Wunderbare Aussicht in einem koreanischen Teehaus; Quelle: Ingo Aurich
Wundervoller Ausblick in einem Teehaus in Seoul

Reisetagebuch Etappe 9, Teil 1 - Peking - Seoul (03.-12.03.13)

Wir besuchen ein mandschurisches Dorf, "besteigen" die chinesische Mauer und setzen mit einer Fähre nach Südkorea über.

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Vasco und Maggie haben die Fährfahrt gut überstanden; Quelle: Ingo Aurich
Vasco und Maggie haben die Fährfahrt gut überstanden
Freitag bis Dienstag, den 08.03.2013-12.03.2013 - Die "Oriental Pearl" hat uns am Morgen sicher in den Hafen von Incheon gebracht. Die Vorfreude auf das neue Land ist groß, vor allem bei Thomas, Ulli, Gregor und Ingo. Wir werden von Möwen begrüßt und von unserem netten koreanischen Team Lupi, Yoseph und Ethan in Empfang genommen. Allerdings wird es den vollen Tag brauchen, Vasco und Maggie an Land zu bringen. Ein roll off von der Fähre ist nicht möglich. Überhaupt gibt es kein Abkommen zwischen China und Südkorea, private Fahrzeuge zu befördern.

Doch die Koreaner sind sehr hilfsbereit und erfindungsreich, um das Unmögliche möglich zu machen.
So müssen unsere Fahrzeuge zunächst auf einen Transporter verfrachtet und alle Dachaufbauten abmontiert werden, damit die Vans in einen Container passen. Der wird dann mit einem Kran vom LKW gehoben, und endlich haben Vasco und Maggie koreanischen Boden unter den Reifen. Am Abend sind wir endlich alle in der Hauptstadt Seoul angekommen. Das koreanische Tisch-Barbecue wird dann zum Highlight des Tages. Am nächsten Morgen sieht die Welt schon anders aus.
Unsere Arbeitswoche startet mit dem Besuch des Stadtteils Gangnam; Quelle: Ingo Aurich
Unsere Arbeitswoche startet mit dem Besuch des Stadtteils Gangnam
Als erstes fällt im Vergleich zu China sofort auf, wie diszipliniert alle Verkehrsteilnehmer sich in dieser 10-Millionen-Metropole bewegen. Als nächstes, wie sauber diese Stadt ist. Kein Schnipsel Papier liegt herum, keine Zigarettenkippe und kein einziger Hundehaufen. Und dann, wie höflich und freundlich die Koreaner sind. Sie lächeln, auch wenn wir uns nach den komplizierten Höflichkeitsregeln respektlos benommen haben, ohne es zu merken und tun alles, um die Harmonie wieder herzustellen. Die koreanische Sprache kennt zig verschiedene Ausdrucksformen, um dem jeweiligen sozialen Rang des Angesprochenen gerecht zu werden. So muss es nicht verwundern, wenn man im Zweifel nach dem Alter gefragt wird, denn dem Ältesten gebührt die Ehre. Das gilt nach den konfuzianischen Grundsätzen auch heute noch, und ich empfinde es wohltuend im Gegensatz zu unserer Gesellschaft, wo Jugend alles und Erfahrung nur noch wenig zählt.

Außerdem ist es überaus wichtig, Visitenkarten auszutauschen, die man mit beiden Händen überreicht und eine Weile studieren sollte, auch wenn man die Schrift gar nicht lesen kann. Auch das sagt einiges über die soziale Hierarchie des Gegenüber aus, und man ist mit der Respektsbezeugung auf der sicheren Seite.
Das Prinzip der Harmonie zwischen Gegensätzen - Yin und Yang - ist auch wichtig für einen guten Ort.
Und so sieht die Altstadt aus; Quelle: Ingo Aurich
Und so sieht die Altstadt aus
Das alte Seoul wurde sehr bewusst an einem guten Ort gebaut. Den Berg im Rücken, der Schutz und Kraft gibt, und den Fluss zu Füßen. Hier ist es der breite Han. Trotz der japanischen Besetzung und des Koreakriegs, die viel Zerstörung über die koreanische Halbinsel gebracht haben, gibt es in Seoul noch eine gut restaurierte Altstadt zwischen Bergen und Fluss, Bukchon, die Nordstadt mit dem alten Kaiserpalast und Wohnhäusern im historischen koreanischen Baustil.

Mit geschwungenen Dächern, Wänden aus natürlichem Material und ursprünglich mit Holz befeuerten Fußboden-Heizung, sowie einer quadratischen Form mit einem Innenhof. Diese Häuser haben wirklich eine wunderbare Ausstrahlung. Da man traditionell auf dem Boden sitzend isst, stehen überall vor der Tür Hausschlappen bereit, da man einen solchen Raum auf keinen Fall mit dreckigen Straßenschuhen betreten darf.

