Joerg Thadeusz; Quelle: rbb/Gundula Krause

Moderation - Jörg Thadeusz

Er ist ein Mann im besten Alter, hat eine Neigung zum Übergewicht und ihm gehen langsam die Haare aus, aber er ist schnell, schlagfertig und dabei noch charmant.

Mein Leben in Zahlen

1968 – mein Geburtsjahr, 93 Kilo – mein Gewicht, 188 Zentimeter – meine Körpergröße, 5 – so oft bin ich bisher einen Marathon gelaufen, 4,28 Stunden – mein miesestes Ergebnis, 12 – so viele Zigaretten rauche ich am Tag, an manchen Tagen eine mehr.

Mein beruflicher Werdegang

Ich hätte auch was ganz anderes werden können. Wahrscheinlich würde ich aber auch in anderen Berufen Fragen stellen. "Sie wissen, warum wir sie angehalten haben?", wäre meine Lieblingsfrage, wenn ich es zum Polizisten gebracht hätte. "Du weißt, warum dich der liebe Gott bald nicht mehr lieb hat?", würde ich hartnäckige Sünder fragen. Wenn Latein, Griechisch und Hebräisch nicht so furchteinflößende Fremdsprachen wären. Sollten irgendwann Deutsch und ein paar Brocken Englisch für das evangelische Priesteramt reichen, denke ich neu nach.

In Hotel-Anmeldezettel trage ich unter Profession immer noch "Journalist" ein, weil 'Moderator' so unseriös klingt wie 'Jonglage-Künstler'.

1991 interessierten sich die aufregendsten Frauen in meinem Bekanntenkreis für Gitarristen, Speerwerfer und Kiffer. Um darüber hinwegzukommen, dass ich in keiner dieser Disziplinen überzeugen konnte, wählte ich die Klausur in der Abgeschiedenheit eines WDR-Radiostudios. Dort gefiel es mir. Wenn ich nur mit meiner Stimme arbeitete, konnte ich bei Hörerinnen den Eindruck erwecken, ich sei ein Gitarrespielender, kiffender Speerwerfer. Also ein sehr, sehr attraktiver Mann.

Mittlerweile habe ich beinahe die komplette Nordhälfte Deutschlands beschnurrt. Bei WDR EinsLive, bei NDR2, bei NDR Info.

Bei RadioEins spielen die vordergründigen Helden meiner späten Jugend zum Glück keine Rolle mehr. Denn bei den "Profis" am Samstagmorgen darf ich echte Stars präsentieren. Wissenschaftler aller Fachrichtungen, die zwar die Erde nicht selbstständig kreisen lassen können, aber oft wissen, warum sie eigentlich kreist.

Passenderweise durfte ich mittlerweile auch das Zentrum des Universums kennenlernen, also das Fernsehen. Wir Fernsehleute nehmen uns nämlich nicht wichtig, sondern sehr wichtig.

Ich bin also entsprechend verletzt, wenn jemand die Bedeutung der TV-Sendungen nicht erkennt, an denen ich beteiligt bin. Die Interviewsendung "Thadeusz" und "THADEUSZ und die Beobachter".

Wie kürzlich in der Eisenbahn. Da sprach mich vor dem Aussteigen ein Mann an. Ich käme ihm so bekannt vor. Ob ich auch bei der Techniker Krankenkasse arbeiten würde. Nein, korrigierte ich, nicht ganz. Und dann sagte ich ihm, ich sei eine Art Jongleur.