
Karfreitag -
Opulente Neuverfilmung des Klassikers der Weltliteratur von Leo Tolstoi.
Moskau, Ende des 19. Jahrhunderts. Fürst Stiwa hat wieder einmal seine Frau Dolly betrogen, die sich scheiden lassen will. Um sie umzustimmen, lädt er seine Schwester Anna Karenina aus St. Petersburg ein. Bei ihrer Ankunft auf dem Bahnhof begegnet Anna Stiwas Freund Wronski, der großen Eindruck auf sie macht. Auch Dollys jüngere Schwester Kitty liebt den charmanten Gardeoffizier, für den sie den Heiratsantrag des idealistischen Gutsbesitzers Lewin zurückweist. Auf einem Ball muss Kitty bemerken, dass Wronski nur Augen für Anna hat.
Enttäuscht verlässt sie das Land, um in einem deutschen Militärlazarett als Krankenschwester zu helfen, derweil Lewin sich auf seinem Landgut in Arbeit vergräbt. Zurück in St. Petersburg, stellt Anna überrascht fest, dass Wronski ihr gefolgt ist und keine Gelegenheit der Begegnung auslässt. Anna ist sich ihrer Verantwortung als verheiratete Frau bewusst, doch nach Jahren in glückloser Ehe mit dem gefühlskalten Alexej Karenin sehnt sie sich nach Wärme und Zuneigung. Wider alle Vernunft stürzt sie sich in eine Affäre mit Wronski, wird von ihm schwanger und konfrontiert ihren Mann mit der Wahrheit. Der um seinen Ruf besorgte Staatsbeamte zwingt sie zur Erfüllung ihrer Ehepflicht – andernfalls wird sie ihren Sohn Serjoscha nie wiedersehen.
Bei der Geburt ihrer Tochter erkrankt Anna schwer. In Erwartung des Todes söhnt sie sich mit ihrem Mann Alexej aus, worauf Wronski sich das Leben nehmen will. Reumütig versucht Anna, ihre zerrüttete Ehe zu retten, doch das zermürbende Zusammenleben mit dem wohlhabenden Staatsbeamten, den sie nicht aus Liebe geheiratet hat, wird immer unerträglicher. Nach ihrer überraschenden Genesung wendet sie sich erneut ihrem Geliebten Wronski zu. Alexej wäre mit einer Trennung einverstanden, doch als schuldhaft geschiedene Ehebrecherin dürfte Anna nicht mehr heiraten. Schweren Herzens lässt sie ihren Sohn Serjoscha zurück und begibt sich mit dem Geliebten auf eine Italienreise.
Unterdessen kehrt Kitty aus dem deutschen Exil zurück und weiß nun, dass der Gutsbesitzer Lewin doch der Richtige für sie ist. Lewin ist überglücklich, muss aber schon bald nach der Hochzeit erkennen, dass Kitty ihn vor eine Herausforderung stellt. Die Sehnsucht nach ihrem Sohn zieht Anna derweil nach St. Petersburg zurück. Es kommt zum bewegenden Wiedersehen mit Serjoscha, der jedoch nicht verstehen kann, warum seine Mutter ihn im Stich gelassen hat. Da ihre wilde Ehe von der Gesellschaft missbilligt wird, muss Anna mit Wronski zurückgezogen auf dessen Gut leben. Der junge Offizier fühlt sich bald eingeengt und lässt seine Geliebte häufiger alleine. Anna befürchtet, dass er sich einer anderen zuwendet, und fällt einen tragischen Entschluss.
Mehr als 130 Jahre nach seinem Erscheinen hat Tolstois Klassiker "Anna Karenina" nichts von seiner emotionalen Kraft verloren. Im Gegensatz zu früheren Adaptionen entfaltet Christian Duguay in seinem prachtvoll ausgestatteten Film den großen Figurenreichtum der epischen Liebesgeschichte. Drei Beziehungsmodelle prallen dabei aufeinander: Während Fürst Stiwa und seine Frau Dolly einen faulen Kompromiss eingehen, machen Max von Thun als Lewin und seine Frau Kitty die Erfahrung, dass eine Ehe wachsen muss. Annas Aufbegehren gegen die rigiden Konventionen im zaristischen Russland ist dagegen zum Scheitern verurteilt. Die italienische Darstellerin Vittoria Puccini macht nachvollziehbar, warum Anna Karenina eine der großen Frauenfiguren der Weltliteratur ist. Als Annas Ehemann zeigt Benjamin Sadler eindrucksvoll, dass auch dieser in einem engen Korsett aus Konventionen und rigiden Bestimmungen steckt.
Anna Karenina
Spielfilm Italien/Deutschland 2013
Anna Karenina (Vittoria Puccini)
Graf Wronski (Santiago Cabrera)
Karenin (Benjamin Sadler)
Kitty (Lou de Laâge)
Lewin (Max von Thun)
Dolly (Carlotta Natoli)
Stiwa (Pietro Sermonti)
Gräfin Wronskaja (Angela Molina)
Betsy Twerskaja (Léa Bosco)
Lidia Iwanowna (Patricia Vico)
Warenka (María Castro) u.a.
Musik: Antongiulio Frulio
Kamera: Fabrizio Lucci
Buch: Francesco Arlanch
Regie: Christian Duguay
