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Rosen sind wie Mädchen, schön, lieblich und begehrenswert. Erst wenn man sie hat, merkt man, dass sie auch Stacheln haben. Dieser Spruch stammt von Wilhelm Kordes. Sein Vater hatte 1887 im norddeutschen Elmshorn die heutige Firma "Kordes und Söhne" gegründet.
Damals als Kunst- und Handelsgärtnerei, ahnte er sicher nicht, dass sich daraus ein Rosenzuchtbetrieb von Weltrang entwickeln würde.
Seit 1919 hat das Familienunternehmen, das heute in 5. Generation geführt wird, seinen Sitz in Sparrieshoop. Auf 35 ha blühen Rosen. Und Jahr für Jahr bringt Kordes 8-10 neue Sorten auf den Markt.
Der Weg dorthin ist jedoch lang und nicht wirklich romantisch, denn wer Rosen züchten will, muss auch viele Rosen umbringen.Rosenblüten sind zwittrig, also zweigeschlechtlich. Damit sich eine Sorte nicht selbst bestäubt, müssen die männlichen Geschlechtsteile mit den Pollensäcken beizeiten entfernt werden.
Kühl gelagert und getrocknet, wird der Pollen der ausgewählten Vaterpflanze dann mit dem Finger auf die Narbe der Mutterpflanze aufgebracht. Per Klebeetikett wird gekennzeichnet, wer der Vater ist. Und dann kann die Natur ihren Gang gehen und in Kürze wird der Blütenboden den wir hier sehen beginnen anzuschwellen und die Frucht der Rose die Hagebutte bilden.
Im Herbst werden die Hagebutten geerntet, die Saatkörner entnommen und zur Keimung gebracht. Bereits jetzt wird ausgiebig selektiert. Nur etwa 10 % der Sämlinge dürfen sich dann auf den Testfeldern weiter behaupten. Unter Freilandbedingungen, so wie im Garten auch. Und da trennt sich bald die Spreu vom Weizen.
Sternruß oder Mehltau sollten eben nicht vorkommen, denn auf den Einsatz von Fungiziden verzichtet Kordes auf den Testfeldern. Eine Gartenrose soll viele Aspekte bedienen. Sie soll natürlich, robust, winterhart und blühreich sein. Sie soll sich gut putzen, sie soll gut Regen abkönnen. Aber der Duft ist für viele Gartenfreunde ausschlaggebend. Das ganze Paket macht es dann. Aber Kordes würden den Duft niemals über die Gesundheit setzen. Denn was nützt die schönste Gartenrose, wenn sie im Garten nur kränkelt.
In Sparrieshoop wird nicht nur gezüchtet, sondern auch produziert, werden Rosen vermehrt. Dafür werden auf dem Feld unzählige Reiser geschnitten. Sortenrein landen diese Reiser dann im Kühlhaus um nun wieder in mühsamer Handarbeit entblättert und anschließend entstachelt zu werden.
Denn nur ohne Stacheln lassen sich die Knospen, die so genannten Augen, sauber herausschneiden. Der Fachmann nennt das Okulation, Vermehrung auf fremder Wurzel.
Das passiert dann wiederum auf dem Feld, wo jeweils ein Auge von der angestrebten Edelrose in den Wurzelhals einer robusten Wildrose, einer sogenannten Unterlage, eingesetzt wird.
Ein spezielles Pflaster verschließt die Wunde sorgfältig und im Herbst kommt Erde über die Veredlungsstelle, damit der Frost keinen Schaden anrichten kann. Diese Handgriffe erfordern nicht nur sehr viel Übung und Fingerspitzengefühl, sondern auch gesunde Bandscheiben.
Das Gros der Rosen wird auf diese Art und Weise vermehrt, bei Kordes allein 2,5 Millionen pro Jahr! Das norddeutsche Klima, geprägt von ausreichend Niederschlag, Sonne und Wind sorgt dann für kräftiges Wachstum.
Erst nach 2 Jahren gelangen die Rosen in den Handel, um später in Parks und Gärten ihre ganze Pracht zu entfalten.
Schön, lieblich und begehrenswert.
Autorin: Martina Hiller









