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Brundibár & Sing Yiddish with us
Brundibár & Sing Yiddish with us
Sophie Boitel, Quelle: Stiftung Genshagen

Interview

Sophie Boitel

Die Projektleiterin "Kunst- und Kulturvermittlung in Europa" in der Stiftung Genshagen kümmerte sich um den "Brundibár"- Workshop im Schloss Genshagen.

Frau Boitel, oder darf ich Madame Boitel sagen?

Sie sind eine junge Frau aus Frankreich, haben an der berühmten La Sorbonne in Paris Philosophie studiert. Wie hat es Sie in die Metropole Genshagen verschlagen?

Jeder will doch nach Genshagen, oder? Das Schloss Genshagen ist ein wunderbarer Ort der Ruhe und der Inspiration. Die geographische Lage des Schlosses unweit der polnischen Grenze begünstigt die Einbeziehung Polens in den deutsch-französischen Dialog und somit die europäische Ausrichtung der Stiftung. In Genshagen fühle ich mich manchmal, ehrlich gesagt, eher in Europa als in Paris.

Fragen zur Interkulturalität, Integration und Identität beschäftigen mich schon lange und in meinem Studium der Philosophie habe ich mich intensiv damit auseinandergesetzt. Dadurch bin ich schon vor einiger Zeit auf die Stiftung Genshagen aufmerksam geworden, die seit ihrer Entstehung hochaktuelle gesellschaftliche Themen im europäischen Kontext auf die Agenden bringt. Die Notwendigkeit der Kunst- und Kulturvermittlung ist ein roter Faden in meinem Studium der politischen Philosophie und der Ästhetik und dann in meinem beruflichen Weg gewesen.

Wie haben Sie Ihre Kindheit verlebt? Was hat Sie besonders geprägt? Und welche Rolle hat Musik in Ihren Kindertagen gespielt?

Als Kind und Jugendlicher hat man ein sehr emotionales Verhältnis zur Musik. Musik vermochte oft starke "ästhetische Schocks", wie man im Französisch sagt, beim mir auszulösen, denn ich hatte einen sehr sinnlichen Zugang zur Musik. Ich war selber innerlich manchmal so berührt, dass ich wirklich dachte Musik könnte die Welt verbessern. Erst später bin ich aus diesem rein verführerischen Verhältnis zur Musik rausgekommen.

Seit Juni 2010 arbeiten Sie in der Stiftung Genshagen. Was genau tun Sie hier?

Ich bin Projektleiterin im Bereich der Kunst und Kulturvermittlung in Europa. Ich organisiere Veranstaltungen zu unterschiedlichsten aktuellen Themen der Kunst- und Kulturvermittlung, die interdisziplinär geprägt sind, da Wissenschaftler, Kulturakteure, Künstler, Vertreter aus der Politik und der Zivilgesellschaft zusammen kommen. Die Projektwoche der Kinderoper "Brundibár" verschafft mir das große Glück, wieder in der Praxis der Kunst- und Kulturvermittlung aktiv zu sein.

Nun sind Sie Leiterin der deutsch-polnischen Projektwoche "Brundibár". Wie passt das an das Berlin-Brandenburgische Institut für Deutsch-Französische Zusammenarbeit in Europa?

In Anlehnung an die Idee des "Weimarer Dreiecks" berücksichtigt die Stiftung Genshagen den polnischen Nachbarn verstärkt in ihren Tätigkeitsfeldern. Der deutsch-französisch-polnische Charakter der Stiftung spiegelt sich sowohl in der Zusammensetzung ihrer Mitarbeiter und Gremien als auch in ihrer inhaltlichen Ausrichtung.

Das Projekt zur Kinderoper "Brundibár" leistet einen Beitrag zur deutsch-polnischen aktiven Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und schreibt sich somit in die europäische Erinnerungskultur ein. Eine solche Form der kulturellen Bildung schafft auch ein politisches Bewusstsein. Polen übernimmt am 01. Juni 2011 die EU-Ratspräsidentschaft. Dieses deutsch-polnische Projekt hat auch deswegen einen besonderen Stellenwert in der Jahresplanung der Stiftung Genshagen: als erstes deutsch-polnisches Projekt des Jahres wird es ein Zeichen dafür geben, dass die Stiftung Genshagen die Zusammenarbeit mit ihren bereits bestehenden und neu gewonnenen polnischen Partnern verstärken wird.