In dieser noch von rund 600 Menschen bewohnten Altstadt finden wir ein koreanisches Teehaus, eine Oase der Ruhe in der Großstadt Seoul, wo wir leckeren heißen Zitronentee serviert bekommen.
Hier finden wir eine ältere Dame, die sich kunstvoll der Stickerei widmet und verweilen ein bißchen.; Quelle: Ingo Aurich
Hier finden wir eine ältere Dame, die sich kunstvoll der Stickerei widmet und verweilen ein bißchen.
Wir schlendern weiter und begegnen vor einem anderen Haus einer älteren Dame in edlem koreanischem Kleid, die uns auf die freundliche Bitte unseres Dolmetschers Lupi und nach dem Studieren meiner Visitenkarte in ihr Haus bittet. Sie ist die Meisterin eines über 2000 Jahre alten Kunsthandwerks, des Stickens, und hatte bereits Ausstellungen in China, Taiwan, Japan, USA, Indonesien, Frankreich und Deutschland. Die kunstvoll bestickten Stoffe wurden früher für königliche Flaggen und Gewänder, Paravans und Wandbilder verwendet. Von Ferne sehen sie aus wie Gemälde, und an manchem großen Stück hat Han Sang Su drei Jahre gearbeitet. Wir dürfen ihr bei der Arbeit zusehen und sind beeindruckt von ihrem Können und ihrer in sich ruhenden Ausstrahlung.
Die Aussicht von hier oben!; Quelle: Ingo Aurich
Die Aussicht vom Seoul-Tower!
Dann fahren wir nach Gangnam, das durch den Rapper Psy, der hier aufwuchs, weltberühmt wurde. Er mokiert sich mit dem Song über den Lifestyle in diesem hippen Stadtteil. Gangnam bedeutet wörtlich 'südlich des Flusses'. Vor 30 Jahren, erzählt uns unser Guide Lupi, war hier nichts außer Reisfeldern. Die Bauern konnten das Land zum 1000fachen Preis verkaufen und sind damit reich geworden: "real estate rich". Heute ist es das Business- und Finanzzentrum von Seoul, und der angesagteste Stadtteil. Eine Wohnung in einem der Hochhäuser hier ist teurer als am Central Park in New York. Gangnam ist zum Symbol geworden für Reichtum, Luxus, „making money“ und Vergnügungen, Shopping, teure Bars und Selbstinszenierung.

In der Apkujong, einer langen Straße in diesem riesigen Stadtteil, gibt es allein über 200 Praxen für plastische Chirurgie und Schönheitskliniken. Nach den USA und Brasilien ist Südkorea das Mekka der Schönheits-OPs. Schon als Teenager lassen sich vor allem die jungen Frauen hier operieren: die mandelförmigen Augen vergrößern, die Nase kürzen und Wangen- und Kinnknochen abtragen, um das Gesicht schmaler zu machen. Man sagt, in Gangnam seien die Frauen schöner als anderswo. Nur sehen ihre Gesichter fast alle gleich aus, nach europäischem Ideal.
Sieht auch gut aus!; Quelle: Ingo Aurich
Pop löst Gangnam-Style ab
Nun suchen wir natürlich Gangnam-Style live, sozusagen, und das ist gar nicht so einfach. Dieser Tanz ist hier in dieser schnelllebigen Stadt nämlich schon von vorgestern! Dennoch finden wir ein Tanzstudio in Gangnam, wo man sich bereit erklärt, uns zuliebe es einmal vorzuführen. Wir betteln und beteuern, ohne ihn hier am Ursprungsort gefilmt zu haben, können wir nicht nach Hause kommen und dass wir uns natürlich auch dafür interessieren, was der neueste Trend ist.
Alle Tanzschüler gemeinsam mit unserem Team; Quelle: Ingo Aurich
Alle Tanzschüler gemeinsam mit unserem Team
Die DEF Dance School ist die größte und älteste in Seoul und ziemlich bekannt. Etwa 1000 Schüler werden hier auf unterschiedlichsten Levels unterrichtet. Die Jugend tanzt nach koreanischer Popmusik. Wir dürfen in einer der Klassen filmen. Gerade wird eine neue Choreographie einstudiert. Alle sind mit Feuereifer bei der Sache, darunter auch zwei junge Mädchen aus Canada und Frankreich, die als Austausch-Schülerinnen für ein halbes Jahr hier sind und unbedingt in diese Tanzschule wollten. Seoul muss den Vergleich mit London und New York nicht scheuen. Und mit einiger Verspätung wird wohl auch K-Pop in Deutschland ankommen.
In den Nachrichten erfahren wir am Abend, dass Nordkorea den Waffenstillstand mit dem Süden aufgekündigt und die Notfall-Leitung zwischen beiden Staaten gekappt hat. In der Stadt merken wir nicht viel davon. Wir leben mit dieser Bedrohung seit 60 Jahren, sagen unsere koreanischen Guides, wie andere auf einem Vulkan oder Erdbebengürtel.
Morgen werden wir direkt an die innerkoreanische Grenze fahren. Es ist ein Wunder, dass dieser lange beantragte Termin aufgrund der enormen Spannung nicht abgesagt wurde. Im nächsten Teil des Tagebuchs also mehr zur tragischen Geschichte dieses letzten geteilten Landes auf der Welt.

Britta-Susann Lübke
 

Bildergalerie

In Shanhaiguan treffen wir auf das Endstück der Chinesischen Mauer; Quelle: Ingo Aurich

Etappe 9 - Von Peking nach Seoul (Südkorea)

Impressionen der chinesischen Mauer und unserer Überfahrt nach Südkorea. Wir machen - mal wieder - Grenzerfahrungen, erleben, dass südkoreanische Schüler fortschrittlicher lernen als deutsche und treffen einen echten Prinzen.