie in den letzten Tagen. Doch der Gedanke, dass ein klarer Himmel und frische Luft ein Luxus sind, den es hier in dieser Region Chinas nicht mehr gibt, wird mir erst bei diesem Satz richtig bewusst. Hinzu kommt nun eisiger Seenebel. Man kann die Hand vor Augen kaum noch sehen. Daher legen wir statt um 17.00 Uhr erst um 19.30 Uhr ab.
In einer sardinenbüchsenartigen Kabine mit 6 Schlafplätzen verbringen wir die Nacht; Quelle: Ingo Aurich
In einer sardinenbüchsenartigen Kabine mit 6 Schlafplätzen verbringen wir die Nacht.
Die Männer müssen zu fünft samt Kamera- Equipment in einer wirklich kleinen Kammer auf Doppelstock-Feldbetten übernachten, ich habe zum Glück eine ziemlich große Kabine alleine.
Unsere Fähre hat den schönen Namen "Oriental Pearl VI", Heimathafen Panama, Baujahr 1995, gefühlt 50 Jahre älter. Auf der Kapitänsbrücke hängt ein getrockneter Fisch an der Wand, als Talisman, er soll das Schiff schützen, damit es nicht untergeht. Das hoffen wir sehr. Dann kämen wir morgen Vormittag in Incheon an, und unsere Reise kann in Südkorea weitergehen.

Bildergalerie

In Shanhaiguan treffen wir auf das Endstück der Chinesischen Mauer; Quelle: Ingo Aurich

Etappe 9 - Von Peking nach Seoul (Südkorea)

Impressionen der chinesischen Mauer und unserer Überfahrt nach Südkorea. Wir machen - mal wieder - Grenzerfahrungen, erleben, dass südkoreanische Schüler fortschrittlicher lernen als deutsche und treffen einen echten Prinzen.