Bild zum Film: Das weiße Band, Quelle: rbb/Degeto/BR/X-Filme
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Zum 75. Geburtstag von Michael Haneke - Das weiße Band

Seltsame Ereignisse erschüttern den Frieden einer kleinen protestantischen Gemeinde Norddeutschlands.

Unerklärliche Zwischenfälle erschüttern im Sommer 1913 das Idyll einer kleinen protestantischen Gemeinde im Norden Deutschlands. Zunächst fällt der Dorfarzt vom Pferd und bricht sich dabei fast den Hals. Es ist die Rede von einem über den Weg gespannten Stolperdraht, der jedoch nicht mehr auffindbar ist. Danach stirbt die Frau eines Kleinbauern bei einem vermeidbaren Arbeitsunfall im Sägewerk. Schuld am fahrlässigen Umgang mit Sicherheitsvorkehrungen ist offenbar der adlige Gutsherr.
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Kurz darauf wird dessen kleiner Sohn schwer misshandelt, und die Scheune seines Hofs geht in Flammen auf. Ein Racheakt? Nachdem auch der Säugling des Gutsverwalters nur knapp einem rätselhaften Tötungsversuch entgangen ist und der behinderte Sohn der Hebamme halb totgeschlagen wurde, zieht man die Polizei hinzu. Doch die Ermittler kehren unverrichteter Dinge wieder in die Stadt zurück.

Das Böse ist unfassbar - und doch lebt es mitten unter den Menschen, ist Teil ihrer Gemeinschaft. Der junge, idea-listische Dorflehrer kommt den schok-kierenden Zusammenhängen schließlich auf die Spur. Doch ihm fehlen die Worte. Rückblickend, als alter Mann, klärt er Jahrzehnte später die mysteriösen Ereignisse auf.

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Das unter anderem mit der „Goldenen Palme“ ausgezeichnete Historiendrama fängt mit seinen atemberaubenden Schwarz-Weiß-Bildern die Stimmung vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ein. Mit eisiger Präzision zeigt der Regisseur von „Caché - Versteckt“ und „Funny Games“, wie die Stützen der Gesellschaft zusammenbrechen: ein Baron, der keine Souveränität mehr ausstrahlt, ein Arzt, der seine Tochter missbraucht, und ein Pfarrer, der die Seelen seiner Kinder mit protestantischen Dogmen vergiftet. 

Michael Haneke, der auch das Buch verfasste, überzeichnet diese Figuren nicht als Monster. Ulrich Tukur, Rainer Bock und Burghart Klaußner verkörpern ge-spenstische Vorboten jener Generation, die Faschismus und Holocaust ermöglichen wird. 670.000 Kinobesucher sahen diese „deutsche Kindergeschichte“. 

Das rbb Fernsehen sendet „Das weiße Band“ zu Ehren des österreichischen Regisseurs Michael Haneke, der am 23. März seinen 75. Geburtstag feiert. 

Das weiße Band
Spielfilm Deutschland/Österreich/Frankreich/Italien 2009

Lehrer (Christian Friedel)
Eva (Leonie Benesch)
Baron (Ulrich Tukur)
Baronin (Ursina Lardi)
Sigi (Fion Mutert)
Hauslehrer (Michael Kranz)
Pfarrer (Burghart Klaußner)
Frau des Pfarrers (Steffi Kühnert) u.a.

Kamera: Christian Berger
Buch und Regie: Michael Haneke