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Unter langen, teils schon welken Blättern, verbirgt sich der schärfste aller Meerrettiche, der Spreewälder. Die Blätter erinnern an Rüben oder Mangold. Meerrettich zu ernten ist äußerst mühsam.
Eine Maschine befördert die wertvollen Wurzeln ans Tageslicht. Dann braucht er auf dem Weg ins Glas viele fleißige Hände.
Den echten alten Spreewälder gibt es nur noch bei Jens Richter, der mit neuen Sorten gar nicht erst anfangen will, da er sich auf die Fahne geschrieben hat, alte Sorte zu vermehren und in Umlauf zu bringen.
Der gröbste Dreck wird schon auf dem Feld abgeklopft. Dann kommt die scharfe Fracht auf den Hof, wo die Putzerkolonne wartet. Meist helfen Nachbarn und Freunde, die mit dem Meerrettich groß geworden sind und die genau wissen, welcher Teil der Wurzel welcher Bestimmung folgen muss.
Die Wurzelstecklinge werden im Spreewald als "Schwiegatze" bezeichnet. Jeder einzelne Schwiegatz muss zurechtgeschnitten und dann zusammengebunden werden, 60 Stück in einem Bund. Er wird eingemietet und im Frühjahr fängt er schon an zu keimen. Und dann geht es ab in die Erde.
Ein Bündel heißt im Spreewald dann Schock und kommt zur Überwinterung in eine Erdmiete, die zum Schutz vor Frost zusätzlich noch mit Stroh abgedeckt wird. Im April werden die Ableger dann wieder heraus geholt und einzeln in die Erde gebracht, für die Ernte im nächsten Herbst. Alles andere geht in die Reiberei.
Seit dem 16. Jahrhundert wird im Spreewald Meerrettich angebaut und der gute Boden hier sorgt für die besonders wertvollen Inhaltstoffe und die enorme Schärfe. Die wirkt Wunder auch bei Erkältungen.
Ein halbes Schnapsglas voll Meerrettich und die gleiche Menge Honig dazu und dann gegessen. Da muss man schnell machen, eh die Luft weg bleibt.
Die roten Augen der Putzer sind jedoch erst der Vorgeschmack. Der Spreewälder Karl Koal aus Lehde verarbeitet bereits in dritter Generation diesen Meerrettich und hat dabei so manche Träne vergossen. Das fängt schon an der Waschtrommel an, wo die erdigen Wurzeln geschrubbt und gespült werden.
Dann folgt das Nachputzen. Jede, aber auch jede Wurzel und jedes Stück geht durch die Hände der Koals. Da bleibt kein Auge trocken. Und erst recht nicht, wenn er dann gerieben wird. Die so genannten Senföle, die für den stechenden Geruch verantwortlich sind, machen ihn auch so gesund.
Der Meerrettich ist sehr verdauungsförderlich, hilft auch gegen Rheuma und gegen Zahnschmerzen und war früher das Pennicelllin des kleinen Mannes im Spreewald, weil er auch sehr Vitamin C - reich ist und wer Meerrettich isst, der wird selten krank.
Abgesehen von seiner gesundheitsfördernden Wirkung schmeckt er ja auch. Und wer es nicht ganz so feurig mag, für den kreiert Karl Koal auch solche Varianten wie die mit Preisel- oder Sanddornbeeren.
Beitrag von Martina Hiller









