Haupteingang zum Sperrgebiet in der Freienwalder Straße, © rbb/BStU/astfilm productions
Haupteingang zum Sperrgebiet in der Freienwalder Straße

Hinter den Mauern von Hohenschönhausen - Stasi-Knast und Sperrgebiet

Die Dokumentation schaut hinter die Mauern des damaligen Sperrgebietes, erzählt dramatische Geschichten von damals Inhaftierten, seziert die Anatomie des Unterdrückungsapparates an diesem einst abgeschirmten, geheimnisvollen Ort.

Mitten im Stadtteil Hohenschönhausen gab es für Jahrzehnte einen Ort, der auf keinem Ostberliner Stadtplan zu finden war. Ein weißer Fleck. Neben der Zentrale in der Berliner Normannenstraße lag hier das größte Objekt der DDR-Staatssicherheit. 44 Jahre lang war dieser Ort abgesperrt, abgeriegelt, abgeschirmt.

44 Jahre lang diente er der Machterhaltung, bis die Macht der SED und der Staatssicherheit zusammenbrach und sich die Tore des geheimen Sperrbezirks öffneten.

Ironie der Geschichte: 1990 wurde hier der wohl am meisten gehasste und gefürchtete Mann der DDR-Stasi Chef Erich Mielke eingeliefert. Er war der letzte Häftling.

In der zentralen Untersuchungshaftanstalt der Staatsicherheit wurden mehr als 40.000 Menschen von der Stasi und zuvor vom sowjetischen Geheimdienst festgehalten, verhört und oftmals physisch und psychisch zerstört.

Für die Vernehmer der Staatsicherheit war es der tagtägliche Arbeitsplatz. Für die anderen, die nicht freiwillig an diesem Ort waren, war es die Erfahrung, dass hier alles nichts mehr galt, nicht einmal das Recht auf den eigenen Namen.

Im Sperrgebiet befand sich aber nicht nur der Stasi-Knast, das Objekt war ein "Großunternehmen" mit unterschiedlichsten Abteilungen, in denen insgesamt etwa 2.500 Hauptamtliche Mitarbeiter der Staatssicherheit arbeiteten.

Es gab hier u. a. ein NS-Archiv, eine eigene Druckerei, das geheimste Krankenhaus der DDR oder die zentrale Ermittlungsabteilung. Von besonderer Bedeutung waren auch die Forschungseinrichtungen des so genannten "Operativ-Technischen-Sektors".

Hier wurde alles projektiert, entwickelt, gebaut und wieder instand gesetzt, was für die Bespitzelung der inneren und äußeren Feinde erdacht werden konnte. Vom nachgemachten Hausschlüssel, ausgetüftelten Brieföffnungsmaschinen, getarnten Beobachtungsfahrzeugen bis zur Verwanzung von Räumen aller Art.

Nirgendwo sonst konzentrieren sich die baulichen Hinterlassenschaften von Verfolgung und Repression in der DDR in vergleichbarer Weise.

Film von Daniel und Jürgen Ast

Erstausstrahlung 15.01.2013