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HEIMATJOURNAL
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Sa 28.01.12 19:00

Schokoladen e.V.

Das alternative Kultur- und Wohnhaus droht bald Geschichte zu sein.

Vor mehr als nun schon zwei Jahrzehnten hat sich der Vorhang für eine bunte Kiezkultur im südlichen Teil der Ackerstraße geöffnet. In Wendezeiten haben kreative Menschen ein Wohnhaus und die verfallene Schokoladenfabrik besetzt und dann Mietverträge abgeschlossen. Hier gibt es Ateliers, Tonstudios, Probenräume, einen Musikklub, den Club der polnischen Versager und ein Theater.

Nun droht das Wohn- und Kulturhaus Schokoladen bald Geschichte zu sein. Die Gewerberäume sind bereits gekündigt. Der Eigentümer will sanieren, hat andere Pläne für das Haus. Der Verein selbst hat diverse Kaufangebote gemacht.

Christian Keller, Sprecher Schoko Laden e.V.
"Das Haus braucht dringend ein wenig Liebe, es ist in einem schlechten Zustand. Natürlich haben wir uns Gedanken gemacht wie man eine Sanierung machen kann. Wir haben auch ein Budget vorgesehen für die Sanierung. Wir würden eine sehr minimale Sanierung machen, weil wir den rottenden Charme hier sehr schätzen. Würden lediglich Substanzerhalt und Erneuerung von Versorgungssträngen vornehmen, würden versuchen die Kosten niedrig zu halten, damit die Mieten niedrig sind und wir weiterhin unsere unabhängige Kulturarbeit machen können."

Noch gibt es das Theater im Schokohof. Der heute bekannte Regisseur Thomas Ostermeier hat hier erste Inszenierungen gezeigt. Andere Ensembles folgten. Besucht wird das Theater von Berlinern und Touristen gleichermaßen. Es bietet freien Gruppen eine Bühne und eine Chance.

Matthias Horn, Leiter TISCH-Theater im Schokohof
"Natürlich braucht Berlin eine alternative Kultur, es verschwindet immer mehr alternative Kultur. Berlin schmückt sich massiv damit aber macht es kaputt."

In den alten Fabrikgebäuden arbeiten auch Comiczeichner und Objektkünstler, es entstehen Filmkulissen, und Maler finden günstige Atelierräume. Alle Wohnungen im Schokoladen sind vermietet. Seit nunmehr 21 Jahren lebt Olaf Wriedt bereits hier, ein Erstbesetzer sozusagen. Für viele Vereinsmitglieder ist der Schokoladen ein Teil ihres Lebens geworden, sie engagieren sich bereits seit seiner Gründung dafür, dass er erhalten bleibt. Und das ehrenamtlich. 60 Mitstreiter arbeiten hier in ihrer Freizeit. Nur so kann beispielsweise der Eintrittspreis von 5 Euro für Musikkonzerte, Lesungen und Kino gehalten werden.

Noch lädt der Club der polnischen Versager ein, wo regelmäßig Satireabende veranstaltet werden, noch produziert Chris in seinem Tonstudio, das einmal eine Ruine war. Dass sich der Vorhang für den Schokoladen nicht für immer schließt – darauf hoffen vielleicht auch andere Bewohner der Ackerstraße, die immer gerne zu den Hausfesten in den Schokoladen kommen.

Ein Beitrag von Sabine Horn

Dieser Text gibt den Sachstand vom 28.01.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Serviceinformationen

Schokoladen Mitte

Ackerstrasse 169
10115 Berlin
Tel: 0 30 - 2 82 65 27
www.schokoladen-mitte.de

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