Die am Projekt beteiligten Kinder und Jugendlichen werden sowohl mit dem historischen Kontext, in dem die Kinderoper "Brundibár" entstanden ist, als auch mit dem Inhalt der Oper vertraut gemacht. Im Rahmen der künstlerischen Ateliers werden sie theoretisch und praktisch die damit verknüpften Fragen in kleinen deutsch-polnischen Gruppen thematisieren: Warum ist Toleranz gegenüber Menschen aus anderen Kulturen so wichtig? Was haben wir für Vorurteile? Wie können sie überwunden werden? Die Aufarbeitung der Geschichte wird hier so verstanden, dass sich jeder mit der Vergangenheit auseinandersetzen soll, um die Herausforderungen sowie möglichen Probleme und Konflikte der Gegenwart zu verstehen und darüber nachdenken, wie man im Hier und Jetzt aktiv werden kann.

Der Besuch der Zeitzeugin und ehemaligen KZ-Inhaftierten Margot Friedländer soll in diesem Sinn dazu beitragen, die gemeinsame Verantwortung im Kampf gegen Rassismus zu wecken.

Vom 6. März bis 12. März wird es vorbei sein mit der vornehmen Ruhe in Ihrem Schloss. 80 Kinder und Jugendliche werden hier Workshops als Vorbereitung der Kinderoper "Brundibár" erleben. Sie werden singen, tanzen, herumrennen, kurz gesagt: Hier wird vermutlich die Luft brennen. Wie finden Sie das?

Toll! Das ist natürlich ein riesiger Aufwand für das gesamte Team der Stiftung, aber meine Kollegen unterstützen mich dabei nach vollen Kräften. Nach der Projektwoche zur Konzertoper "Noahs Flut" von Benjamin Britten im Vorjahr ist die Projektwoche zur Kinderoper "Brundibár" die zweite Kooperation mit dem Brandenburgischen Staatsorchester. Das ganze Team konnte letztes Jahr sehen, wie magisch einige Momente der kreativen Prozesse mit Kindern sein können. Das ist eine Inspirationsquelle für uns alle! Die Kurse werden zwar den Kindern angeboten, aber wir werden wieder bestimmt viel von den Kindern und Jugendlichen lernen: Sie bringen Energie und ihre eigene Kultur mit, was eine Bereicherung für uns alle ist.

Worauf freuen Sie sich bei diesem Projekt am meisten? Und worauf nicht?

Ich freue mich auf die Tatsache, dass wir im Schloss Genshagen für eine Woche eine Zeit "außerhalb der Zeit" leben werden. Wir werden zwei Gruppen von Kindern und Jugendlichen jeweils dreitägige Workshops mit abschließenden Präsentationen anbieten. Die dreieinhalb Tage, die die Kinder und Jugendlichen im Schloss verbringen, werden sehr intensiv sein. Sie werden sich manchmal selber überraschen und sich im Nachhinein wundern, wenn sie auf diesen Tage zurückblicken werden. Am Anfang kennen sich die polnischen und deutschen Kinder nicht und nach drei Tagen werden sie eine verschworene Gruppe sein.

Worauf ich mich nicht freue? Durch das ganze Koordinieren werde ich wieder keine Zeit haben, singen zu lernen …

Merci Madame! Ich drücke die Daumen und wünsche ganz viel Spaß und Erfolg! Wir werden dieses Projekt bis zur Opernaufführung begleiten und darüber berichten.

Die Fragen stellte Tina Henneberg, rbb Familienprogramm.

Infos im WWW

Biografie: Sophie Boitel

Projektleiterin "Kunst- und Kulturvermittlung in Europa" in der Stiftung Genshagen

[www.stiftung-genshagen.de]

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/fernsehen/projekte/brundibar/brundibar__deutsch/die_workshops/interview_mit_sophie.html

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