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Dem Ort Greiffenberg sieht man nicht an, dass es einen Schatz hütet. Einen Garten, in dem 2000 bedrohte, vergessene und wieder entdeckte Sorten Nutzpflanzen gedeihen. Urgetreide, seltene Lauch- und Kürbisgewächse, Buttersalat.
Eine Vielfalt, die in heimischen Gärten nicht mehr zu finden ist. Hier kümmert sich ein Verein namens VERN Brandenburg e.V. mit großem Aufwand um die Erhaltung und Nachzucht dieser seltenen Sorten.
Die eigentliche Schatzkammer des Gartens befindet sich in einem Nebengelass. Eine aufwändig dokumentierte Saatgutbank, bestehend aus lauter Raritäten.
Doch nun geraten diese verdienstvollen Bemühungen um Artenvielfalt ins Visier der EU. Eine neue Saatgutverordnung wird den Handel mit seltenen Sorten erheblich erschweren. Künftig soll eine Saatgutpolizei kontrollieren, ob in Verkehr gebrachte Samen amtlich registriert sind und die Rechte dafür erworben wurden. Gartenbaubetriebe, aber auch Saatgutinitiativen wie dieser Verein würden sich mit dem freien Verkauf von Samen strafbar machen.
Von den hier angebauten Sorten sind nur sehr wenige registriert. Die Gärtner müssten künftig mit einer nie dagewesenen Bürokratiewelle kämpfen. Und das in einem Nischenmarkt, der im Handel kaum ins Gewicht fällt. Fast keine der seltenen Sorten ist für den Massenanbau überhaupt geeignet.
Wenn aber schon die Samen immer schwerer zugänglich sind, ist abzusehen, dass auch der Anbau seltener Sorten stirbt. Woher sollten Kleingärtner dann ihr Saatgut beziehen, wenn sie nicht nur die üblichen Baumarktsorten anbauen wollen? Beispiel Salat. Die große Mehrheit besonders wohlschmeckender Arten, wie Bunte Forellen, Rehzunge oder Brunetta ist überhaupt nicht für den Gemüsehandel geeignet. Wer sie essen will, muss sie selbst anbauen.
Brunetta steht stellvertretend für tausende Arten auf dem Spiel, wenn die neue EU-Saatgutverordnung wie geplant in Kraft tritt. Bis 2014 haben die Beamten in Brüssel noch Gelegenheit, die Richtlinie im Sinne der Artenvielfalt zu ändern.
Autor: Felix Krüger








