-
Knackig und saftig, so schmeckten einst die Äpfel in Omas Garten: „Kaiser von Wilhelm“ z.B., oder der Zwiebel-Borsdorfer. Manch einer kennt auch noch die Karmeliter Renette oder den berühmten Gravensteiner. Sie sind schwer zu bekommen, die alten Sorten.
Aber auf mancher Streuobstwiese oder in alten Bauerngärten stehen sie noch. In der kalten jedoch frostfreien Zeit lassen sich junge Bäume, die sogenannten Unterlagen mit Reisern dieser alten Sorten veredeln. Dafür schneidet man einjährige Ruten mit festen Knospen.
Einige Gärtnereien, oder auch Volkshochschulen bieten Kurse an, wo Hobbygärtner lernen können, wie es gemacht wird. Im Gartencenter Arnold, in Schöneiche, bringen die Teilnehmer auch Reiser ihrer "Wunschbäume" mit, um sie auf junge, solide Unterlagen zu setzen bzw. setzen zu lassen.
Reichlich Übung, Geschick und ein verdammt scharfes Messer gehören dazu. Ganz wichtig: die saubere Schnittführung. Die Gewebeschichten beider Sorten müssen direkt übereinander liegen. Damit sie miteinander verwachsen können wird die Veredlungsstelle fest mit Bast um wickelt und anschließend mit Wundverschlussmittel bestrichen. Dann wird oben versiegelt.
Wenn das gelingt wachsen auf einen Baum mehrere Sorten. Veredlung macht auch Sinn, wenn man vor ein paar Jahren schon einmal einen verheißungsvollen Baum gepflanzt hat, dessen Äpfel nun aber doch nicht so schmecken, wie man sich das gewünscht hat. Dann empfiehlt es sich, einen Teil der Krone zu entfernen und zwei bis drei Reiser der besser schmeckenden Sorten aufzusetzen.
Dazu wird die Rinde deckungsgleich an Reis und Unterlage frei geschnitten. Dann genau bis an den Kambiumring den Holzkörper freilegen, Reis und Unterlage sauber ineinanderschieben und dann das Reis sicher an der Unterlage befestigen.
Abschließend bekommen dann alle Schnittstellen den Anstrich mit Baumwachs und Ende Mai dürften die Reiser angewachsen sein. Wichtig ist, spätestens im Juni die Bänder zu lösen, damit die jungen Äste nicht abgeschnürt werden.
Bis dann jedoch verschiedene Äpfel von ein und demselben Baum geerntet werden können, bedarf es noch etwas Geduld.
Beitrag von Martina Hiller









