Constanze Behrends; Foto: Gregor Baron
Bild: Gregor Baron

Autorin und Hauptdarstellerin Constanze Behrends zur TV-Adaption - Es wird bunt, schrill, liebevoll und crazy - wie Berlin!

Vor mehr als 12 Jahren hatte ich die Idee, das TV-Format Sitcom für die Bühne zu adaptieren. Nach den amerikanischen Vorbildern "Friends", "The Simpsons" und "How I met your mother" entstand in Namensanlehnung an die deutsche Soap "GZSZ" dann "Gutes Wedding, schlechtes Wedding", dessen erste Folge am 10.Januar 2004 in dem von mir mitgegründeten prime time theater Premiere hatte. Es war ein Experiment.

Ich hatte noch nie zuvor Theatertexte geschrieben. Ich beschrieb einfach humorvoll das, was der Wedding und seine angrenzenden Bezirke mir boten: Dönerbuden, Arbeitsämter und den Clash der Kulturen. Schnell war auch ein Antagonist gefunden: Seit der 4.Folge macht der "Prenzlwichser" den Wedding unsicher. Seither habe ich 100 Folgen der Sitcom für die Bühne verfasst und schon von Anfang an war die Idee da: Irgendwann muss das TV-Format von der Bühne zurück ins Fernsehen.

Viele Jahre später hat der rbb sich bereit erklärt, dieses neue Experiment mit mir und Mitgliedern des prime time Ensembles zu wagen. Und ich stand vor der Herausforderung aus den 100 Folgen mit insgesamt über 300 Figuren vier knackige Drehbücher zu entwickeln. Ich entschied mich für den Grundkonflikt, der sich seit jeher durch die Bühnensitcom zieht: Der Gegensatz zwischen den bodenständigen Weddingern und den verkopften Prenzlbergern. Und diese beiden Lager brauchten jeweils ein Gesicht: im Wedding trägt es eine Monobraue, ein schiefes, freundliches Grinsen und heißt Ulla.

Im Prenzlberg ist es schöner, aber verkniffener, trägt eine Hipster-Brille und hört auf den Namen Penelope. Die beiden sind Zwillingsschwestern, die nichts voneinander wissen. Das doppelte Lottchen aus dem Nachbarbezirk. So wie Wedding und Prenzlberg, die direkt nebeneinander liegen und doch scheinbar so unterschiedlich sind, so verschieden sind auch die Zwillingsschwestern. Die Idee war, herum zu spinnen, was die Umwelt aus einem Menschen macht. Penelope und Ulla sind eineiig, haben die gleichen Erbanlagen und doch ist die eine Veganerin und die andere Fleischliebhaberin, die eine macht Kunst und die andere "det, wat gerade ansteht". Und am Ende sind sie vielleicht gar nicht so verschieden, können sogar viel voneinander lernen.

Die zwei Welten der beiden Schwestern gaben mir die Möglichkeit, viele meiner Lieblingsfiguren von der Bühne unterzubringen: den schwäbischen Männerstillgruppen-Leiter Üwele und die Esoterikerin Katrin oder die Punkerin Ratte und den Dönerbudenbesitzer Ahmed zum Beispiel. Eine klassische TV-Sitcom beschränkt sich auf einen Freundeskreis, eine Gruppe von Kollegen oder eine Familie. Hätte ich so eine Konstellation für die Bühne gewählt, gäbe es die Sitcom nicht so viele Jahre.

Und auch in der TV-Fassung wollte ich mich nicht auf die typischen Figuren beschränken, sondern das ganze Spektrum der verrückten Charaktere auffahren, die Berlin so einzigartig machen. Deshalb ist alles dabei: Vom Ost-Polizisten zum Comic-Nerd, vom Waldorfschüler zu den Zwillingstürken Orkan und Taifun. Und besonders lustig ist es zu sehen, dass viele Figuren von den gleichen Schauspielern verkörpert werden. Der Schwabe, der Ossi und der Türke sind alle der selbe Darsteller? Ja! Es wird bunt, schrill, liebevoll und crazy - wie Berlin!