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HEIMATJOURNAL
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Sa 26.11.11 19:00

Ulli Zelle ist zu Glasmachergeschichten in Glashütte in Brandenburg unterwegs

Glasbläserei in der Hütte +++ Glasmurmelspiele in der Galerie +++ Glasschmuck im Museum +++ Studentenworkshop

Eine der berühmtesten Glashütten in Brandenburg, die auch international Preise holte, war die Glashütte bei Baruth. 65 Glashütten gab es einst in 60 Orten Brandenburgs.

Im Jahre 1715 hat ein fürchterlicher Sturm in der Gegend um Baruth getobt. Die Gegend war verwüstet, Bruchholz lag in Massen herum. Da es in dieser Gegend auch genügend Sand gab, entschied der Graf Friedrich zu Solms-Baruth eine Glashütte auf dem Gelände zwischen den Dörfern Klasdorf, Friedrichshof und Dornswalde zu errichten und er verpflichtete den Glasmachermeister Bernsdorf aus Lieberose, die Glasherstellung dort zu betreiben. Denn Sand und Holz sind die Elemente für Glas. Für die Arbeiter wurden so genannte Langhäuser gebaut. Ein Dorf entstand. Die Häuser hatten Garten, Hof und Stallungen. Im ersten Jahrhundert musste die Glashütte mehrmals geschlossen werden, weil sie nicht rentabel genug war. 1822 begann die erfolgreiche Zeit am Standort. Es gelang der Durchbruch. Durch Zugabe von Schafsknochenasche konnte reines Milchglas für Beleuchtungskörper hergestellt werden, das eine steigende Nachfrage fand.

In der Glashütte wurden im 19. Jahrhundert unter anderem weiße Lampenschirme hergestellt, die auf der ersten Weltausstellung in Paris wegen ihrer gleichmäßigen Lichtstreuung Aufsehen erregten. In der Mitte des 19. Jahrhunderts war die Baruther Glashütte die größte Glasfabrik in der Provinz Brandenburg. In den 1870erJahren hatte das Dorf 460 Einwohner, 219 von ihnen waren in der Hütte beschäftigt. 1875 wurde das Unternehmen an die Berlin-Dresdner-Eisenbahn angeschlossen. So verbesserte sich weiter die Absatzsituation.

1948 wurde der langjährige Geschäftsführer Alfred Kaiser enteignet und die Baruther Glashütte zum Volkseigenen Betrieb umgestellt. Zentral wurde in den 1950erJahren die Fertigung von Lampenschirmen an andere Glasfabriken vergeben. Ab 1954 wurden in Glashütte Gärballons hergestellt. In den 1970erJahren konnten Gärballons nicht mehr ins devisenbringende Ausland exportiert werden. Ab 1976 wurde wieder Beleuchtungsglas hergestellt. Am 30. September 1980 wurde die Baruther Glashütte wegen technischer Mängel und Baufälligkeit endgültig geschlossen.

Heute ist Glashütte eine denkmalgeschützte Siedlung mit über 30 Gebäuden und ein lebendiges Museumsdorf. Das Museum Baruther Glashütte ist ein Spezialmuseum für Industriekultur und die Geschichte des Glases. Im Baudenkmal der Hütte von 1861 findet sich eine Dauerausstellung zur Kultur- und Technikgeschichte des Glases. Jährlich kommen tausende Besucher in das Dorf. Im Dorf selbst haben sich Gewerbetreibende niedergelassen, die meist altes Handwerk betreiben. Glasmacher, Glasbläser, eine Töpferei, Modeläden, ein Kräutergeschäft, eine Filzerei, ein Fabrikgasthof und eine Museumsherberge mit Biobadeteich. In der Galerie Packschuppen finden Ausstellungen zeitgenössischer Künstler statt.

Ulli Zelle versucht sich bei dem Glasmacher Patrick Damm in der Glasbläserei. Der Glasmacher gibt seine 14jährige Erfahrung gerne weiter. Hier in Glashütte hat er das Handwerk gelernt. Beide fertigen gemeinsam ein Trinkglas.

In der Galerie Packschuppen ist das Refugium von Gabriele Klose. Hier sind Werke von Künstlern aus der Region ausgestellt. Die Galeristin ist auch perlensüchtig und bietet eine Riesenauswahl an Glasmurmeln an. In der Galerie werden auch Spielzeug verkauft, so wie es früher einmal war und Glasperlen.

In Glashütte gibt es eine besondere Ausstellung zu einem heute absolut unbekannten Schmuckbetrieb der DDR - Gablona, dessen kreativen Bereich eine heute noch international bekannte Künstlerin aus Luckenwalde 15 Jahre lang geleitet hat. Der Schmuck kommt überraschend schön daher. Er ist Modeschmuck aus den 60ger und 70ger Jahren, einer auch in der DDR sehr kreativen Zeit.

Dieser Text gibt den Sachstand vom 26.11.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Serviceinformationen

Museumsdorf Baruther Glashütte

Hüttenweg 20
15837 Baruth Glashütte
Tel: 03 37 04 - 9 80 90
Fax: 03 37 04 - 98 09 22
[www.museumsdorf-glashuette.de]

Galerie Packschuppen

Holzskulpturen von Gisela Ehrhardt
Geschäft für Kinderspielzeug. Murmeln, Glasperlen
2011 bis zum 23. Dezember geöffnet
11 bis 17 Uhr

Sonderausstellungen im Museum Baruther Glashütte

Modeschmuck in der DDR
Entwürfe von Armgard Stenzel für Gablona
Bis 18. März 2012

Erlebnisgastronomie im Museum

"Ofenzauber und Hüttenschmaus"
3. Dezember 2011 und 14. Januar 2012

Weihnachtsmarkt in Glashütte

Mit Bergmannsweihnacht
26. und 27. November 2011

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/heimatjournal/archiv/heimatjournal_vom141/ulli_zelle_ist_zu.html

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