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Ein Anblick, vor dem es jeden Gärtner graut: Pflanzen scheinbar ohne Hoffnung – übersät von nimmersatten Blattläusen! Über 800 Arten gibt es davon in Europa – grün, gelb, rötlich, schwarz, geflügelt oder ungeflügelt fallen sie über Gemüse, Zierpflanzen oder auch Gärtners liebste Rosen her.
In Baruth, bei der Firma Katz Biotech, werden die saugenden Schädlinge sogar gezüchtet. Denn Schädlinge sind notwendig, um Nützlinge zu produzieren.
Wenn Nützlinge eingesetzt werden, hat man keine Rückstände auf den Pflanzen. Nützlinge schaden in der Regel der Umwelt nicht so stark. Man muss natürlich aufpassen, dass man die richtigen Nützlinge einsetzt, keine fremden Arten. Wenn man Nützlinge einsetzt hat man keine Probleme mit Resistenzen. Wenn man zu oft die gleiche Chemie spritzt, kann es sein, dass die Schädlinge resistent werden.
In den hauseigenen Laboren und Kinderstuben werden unter ständiger Kontrolle 17 verschiedene Nützlinge gezüchtet. Vor allem Erwerbsgärtner greifen immer öfter auf die tierischen Helfer zurück. Zum Beispiel auf die Florfliege und deren Larve, ein Allrounder und Vielfraß unter den Nützlingen. Sie vertilgt Wollläuse, Blattläuse, Spinnmilben und andere kleine Insekten. Wie oft haben wir nach ihr ge- oder sie gar erschlagen?
Oder die mit bloßem Auge kaum zu erkennende Schlupfwespe. Auf Tabakpflanzen legt sie ihre Eier in die Nymphen, also die fast erwachsenen Larven der Weißen Fliege, die ihrerseits schon kräftig auf den Pflanzen gewütet hat. Die Nymphe des Schädlings wird so parasitiert und im Inneren entwickelt sich, statt einer neuen Weißen Fliege, die Larve einer Schlupfwespe. Beim Kunden knabbert sie sich aus der Hülle und beginnt sofort mit der Arbeit.
Ernte auf dem Buschbohnenfeld. Doch nicht die Frucht ist von Interesse, sondern gelb gesprenkelte Blätter, von Spinnmilben traktiert.
Anschließend werden die Bohnenblätter verpackt und sofort an die Kunden geschickt. Die legen sie dort aus, wo ein Schädlingsbefall vorhanden ist. Die Raubmilben wandern von den Blättern runter und vertilgen die Schädlinge.
Grundsätzlich bietet sich der Nützlingseinsatz eigentlich für den geschützten Bereich an, also Unter-Glas-Bereich, Wintergarten, oder Blumenfenster. Das ist kein Problem und alle Nützlinge sind dort einsetzbar. Aber wenn man ins Freiland geht, muss man schon sehen, welche Arten man einsetzt. So eine kleine Schlupfwespe ist nämlich schnell weggeflogen, die kann man im Haus einsetzen, aber nicht draußen.
Anders das Paradebeispiel des biologischen Pflanzenschutzes, der einheimische Siebenpunktmarienkäfer. Den kann der Gärtner an seine von Blattläusen befallenen Rosen setzen. Er ist überaus effektiv, verfressen und wenn er nichts zum Beißen hat, kann er sogar zum Killer der eigenen Nachkommenschaft werden. Deshalb wird er hier in Baruth ordentlich gefüttert – mit den frisch geernteten Blattläusen.
Beitrag von Sylvia Rademacher



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