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Ob der Zwiebel-Borsdorfer, die Karmeliter Renette oder der berühmte Gravensteiner - Die rbb Gartenzeit bespricht mit Hilmar Schwärzel, Leiter der Obstbau-Versuchsstation, Vorzüge, aber auch Schwächen der alten Sorten.
Der "Welschisner" wächst üppig, trägt reichlich und braucht so gut wie keine Pflege. "Gloria Mundi - Ruhm der Welt" trägt Früchte, die zwar bis zu 600 g schwer werden können, er schmeckt aber nicht wirklich und ist eigentlich nur etwas für Most. Zu Schwärzels Favoriten zählen die Borsdorfer, denn das Wertvolle bei dieser Sorte ist, dass er auf Beschädigungen während des Fruchtwachstums, die durch Käfer, Hagel oder Scheuerstellen hervorgerufen sein können, nicht mit Fruchtfäulnis, sondern mit Ausheilung und Ausbildung dieser Warzen reagiert.
Aus jahrzehntelanger Züchtungsarbeit der Müncheberger ist die Sorte "Auralia" hervorgegangen, die sich hier in der Region auf allen Böden bestens macht. Der Kleingärtner hat seine Freude daran, weil er einen dankbaren Träger hat. Der Laie kann kaum etwas falsch machen, da die Qualität bestechend ist. Er kommt auf allen Standorten in der Mark zurecht.
Zu den bewährten ganz alten zählen der "kleine Herrenapfel", der kreisrunde "Golden Nobel" oder die "Graue Herbstrenette", auch als "Lederer" bekannt, weil ihre raue, etwas bräunliche Schale ein bisschen wie Leder aussieht. Knallrot der "Elissen-Orange" oder der "Schlesische Lehmapfel", eine robuste uralte Sorte, die Fachleute gar als kulturhistorisches Erbe bezeichnen.
Sie alle wachsen in Müncheberg an genau einem einzigen Baum. Insgesamt 40 verschiedene Sorten! Hilmar Schwärzel nennt ihn hochachtungsvoll den Zauberbaum. Dabei dient der mehrfach veredelte Baum in erster Linie der Demonstration.
Hobbygärtnern, die beklagen, dass der im Baumarkt gekaufte Baum nicht die Früchte trägt, die man sich erhofft hatte, empfiehlt er umzuveredeln. Von der gewünschten Sorte sollten zwischen Dezember und Januar Reiser geschnitten und kühl jedoch frostfrei gelagert werden. Der zu veredelnde Baum muss gesund und bis Ende Februar zurück geschnitten sein. Im März wird dann ein dreiäugiges Reis geschnitten und im oberen Drittel ein Gegenschnitt gesetzt.
Deckungsgleich erfolgt auf dem zu veredelnden Ast ein flacher Schnitt durch die Rinde bis auf den Holzkörper und ebenfalls ein Gegenschnitt. Nun wird das Reis hier hinein geschoben und mit speziellem Bast fixiert. Baumwachs verschließt die Wunden sauber und sorgt dafür, dass darunter so eine Art Kleingewächshaus entsteht. Nur sieben Monate später sieht die Veredelungsstelle perfekt aus. Und im nächsten Jahr könnten hier schon die ersten Früchte hängen.
Beitrag von Martina Hiller









