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Aus dieser Glashütte kommt der Erfinder der Röntgenröhre und der Thermoskanne.
Inmitten von endlosen Quadratkilometern Wald eine Lichtung und eine alte Industrie-Siedlung. Warum baute man die ausgerechnet hier her?
Georg Goes, Vorsitzender Museumsverein Glashütte:
"Vor 300 Jahren, 1715, fegte hier ein Wintersturm durch das Urstromtal und Graf Friedrich Sigismund nutzte das Holz, das am Boden lag, um eine Glashütte zu gründen. Nicht nur Sand brauchen Glashütten, sondern große Mengen Holz – aus dieser Menge Festholz gewinnt man 10 kg Holzasche und 2 kg Pottasche – daraus kann man 10 Kilo Glas machen."
Ab 1716 entstanden für die Arbeiter Langhäuser. Alle mit Garten, Hof und Stallungen. Es gab eine kleine Küche mit Kochmaschine, eine Stube von 20 m², ofenbeheizt und eine Schlafkammer, in der sich die Familie mit 2 - 4 Kindern drängte.
Wilken Straatmann aus Hamburg hat letztes Jahr eines der alten Häuser gekauft und bringt den Hof wieder auf Vordermann. Hier gibt es Ställe mit vier Plumpsklos, die für zehn Familien reichen mussten, die im Haupthaus gewohnt haben. Die Häuser werden bedächtig und mit Blick auf den Denkmalschutz saniert. Ebenso wird mit Bedacht geregelt, wer neu nach Glashütte zieht. In der Dorfgemeinschaft wird besprochen, wer zu ihnen passt, welches Angebot für ein Handwerk es gibt und was sie hier noch nicht haben.
Vor 200 Jahren zogen die besten Glasmacher des Landes hierher. Lampen aus Glashütte wurden damals gefeiert auf der ersten Weltausstellung in Paris. In Spitzenzeiten verließen nun jährlich eine Million Lampenschirme das blühende Dorf hinaus in alle Welt. Die alte Schule war mit guten Lehrern besetzt, weil die Glasmacher was auf sich hielten. Die älteste Kegelbahn Brandenburgs gab es hier und im Gasthof spielte Theater und der alte Arbeiter-Turnverein war dort aktiv.
Der größten Sohns von Glashütte Reinhold Burger ist für zwei Erfindungen berühmt: Die Röntgenröhre – das älteste Exemplar der Welt steht hier im Museum, und die alltagstaugliche Thermosflasche. Zwei Welterfolge!
Zu DDR-Zeiten wurden jedoch bald nur noch Gärballons hergestellt. 1980 schloss die Glashütte endgültig. 20 Tonnen erstarrtes Glas von der letzten Schmelze stecken noch heute im Ofen.
Künstler und Gewerbetreibende, die sich nach der Wende hier niederließen, holten das Dorf aus dem Dornröschenschlaf. Neues Leben kommt in alte Häuser. Zu Pfingsten eröffnete Ruth Maiwald ihren Schokoladen "Albertine" mit ausgefallenen Süßigkeiten aus aller Welt. Das neue Leben in der märkischen Abgeschiedenheit hat eben auch einige weltläufige und vor allem süße Seiten
Ein Beitrag von Ralph Stolle
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/heimatjournal/archiv/heimatjournal_vom141/glashuette___historie.html