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Der Schein trügt. Von wegen Winterschlaf. Auch wenn die Pflanzen jetzt physiologisch inaktiv sind, also weder Photosynthese noch Zellteilung stattfinden. Der Gärtner kann sich nicht auf’s Ohr legen, denn in einer Baumschule liegt auch im Winter immer Arbeit an.
Sind Temperaturen unter - 5 ° Grad angesagt, müssen junge Zieräpfel sogar in den Zelten zusätzlich abgedeckt werden - denn: wenn es am Tage sonnig ist, wird es unter der Folie so warm, dass die zarten Wurzeln austreiben und in den kalten Nächten erfrieren.
Alles was größer und robuster ist, aber in Töpfen steht, muss ebenfalls eingepackt werden. Dass die Ballen dennoch durchfrieren, ist nicht das Problem, ständiges Auftauen und wieder Durchfrieren machen der Pflanze Stress.
Ein Schwerpunkt der Winterarbeit ist der Erziehungsschnitt. Ein Obstbaum wie dieser Apfel im ersten, im zweiten, im dritten und im vierten Jahr wächst nicht einfach so vor sich hin. Jedes Jahr wird hier Hand angelegt, bzw. die Schere angesetzt. Es geht beim Kronenaufbau darum, dass sämtlich Triebe, die nach innen zeigen, rausgeschnitten werden müssen.
Und das hat nicht nur optische Gründe. Man sollte immer weg von der Mitte, auf einem Außenauge schneiden. Wenn der Baum nachher in der Blüte steht und die Biene angeflogen kommt, sollten auch die Blütenknospen, die in der Mitte der Krone liegen, von außen zu sehen sein.
Doch damit ist es nicht getan. So ein Baum muss auch alle 3-4 Jahre umgepflanzt werden. Durch mehrfaches Verschulen bzw. durch mehrfaches Verpflanzen wird das Wurzelwachstum kompakt gehalten. Das ist genau das, was der Baum zum Anwachsen am neuen Standort benötigt. Er braucht zum Anwachsen Faserwurzeln, die gebildet werden, indem man die Wurzel immer wieder stört. Dabei entstehen in relativ kompaktem Raum immer mehr Faserwurzeln, die das Anwachsen am Ende garantieren.
Und dann muss noch für Nachschub gesorgt werden. Vermehrt wird im Warmen. Zunächst müssen Wurzelstecklinge der jeweiligen Unterlage geschnitten werden, um diese mit den entsprechenden Reisern zu veredeln. Hier sind Kraft, ein gutes Auge, aber auch Fingerspitzengefühl gefragt, denn die Schnittflächen sollten passgenau übereinander liegen und sauber verbunden sein.
Man sieht bei einer erwachsenen Pflanze sofort, wenn die Veredelungsstelle nicht sauber gearbeitet ist. Das kann die Pflanze auch gefährden, da es eine Eintrittspforte für Krankheitserreger jeglicher Art sein kann. Die Veredelungsstelle kann sogar abbrechen. Das kann bei einem ausgewachsenen Straßenbaum oder einem Obstbaum im Garten zum Problem führen.
Anschließend werden die frischen Veredlungsstellen in Wachs getaucht, als Wund- und Verdunstungsschutz und um das Eindringen von Schaderregern zu verhindern.
Im zeitigen Frühjahr kommen die jungen Bäumchen in Töpfe, wo sie erst einmal loswachsen können. Im Herbst werden sie ins Freiland gepflanzt, wo sie dann in Reih und Glied Jahr für Jahr „erzogen“ werden.
Beitrag von Martina Hiller






